The Staves: Eine Spritztour aufs Land

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The Staves: Eine Spritztour aufs Land

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The Staves – sind das nicht die miteinander verwandten Folk-Grazien Mitte 20, die sich immer so harmonisch ergänzen und deren Musik so unschuldig wirkt, dass man sie sich unmöglich wütend oder gar schreiend vorstellen kann? „Vielleicht sollten wir das neue Album noch mal als ,Screaming Deluxe Edition‘ aufnehmen“, sagt Emily, die älteste der drei Schwestern, als Antwort auf gängige Klischees. Man hat es im Zusammenhang mit den Staves oft gehört: Dieser ineinanderfließende Harmoniegesang kann nur von Geschwistern stammen. Auch Justin Vernon, der Produzent ihres neuen Albums, „If I Was“, vermutet den Ursprung der Magie irgendwo in der DNA. „Da ist etwas, das mit Familie zu tun hat, mit Geschichte. Etwas, das man nur schwer zu fassen kriegt“, sagt er. Warum es zusammen einfacher geht als allein, können sich die Schwestern auch nicht recht erklären. „Wenn eine von uns anfängt zu singen, kann ich körperlich gar nicht anders als einzustimmen“, sagt Emily. „Man muss mich schon im Nebenzimmer festbinden, um mich davon abzuhalten.“

Justin Vernon, besser bekannt als Bon Iver, hatte die Staves 2013 für eine Tournee in den USA verpflichtet. Der Musiker und Erfolgsproduzent mochte „Dead & Born & Grown“, war aber auch der Meinung, dass das Debüt nicht richtig vermittelte, was die drei auf der Bühne umsetzten. „Wenn ich heute unser erstes Album höre, finde ich auch, dass wir zurückhaltend und leise klingen“, pflichtet Milly, die Jüngste der Geschwister, bei. In einer Tourpause im Februar 2014 besuchten sie Bon Iver zum ersten Mal in seinem abgelegenen Studio in Wisconsin. Der Schnee ging ihnen bis zu den Knien, „fucking cold“, erinnert sich Jessica. Ein Album war da noch gar nicht geplant. Es ging den jungen Frauen, die sich nach Veröffentlichung des Debüts in Interviews noch für das „fuck“ im Song „Pay Us No Mind“ entschuldigten („It was a gentle fuck“), vor allem um drei Dinge: „Get drunk, fuck around and talk about music“– wobei „fuck around“ vor allem das Herumspielen mit Vernons Instrumentensammlung meint – „sein Studio ist eine Spielzeugkiste voller verrückter Sachen“.

Der Unterschied zwischen „If I Was“ und dem Debüt ist ähnlich krass wie der zwischen dem ersten und dem zweiten Album von Bon Iver: Bisher kaum verwendete Instrumente wie Bläser, Streicher und Schlagzeug schichten sich zur Wall of Sound, der harmonische Gesang wird eingebettet in sphärische Synth-Arrangements. „Wir hatten Zeit zu experimentieren. Es gab keinen Label-Typen, der die Minuten zählt, weil es sonst zu teuer wird“, schwärmt Milly von der „kreativsten Zeit“ ihres Lebens. Die anderen nicken. „Es klingt genau so, wie wir es machen wollten, mit genau den Leuten, mit denen wir es machen wollten. Alles andere ist Bullshit.“

Unter „alles andere“ fällt auch die undurchsichtige Entscheidung der Plattenfirma, den Erscheinungstag von „If I Was“ um einige Wochen zu verschieben. „Vielleicht hatte es was mit Vorbestellungen zu tun, mit iTunes oder Spotify – nichts, was mit Musik zusammenhängt. Aber es bestimmt unser Leben“, echauffiert sich Milly. Es ist das erste Mal, dass man Wut in einer Staves-Stimme hört. Die älteste Schwester lacht und kontert gefasster: „Der Tag ist der 23. März. Ich werde mir das Datum auf den Arm tätowieren – dann können sie es nicht noch mal verschieben!“

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