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Die größten Musiker aller Zeiten: The Who – Essay von Eddie Vedder, Pearl Jam


Ich war ungefähr neun, als ein Babysitter bei mir zu Hause „Who’s Next“ auflegte. Die Eltern waren weg. Die Fensterscheiben klirrten. Die Regale wackelten. Rock’n’Roll. Ab da erkundete ich eine Musik, die Seele hatte, in der Rebellion steckte, Aggression, Leidenschaft. Zerstörung. Das alles war Who-Musik. Da gab’s die Mittsechziger Maximum-R&B-Periode: Miniopern, Woodstock, Soloalben. Man stelle sich vor, wie das ist, wenn man als Kind „Live At Leeds“ begegnet, dieser Lokomotive von einer Platte. „Hi, ich heiße Eddie, ich bin zehn Jahre alt, und ich lass mich grade komplett wegblasen.“ The Who auf Platte waren dynamisch. Roger Daltrey sang verletzlich, aber ohne Schwäche, Zweifel oder Verwirrung. Es war kein Plädoyer für Mitleid. Ihr solltet euch unbedingt Rogers Gesang in „Lubie (Come Back Home)“, einem Bonus-Track auf dem ersten Album „My Generation“, anhören. Da läuft er zu Höchstform auf.

The Who: die beste Liveband der Welt

Sehr wahrscheinlich sind sie bis heute die beste Liveband. Selbst Listenfanatiker, Punklegende und Musikhistoriker Johnny Ramone war da mit mir einer Meinung. Man kann Keith Moon und sein Spiel nicht erklären. John Entwistle war ein Rätsel für sich, noch so eine virtuose Ausnahmeerscheinung. Roger verwandelte sein Mikro in eine Waffe, scheinbar zum Selbstschutz. Derweil stürzte sich Pete ins Getümmel und schwang seine 70er-Jahre-Les-Paul – und das ist eine verdammt schwere Gitarre.

Als Liveband erzeugten sie Bewegung, alles war in Fahrt, und das Ritual des Spielens schien sie zu befreien. Kürzlich sah ich Pete in Chicago Töne aus seiner Gitarre quetschen, wie ein Mechaniker Öl aus einem Lappen wringt. Ich sah zu, wie die Gitarre zum Leben erwachte, ein Lebewesen, das verprügelt und gewürgt wird. Als Pete sie ablegte, ich schwöre, sie wirkte erleichtert. Eine Stratocaster voller Schweiß.

John und Keith machten The Who zu dem, was sie waren. Roger war der Fels. Und Pete ist bis heute einer der wenigen Rockikonen, die viel mitgemacht und trotzdem überlebt haben. Er erkannte, dass man als Rock’n’Roll-Celebrity vom Publikum die Rolle verliehen bekommt, frei nach dem Motto: „Wir bezahlen dich, damit du uns unterhältst.“ Aber er stellte auch fest, dass die Meinung des Publikums umschlagen konnte in: „Wenn wir mit dir fertig sind, werden wir dich durch jemand anderes ersetzen. Für mich werden The Who immer unersetzlich bleiben.



The Who: Roger Daltrey widersetzt sich Corona-Bestimmungen – „F… euch!“

Roger Daltrey scheint kein Fan der Corona-bedingten Ausgangssperre zu sein. Obwohl er mit seinen 76 Jahren zu der Gruppe der am meisten gefährdeten Menschen zählt und damit auch zu denjenigen, denen während der Krise besonders geraten wurde zu Hause zu bleiben, scheint dies den The-Who-Sänger relativ wenig zu tangieren. Grund fürs einen Widerstand seien die Freiheiten, die er durch seine ländliche Umgebung genießt. „Ich lebe am Land, das macht es einfacher“, sagte Daltrey gegenüber Express und erklärte, dass er sich seines Privilegs deswegen durchaus bewusst sei. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sein muss, in London in einer Wohnung…
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