Rezension

  • Marvin Gaye

    - I Want You

    „Soon, soon, soon I’ll be loving you, oh Janis“, singt Marvin Gaye, natürlich über die Liebe, und dann singt er über Sex, „Feel All My Love Inside“, aber er singt auch über die Konsequenzen: „Come Live With Me, Angel“. Gaye, 37, war in seine Janis Hunter verliebt, alle sollten es wissen, und er wollte raus aus seiner […] mehr…

  • Quentin Tarantino - The Hateful Eight – Runter mit…

    Nicht der vorzeitige Leak des „The Hateful Eight“-Scripts hatte Tarantino-Fans und -Kritiker zuletzt beschäftigt, sondern die Teilnahme des Regisseurs an einem Protestmarsch im Oktober in New York. Quentin Tarantino stellte sich als Sprecher an die Seite von Afroamerikanern, im vergangenen Jahr mussten sie wieder einmal die meisten Todesopfer durch Schüsse von Polizisten beklagen. Der Filmemacher […] mehr…

  • The Big Short - Regie: Adam McKay

    „The Big Short“ erzählt nach der Vorlage von Michael Lewis’ Sachbuch-Bestseller von vier Insidern der Finanzwelt, die bereits 2005 das Platzen der US-Immobilienblase vorhergesehen, darauf gewettet und so unglaublichen Profit aus der Wirtschaftskrise geschlagen haben. Mit großem Staraufgebot und narrativer Lässigkeit macht Regisseur McKay die trockenen Zahlenwelten und komplexen Marktmechanismen leinwandtauglich. Angesiedelt zwischen Thriller und […] mehr…

  • Legend - Regie: Brian Helgeland

    Tom Hardy hat anscheinend ein Faible für britische Kriminelle: Nach „Bronson“ verdoppelt er nun seinen Einsatz und schlüpft in die Rolle der Kray-Zwillinge. Die ungleichen Brüder aus dem Londoner East End verbreiteten als skrupellose Mafiabosse Angst und Schrecken, als kultivierte Gentlemen wurden sie zu Lieblingen des Nachtlebens im Swinging London. Die Polizei war machtlos, die […] mehr…

  • Louder Than Bombs - Regie: Joachim Trier

    Das dritte Werk des norwegischen Autorenfilmers Joachim Trier zeigt zunächst das Innenleben einer dysfunktionalen Familie nach dem Tod der Matriarchin. Doch während der Ehemann und die Söhne versuchen, das Vermächtnis der Verstorbenen für sich einzunehmen, nähert der Film sich seinem eigentlichen Thema: der Konstruktion von Wahrheit und Geschichte. Trier, der sich hier abermals als einer […] mehr…

  • Jane Got A Gun - Regie: Gavin O’Connor

    Nachdem sie in „Australia“ und „Tracks“ die australische Steppe fotografierte, verschlägt es die sagenhaft begabte Kamerafrau Mandy Walker nun in die amerikanische Wüste. Ihre wie gewohnt wunderbar komponierten Bilder sind das einzig Sehenswerte an diesem mäßigen Western, der bekannte Topoi des traditionsreichen Genres uninspiriert aufwärmt. Jane ist die treue, trauernde Noch-nicht-Witwe; sie ist die Mutter, […] mehr…

  • Sture Böcke - Regie: Grímur Hákonarson

    In einem abgelegenen Tal in Island leben die Brüder Gummi und Kiddi. Bei Wind und Wetter gehen sie dort ihrem Tagewerk nach, was vor allem die Pflege ihrer Schafherden beinhaltet. Mit großer Hingabe züchten sie seit Jahrzehnten eine besondere alte Rasse, und ihre Schafböcke werden regelmäßig beim lokalen Züchterwettbewerb ausgezeichnet. Doch trotz gemeinsamer Leiden und […] mehr…

  • Vladimir Sorokin - Telluria

    Die großen Nationalstaaten Europas und Asiens sind im 21. Jahrhundert nach diversen islamischen Eroberungskriegen weitgehend befreit, sie haben sich aber in zahllose Kleinstaaten aufgelöst. Sie alle schwelgen in ihrer angeblich großen Vergangenheit, seien es die Tempelritter oder die Stalinisten. Märchenhaft reich ist Telluria, hinter dem Altaigebirge gelegen, denn dort gibt es den tollsten Drogenstoff aller Zeiten: […] mehr…

  • Max Goldt - Räusper

    Max Goldt hat sein neues Buch nach einem Erikativ benannt. Als Erikativ bezeichnet man scherzhaft kurze Inflektive, die klingen, als hätte die Übersetzerin Erika Fuchs sie in einem ihrer Micky-Maus-Hefte verwendet. Lange ist es her, dass Comicsprache abfällig zur Seite geschoben wurde. Doch ausgerechnet Max Goldt liefert mit seinem neuen Werk vielerlei Gründe, den Erikativ zu […] mehr…

  • Ali Eskandarian - Die goldenen Jahre

    Ali Eskandarian wurde 2013 Opfer eines Amoklaufs, der seinen Freunden von der iranischen Underground-Band The Yellow Dogs galt. Kurz vor seinem Tod hatte der Musiker einen Roman geschrieben, der, als das Buch ein halbes Jahr nach seinem Tod erschienen war, den englischen „Guardian“ zu der Titelzeile „The Iranian Kerouac“ inspirierte. Der Ali, der in diesem Roman […] mehr…

  • Tobi Dahmen - Fahrradmod

    Auf einer Party entdeckt der Teenager Toby ein Buch über die englische Mod-Bewegung, das junge Männer zeigt, die auf ihren aufgemotzten Rollern posieren, als ob sie einen Krieg gewonnen hätten, und er begreift sofort, dass ebendies auch sein Krieg ist: ein Krieg gegen Langeweile und Gewöhnlichkeit. Die Hauptfigur in der autobiografischen Graphic Novel des Zeichners […] mehr…

  • Christoph Höhtker - Alles sehen

    Man kann die Provinz verlassen, doch die Provinz verlässt einen nie. Ein Roman über Körper und Körperschaften. mehr…

  • Ich seh, Ich seh - Regie: Veronika Franz, Severin Fiala

    „Guten Abend, gut’ Nacht“ intoniert die nach außen heile und innen versehrte Bauernfamilie zu Beginn dieses Films. Es ist das Lieblingsschlaflied der unzertrennlichen Brüder Lukas und Elias, die ihre Sommerferien auf dem Land verbringen. Sie streunen durch die Maisfelder, dringen in die Tiefen der Wälder vor und lassen sich auf dem See treiben. Die Idylle […] mehr…

  • Grimes - Art Angels

    Mainstream mit DIY-Ästhetik: Grimes wagt das Experiment mehr…

  • Fleetwood Mac - Tusk

    „Rumours“ (1977) legte die gescheiterten Liebesbeziehungen der Bandmitglieder offen, es blieb ein Scherbenhaufen. Das zwei Jahre später erschienene „Tusk“ war der Versuch, die Scherben unauffällig unter den Teppich zu kehren: nervöse Stille, leise Wut, dazwischen überfallartige Euphorie, ein „Geht doch!“, wie im Titelstück. Dafür engagierte Lindsey Buckingham die berühmten Marschmusikanten von Spirit Of Troy, und der […] mehr…

  • Elvir Omerbegovic (Hg.) und Jan Wehn - Selfmade Records

    2005 schuf Elvir Omerbegovic mit dem Label Selfmade Records eine Plattform für vornehmlich im Ruhrgebiet angesiedelte und mit harter Vergangenheit geschlagene deutsche Rapper. Jetzt feiert das „erfolgreichste deutsche HipHop-Label“ mit diesem Buch zehnjähriges Jubiläum. Zahlreiche Interviews lassen den Leser ganz nah an die Künstler ran. Omerbegovic und Zugpferd Kollegah sind voll des Lobes über sich […] mehr…

  • Willie Nelson - Mein Leben: Eine lange Geschichte

    Ein Song brauche nicht mehr als drei Akkorde und die Wahrheit, zitiert Willie Nelson den großen Country-Songwriter Harlan Howard. Doch um ein Leben mit Wahrhaftigkeit zu Papier zu bringen, reichten ein paar Reime und Gitarrengriffe wohl nicht aus. Mit dem rockstarbiografieerprobten Koautor David Ritz an seiner Seite erzählt er von einem Leben, das vom ersten […] mehr…

  • Time Out Of Mind - Regie: Oren Movermann

    Hypnotischer Film über einen Obdachlosen in New York – inspiriert und gespielt von Richard Gere mehr…

  • Zaza Burchuladze - adibas

    Kaukasuskrieg 2008, Zeit, um über Ninas Möse zu reden, denn „die erinnert mich immer an das Bermudadreieck: unscheinbare Oberfläche, doch voller Überraschungen“. So sieht es der georgische Icherzähler in „adibas“, dem hochgestylten Pop-Projekt von Zaza Burchuladze. Die Sprache der Hipster aus Tiflis ist mit Panzervokabeln duchsetzt, der Krieg ist längst Alltag geworden, aber für Politik […] mehr…