Posthume Veröffentlichung: So klingt Taylor Hawkins‘ Cover von „Guess I’ll Go Away“


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„Guess I’ll Go Away“ heißt die erste Veröffentlichung von Taylor Hawkins‘. Kurz vor seinem Tod nahm er den Track gemeinsam mit dem US-Musiker Edgar Winter auf. Bei dem Stück handelt es sich um eine Coverversion, die ursprünglich von Winters Bruder Johnny gesungen wurde.

Tribute-Album für Johnny Winter

Erschienen ist der Song in der vergangenen Woche (15. April) auf Edgar Winters Tribute-Album „Brother Johnny“. 2014 verstarb Bluesmusiker Johnny Winter im Alter von 70 Jahren in einem Hotelzimmer in Zürich. Die Todesursache blieb unbekannt. Ein ähnliches Schicksal ereilte Foo-Fighters-Drummer Taylor Hawkins im vergangenen Monat: Auch er verstarb – ohne bisher geklärte Gründe – auf Tour.

„Jung, lebhaft und modern“ – Winter wollte Hawkins für die Coverversion

Auf „Guess I’ll Go Away“ übernahm Hawkins den Gesang. Winter spielt die Orgel und sein Leadgitarrist Doug Rappoport begleitet die beiden auf der Gitarre. Wie sich die Zusammenarbeit ergab, beschreibt Winter auf seiner Website: Für den Gesang auf dem Track hätten sie „einen jüngeren, lebhafteren und moderneren Ansatz“ gewollt. Dadurch qualifizierte sich Taylor Hawkins, der auch schon für die Foo Fighters einige Auftritte als Sänger hingelegt hatte.

Edgar Winter bewundert Taylor Hawkins für seine Energie

Ross Hogarth, Tontechniker, Mischer und Produzent von Winter, „hatte viel mit Taylor gearbeitet und war eng mit ihm befreundet.“ Da er selbst Foo Fighters Fan sei, hätte er ihn vorgeschlagen und Edgar Winter damit direkt begeistert. Seines Erachtens sei Hawkins die „perfekte“ Wahl gewesen.

Er erinnert sich durchweg positiv an Taylors Auftreten und seinen Einfluss auf die Aufnahme. Obwohl er den Schlagzeuger gerade erst kennengelernt hätte, sei er schnell „beeindruckt von seiner Aufrichtigkeit, seiner positiven Energie und seiner puren Begeisterung“ gewesen. „Er hatte einen einzigartigen, spontanen Stil, anders als alle anderen, mit denen ich bisher gearbeitet habe“, erklärt er. „Ich kann sehr eigensinnig sein – aber sobald ich hörte, was er tat, wusste ich, dass es das Beste war, mich zurückzuziehen und ihn sein Ding machen zu lassen. Diese Session war eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde.“

„Ich will nur da raus und rocken“

Geld hätte Hawkins für seine Arbeit an „Guess I’ll Go Away“ nicht nehmen wollen, sagt Winter. Auf seine Versuche eine geschäftliche Verhandlung einzuleiten, sei der Musiker gar nicht eingegangen. „Ich will gar nichts dafür, ich will nur da raus und rocken“, soll er abwehrend gesagt haben. Winter mache dafür Hawkins‘ „Respekt vor Johnny, seinen Wunsch, mir bei dem, was ich tat, zu helfen, das Mitgefühl für die Art des Projekts oder die Freundschaft mit Ross“ verantwortlich.

Der Songtitel macht Hawkins und Winter alle Ehre

Über den Tod von Taylor Hawkins und Johnny Winter philosophiert der Musiker: „Der Name des Songs ist „Guess I’ll Go Away“. Nun, sowohl Johnny als auch Taylor sind von uns gegangen, an einen Ort von dem niemand wissen kann, wo er liegt, aber wohin wir alle eines Tages reisen müssen. Obwohl ich weiß, dass Johnny diese Welt verlassen hat, denke ich immer noch jeden Tag an ihn und spreche mit ihm, und ich werde nun auch Taylors Gesicht neben seinem sehen. Wo auch immer dieser Weg hinführen mag, ich wünsche ihnen Frieden und Liebe auf der Reise, in dem Wissen, dass ich mich ihnen bald anschließen werde – so wie wir alle es eines Tages tun werden.“

Neben Taylor Hawkins haben weitere Musiker an der Platte „Brother Johnny“ mitgewirkt, darunter beispielsweise Michael McDonald, Joe Walsh, Joe Bonamassa und Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr. Mit letzterem wird Edgar Winter in Kürze auch auf Tour gehen.

Zuletzt hatten sich diverse Künstler*innen zu Taylor Hawkins‘ plötzlichen Ablebens geäußert und ihm die letzte Ehre erwiesen: Billie Eilish trug bei ihrem Auftritt bei den Grammys 2022 ein Shirt, das den Schlagzeuger abbildete. Queen-Gitarrist Brian May teilte während eines Interviews emotionale Worte zu Hawkins und Fleetwood-Mac-Frontfrau Stevie Nicks schrieb sogar ein Gedicht zu Ehren des Verstorbenen. Auch Paul McCartney und James Corden zollten ihm Tribut.