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Blackout Tuesday

„Tatort“: ein toter Held

Wer je in der Berliner U-Bahn gefahren ist, der kennt so eine Gemengelage: Einige Männer dösen vor sich hin; ein paar asiatische Mädchen gickeln lautstark über ihren Smartphones; zwei Jugendliche mit Kapuzen lärmen betrunken durch den Gang; ein Mann telefoniert. Es ist früh am Morgen, die erste Bahn, für manche endet die Nacht, für andere beginnt der Tag. Dann entdecken die Halbwüchsigen einen älteren Mann, der eine Gehhilfe hält, entwenden das Gerät, spielen damit herum, machen obszöne Bewegungen und fordern 30 Euro. Die Umsitzenden bemühen sich, nicht hinsehen zu müssen. Nun kommt der Mann herbei, der telefoniert hat, gebietet mit fester Stimme Einhalt, schaut die beiden an und sagt schließlich: „Ich habe ein Auge auf euch.“

So beginnt „Gegen den Kopf“, der „Tatort“ aus Berlin, geschrieben und inszeniert von Stephan Wagner: Es hätte ja nichts passieren müssen. Aber zwei Minuten später, an der nächsten Haltestelle, starb der Mann, ein selbstbewusster Hüne. Er hatte ein Foto von den Randalierern gemacht, das er nicht löschen wollte, woraufhin einer der Jungen wie besinnungslos auf ihn einprügelte und ihn schließlich mit Tritten traktierte. Auf dem Bahnsteig standen acht Menschen, eine Frau verständigte anonym die Polizei, aber die Täter flüchteten zu schnell.

Nun macht de Polizei ihre Routinearbeit: Spuren sichern, Bilder der Überwachungskameras überpüfen, Handys orten, Zeugen befragen, die Menschen aus dem Zug finden. Die Ereignisse sind aus vielen Perspektiven dokumentiert. Wir sehen die Leiche von Mark Haessler in der Gerichtsmedizin: 38 Jahre alt, 1,97 Meter groß, 96 Kilogramm schwer. Verkrustetes Blut im Gesicht. Bei der Witwe im friedlichen Berliner Vorort war bereits der Reporter der Boulevard-Zeitung, das Kind spielt im Garten, die Kommissare Ritter (Dominic Raacke) und Stark (Boris Aljinovic) begegnen einer verstörten, kraftlosen Frau: „Er sagt, mein Mann war ein Held.“ Bei der Staatsanwältin tragen sie mechanisch den Fall vor, sie ist froh, dass sie es nicht aus den Medien erfährt, und gewährt „volle Mannstärke“: Die Öffentlichkeit wird Druck ausüben, die Sache muss vom Tisch.



Podcast: 1986 im Kino – „Platoon“, „Top Gun“, „Highlander“, „Pretty in Pink“ …

Freiwillige Filmkontrolle widmet sich in Teil 2 der großen 1986er-Retrospektive folgenden Filmen: Platoon The Mission Pretty In Pink Labyrinth Top Gun Highlander Staatsanwälte küsst man nicht Gefährliche Freundin Sassan Niasseri und Arne Willander im Podcast: FFK-Weiterhören: 40 Jahre „Der Elefantenmensch“ „Beastie Boys Story“ Unorthodox“ – Kunst oder Kitsch? „Tiger King“ „Der Schacht“, „The Mandalorian“, „Der Unsichtbare“ 1986 – das magische Kinojahr Corona-Krise: „Contagion“ und „Outbreak“ 1985: Goonies, Mad Max, McFly und Co. 1985 auf dem Prüfstand – Teil 1 Oscars 2020: der Check „Uncut Gems“ – DER Oscar-Snub! „Picard“ – das neue „Star Trek“-Highlight Die Oscar-Nominierungen, geprüft Der große Jahresrückblick…
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