Kritik

  • Josh Weil

    - Das gläserne Meer

    Nach dem Tod ihres Vaters wachsen die unzertrennlichen Zwillingsbrüder Jarik und Dima auf dem Bauernhof ihres Onkels Awja auf. Am Tag springen sie durch die Felder und nachts verlieren sie sich in den Märchen des Onkels. Bis sie eines Nachts auf den Ozewa-See hinausfahren, um mit Eidottern und einem blutenden Gänseherz den Tschudo-Judo aus den […] mehr…

  • Philipp Tingler - Schöne Seelen

    Diptyque-Duftkerzen, Großbürger-Sarkasmus und Zauberberg-Atmosphäre bilden den Hintergrund von „Schöne Seelen“, einer fein ziselierten Geschichte um den spitzzüngigen Schriftsteller Oskar und seinen im Finanzsektor tätigen Kameraden Viktor. Letzterer will seine Ehe mit therapeutischer Hilfe retten, hat aber keine Lust, sein Leid bei einem Seelenzergliederer auszubreiten. „Es passt gar nicht. Es passt gar nicht zu mir. Die […] mehr…

  • Gary Shteyngart - Kleiner Versager

    „Immer wieder habe ich mich in meinen Romanen einer bestimmten Wahrheit angenähert, nur um mich schnell wieder abzuwenden, mit dem Finger darauf zu zeigen, zu lachen und schleunigst in sichere Gefilde zurückzuhuschen“, bekennt Gary Shteyngart in seinen jetzt erscheinenden Lebenserinnerungen. Er räumt mit den autobiografischen Lasten auf, die er bereits in seiner Fiktion anklingen ließ. […] mehr…

  • Bov Bjerg - Auerhaus

    Es sind schon ein paar komische Stellen in diesem langen Prosablues über das Aufwachsen im Kaff, über die Melancholie, den Wahnsinn und die paar Jahre, in denen man wirklich lebt. Aber Bjerg, der Berliner Lesebühnen-Oldie, hält sich zurück und passt seinen Pointenausstoß souverän dem Stoff an. Frieder ist depressiv. Damit er nicht noch einmal Hand […] mehr…

  • Adelle Waldman - Das Liebesleben des Nathaniel P.

    Der Titel lügt nicht: Es geht in diesem Buch wirklich nur um die eher biederen Liebesverwicklungen eines gebildeten, leicht versnobten New Yorker Literatenparvenüs, der wohl so eine Art Musterbeispiel für sein Soziotop abgeben soll – was diesem Buch denn auch einige Aufmerksamkeit eingebracht hat. Waldman weiß sehr wohl um die Lächerlichkeit einer privilegierten Gruppe, die […] mehr…

  • Ulrich Peltzer - Das bessere Leben

    Ein Dickicht aus treibenden Stakkatosätzen, flirrende Überschärfe, Assoziationsketten, jähe Rückblenden, eingeworfene Songzitate (von Dylan, Beatles und anderen), dann wieder die Totale: Ulrich Peltzer, der auch Drehbücher schreibt, hat es seinen Lesern noch nie leicht gemacht. Fokussierte sich sein bemerkenswerter Roman „Teil der Lösung“ (2007) noch auf die Berliner Republik, toben im neuen die globalen Stürme […] mehr…

  • Samantha Schweblin - Das Gift

    In einem unachtsamen Moment hatte der zweijährige David vom pestizidverseuchten Wasser auf der Farm des Großgrundbesitzers Sotomayor getrunken. Seine Mutter, Carla, überließ den so Vergifteten in ihrer Hilflosigkeit einer Naturheilerin, die den Geist des Jungen in einen anderen Körper umziehen ließ. Denn nur „wenn die Vergiftung auf zwei Körper verteilt ist, besteht die Chance, sie […] mehr…

  • Harry Crews - Florida Forever

    Selten ist schonungsloser und bösartiger über das Alter geschrieben worden als in diesem so düsteren wie grellen Südstaaten-Thriller. Eine Hundertschaft dem Tod entgegendämmernder Rentner lebt in einem von einem zynischen Vietnamveteranen zur Seniorenlandschaft umfunktionierten Trailerpark in Florida – bis die Karikatur einer männermordenden Bikinischönheit mit dem ziemlich selbsterklärenden Namen Too Much den sedierten Lebensrhythmus in […] mehr…