St. Quentin – Johnny Cash

„San Quentin, I hate every inch of you“ – nach seinem furiosen Auftritt in Folsom Prison absolvierte Johnny Cash am 24. Februar 1969 ein ebenso denkwürdiges Konzert im Staatsgefängnis San Quentin: Extra für diesen Anlass schrieb er das gleichnamige Stück, in dessen Text er sich in die Lage der Insassen versetzte, sich damit unmissverständlich auf ihre Seite schlug und die menschenunwürdigen Zustände der legendär berüchtigten Anstalt verurteilte. Das Gefängnis ist eines der ältesten Kaliforniens und war damals vor allem für zwei traurige Wahrheiten bekannt: seine chronische Überfüllung und regelmäßig vollzogene Hinrichtungen. Cashs Worte trafen an jenem Abend die Männer vor der Bühne mitten ins Nervensystem: Schon während der Darbietung erntete er für Textzeilen wie „may your walls fall and may I live to tell“ oder „San Quentin, may you rot and burn in hell“ tosenden Szenenapplaus, wie man ihn sonst eher von Stier- oder Boxkämpfen kennt. Als das Stück endete, glich der Beifall einer lautstarken politischen Diskussionsrunde – das Publikum war derart aus dem Häuschen, dass Cash das Stück direkt noch einmal spielen musste – leicht abändert. Das komplette Album dieses besonderen Konzerts blieb vier Wochen lang auf der Pole Position der Popcharts und warf mit „A Boy Named Sue“ ebenfalls einen Nr.1-Hit ab. Die während des Auftritts gedrehten Filmausschnitte jedoch wurden damals vorerst nicht ausgestrahlt – unruhige Zeiten in den USA, und Cashs Aussagen waren deutlich zu gesellschaftskritisch.

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