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Highlight: Xavier Naidoo im „Musikexpress“: „Ich bin Rassist, aber …“

TV-Kritik: „Unser Song“ – Pompös-umständliche Namen und ganz viel Positivität

Isabella 'Levina' Lueen mit Deutschlandfahne
Isabella ‚Levina‘ Lueen mit Deutschlandfahne

Veralberter Kandidat

Axel Maximilian Feiges Interpretation eines James-Bond-Knödels von Chris Cornell ist eine hüftsteife Anzug-und-Weste-Darbietung; vollends gesichtsgelähmt, ausdrucks- und anteilnahmslos singt er dann die zur Wahl stehenden Lieder „Wildfire“ (Erbauungskonfektion von Marit Larsen, einst Norwegen, heute New York) und „Perfect Life“ (Erbauungskonfektion von Lindy Robbins, Hollywood). Einmal bewegt Alex seine Hand nach links: Hm, manchmal muss man etwas Falsches tun, bevor man das Richtige tut. Vor der Entscheidung wird der Kandidat bereits von Schöneberger und den Juroren veralbert: Einen Schritt nach vorn habe er ja schon gemacht, im Erfolgsfall komme noch Gestik hinzu. Muss dann nicht.

Barbara Schöneberger mit Axel Maximilian Feige
Barbara Schöneberger mit Axel Maximilian Feige

Isabella Levina Lueen aber macht nicht nur die R&B-Diven-Celine-Dion-Helene-Fischer-Emphasegeste mit der rechten Hand (beschwörend, affirmativ seitlich neben dem Kopf schwebend) – sie produziert auch den Schimmer in den Augen. Und es ist nicht bloß die leichte Erkältung. Lena Meyer-Landrut erinnert sich daran, dass ihr im letzten Jahr bei einem Konzert nach dem vierten Song die Stimme wegblieb und sie Hustenbonbons lutschte.

Am Ende tritt Levina nur noch gegen sich selbst an, sie singt beide Songs noch einmal. Silbereisen tröstet den starren Alex: Der ESC sei nicht der richtige Wettbewerb für ihn. Tim Bendzko hat seinen größten Moment: Wettbewerb sei überhaupt nicht das Richtige für ihn. Man dankt Alex, der wie in Hypnose von der Bühne schreitet.

Gewählt wird nicht das von der Jury favorisierte „Wildfire“, sondern „Perfect Life“. Barbara Schöneberger hat schon auf den volatilen Charakter der Songs verwiesen: Denkbar seien auch „Wildlife“ und „Perfect Fire“. Levinas Beine, so die aufgedrehte Ulknudel, reichen ihr bis zu den Brüsten, wenn sie keinen BH trägt. Schöneberger ist wieder Bombe: Eine Umbaupause überbrückt sie mit der Erinnerung an die quälend langwierigen Umbauten für das Schiff der Shanty-Krakeeler Santiano bei einem früheren ESC-Vorentscheid, die immer wieder die Bühne enterten.

Sascha Steinbach Getty Images
Sascha Steinbach Getty Images


Xavier Naidoo im „Musikexpress“: „Ich bin Rassist, aber …“

ROLLING-STONE-Fundstück 20. November 2015 Populistische Auftritte bei Montagsdemos sowie der Glaube, dass Deutschland noch immer ein "besetztes Land" sei: Xavier Naidoo, einer der erfolgreichsten deutschen Sänger, redete sich mit seinen Aussagen längst um Kopf und Kragen. Hinweise auf die Gesinnung des Schmusesängers gibt es schon länger. In einem Musikexpress-Interview von 1999 gab er zu Protokoll: „Ich bin ein Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe. Ich bin nicht mehr Rassist als jeder Japaner auch“. Was er mit diesen kruden Sätzen gemeint hat, erklärt er nicht. Gleichzeitig bringt Naidoo ins Spiel, wie wichtig ihm Gott und seine Heimatstadt Mannheim sind. Auszüge: Naidoo:…
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