Buchrezension

  • Trevor Tolliver

    - You Don’t Own Me: The Life And Times Of Lesley Gore

    Sie hatte in den USA 20 Top-Ten-Hits zwischen 1963 und 1967, und danach hatte sie keinen Hit mehr. „It’s My Party“, das Lesley Gore als 17-Jährige mit Quincy Jones aufgenommen hatte, setzte sie auf die Agenda, sie trug Bienenkorbfrisur und Kleidchen, sie war Pink Pussycat in der „Batman“-Serie, und als die 70er-Jahre begannen, galt sie […] mehr…

  • Julian Barnes - Am Fenster

    Die mitunter nachhaltigsten Buchempfehlungen entnehmen wir den Romanen der Schriftsteller, die wir lieben. Sie sind meist versteckt und lauern zwischen den Zeilen. Julian Barnes macht es uns mit seiner Essaysammlung leichter: Er präsentiert uns einige seiner Lieblingsbücher ganz unverhohlen, darunter John Updikes Rabbit-Tetralogie, Werke von Penelope Fitzgerald, Ford Madox Ford, Lorrie Moore und naturgemäß Flauberts […] mehr…

  • Karen Duve - Macht

    Die vor allem für ihren wundervoll lakonischen und unsentimentalen „Regenroman“ und den kaum weniger grandiosen Nachfolger, „Dies ist kein Liebeslied“, vielfach bewunderte und gepriesene Karen Duve hat in den vergangenen Jahren weniger als Erzählerin denn als Volksaufklärerin von sich reden gemacht. Mit dem Ernährungsselbstversuch „Anständig essen“ und dem Weltuntergangsessay „Warum die Sache schiefgeht“, das den […] mehr…

  • Daniel Clowes - Mister Wonderful

    Einer Nominierung für den Grand Prix, den Lebenswerkpreis, auf dem Comicfestival Angoulême, hat sich der Schöpfer von „Ghost World“ gerade verweigert, weil keine einzige Frau auf der Shortlist stand. In „Mister Wonderful“ freilich, das nun in der Übersetzung von Heinrich Anders erscheint, dominiert eine männliche, egozentrische Perspektive. Die Graphic Novel im ungewöhnlich breiten Querformat handelt […] mehr…

  • Antonia Baum - Tony Soprano stirbt nicht

    Der Vater der 30-jährigen Icherzählerin ist mit dem Motorrad verunglückt und liegt im Koma. Seine Tochter, eine Schriftstellerin, glaubt anfangs, dass „ich das Leben nicht lesen kann wie einen Roman, in dem Zeichen versteckt sind“. Dennoch klammert sie sich an medial vermittelte Wunder, zum Beispiel daran, dass der Serienheld Tony Soprano lange im Sterben lag […] mehr…

  • David Grossmann - Kommt ein Pferd in die…

    Ein pensionierter Richter, einst für seine Menschenkenntnis geschätzt, bekommt eine seltsame Einladung: Er soll sich in einem kleinen Club nördlich von Tel Aviv einen Standup-Comedy-Abend seines lange vergessenen Jugendfreundes Dovele ansehen und sich ein Bild von ihm machen, genauer: von dem, was „von ihm ausgeht, ohne dass er Kontrolle darüber hat“. Er sieht an diesem […] mehr…

  • Paul Theroux - Tief im Süden

    Theroux, einer der bedeutendsten Reiseschriftsteller, war schon in Afrika, Asien und Ozeanien unterwegs. Nun reiste er erstmals durchs eigene Land, erkundete auf vier langen Fahrten mit dem Auto den Süden der USA, fuhr zu den Orten, wo die Menschen arm, die spärliche Industrie und die Catfish-Produktion verschwunden sind – Opfer der Globalisierung. Man fühlt sich missverstanden […] mehr…

  • Thomas Krüger - Erwin, Enten & Entsetzen

    Erwin Düsedieker ist ein Westfale, wie er im Buche steht. In den Büchern von Thomas Krüger wird dieser stoische, herzensgute Menschenschlag allerdings so komisch und warmherzig beschrieben wie nirgendwo sonst. Erwin, ein vielleicht etwas langsamer und schlichter Polizistensohn mit Polizistenmütze, hat drei große Lieben: seine Freundin Lina Fiekens, seine mit Ermittlerinstinkten ausgestatteten Enten Lothar und Lisbeth […] mehr…

  • Hans Magnus Enzensberger - Immer das Geld!

    Schwere, mit bunten Collagen gefüllte Seiten über die großen Fragen unseres Finanzsystems, die bekanntlich nicht leicht zu beantworten sind: Deutschlands schelmischer Vorzeige-Intellektueller stellt sie im Kästner-Kinderbuch-Duktus in den Raum. Woher kommt etwa das Geld? Und warum ergeht es ihm genauso wie der Zeit, von der der heilige Augustinus sagte: „Solange niemand danach fragt, wissen wir […] mehr…

  • Joachim Meyerhoff - Alle Toten fliegen hoch 

    Joachim Meyerhoff - Alle Toten fliegen hoch 

    Es gibt diese Bücher, die einen in eine Vergangenheit zurückschleudern, die man lange ver­loren glaubte. Wie etwa die Erinnerung an den Schüleraustausch in den USA – eine kollektive Erfahrung und geistige Zäsur in der Jugend. Schnell sind 25 Jahre vergangen und man besitzt nur noch diese Fotos seiner Klassenkameraden aus den Achtzigern. Eine High School […] mehr…

  • Richard Kämmerlings - Das kurze Glück der Gegenwart 

    Richard Kämmerlings - Das kurze Glück der Gegenwart 

    Natürlich ist der Untertitel „Deutschsparchige Literatur seit ’89“ eine Anmaßung, so wie jede Lite­ra­turgeschichte, ja jede noch so kurze Rezen­sion,­ die uns sagen will, was gut und richtig ist. Selbstverständlich darf man daran herummäkeln, dass die Lyrik außen vor bleibt, dass Namen wie Lutz Seiler oder Kathrin Röggla mit keiner Silbe erwähnt, während kleinere Lichter […] mehr…

  • Siri Hustvedt - Der Sommer ohne Männer 

    Siri Hustvedt - Der Sommer ohne Männer 

    Man täte diesem Buch Unrecht, brandmark­te man es – wie leider oft geschehen – als „Frauenbuch“. Welche Leserschaft möchte man eigentlich mit diesem albernen Etikett gewinnen oder gar ausgrenzen? „Es gibt Tragödien und Komödien, nicht wahr?“, heißt es an einer Stelle in Siri Hustvedts herrlich beschwing­tem Roman „Der Sommer ohne Männer“. „Und sie sind nicht […] mehr…

  • Douglas Coupland - Marshall McLuhan 

    Douglas Coupland - Marshall McLuhan 

    Wie ausgerechnet aus diesem katholischen Konvertiten und Erzreaktionär einer der einflussreichsten Medien-Schamanen werden konnte, dessen Thesen und Weissagungen zur virtuellen Existenzweise erst jetzt so richtig begriffen werden, nachdem sie teilweise eingetroffen sind, glaubt Coupland erklären zu können: McLuhan war ein Meister der „Mustererkennung“, er hasste die Massenkultur genug, um sie genau verstehen zu wollen, und […] mehr…

  • Marc Fischer - Hobalala

    Marc Fischer - Hobalala 

    Es ist eine zarte, wie hingetupfte Reportage aus dem Geist der Bossa Nova und lässiger alter Männer, die Marihuana rauchen: Der im April verstorbene Marc Fischer erzählt von dem Sänger João Gilberto, der mit „Girl From Ipanema“ einen Welthit hatte und sich seit 30 Jahren vor der Welt verbirgt. Fischer suchte ihn in Rio de […] mehr…