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Blackout Tuesday
Politik-Blog

Unfrieds Urteil: Respekt, Til Schweiger!

Die Logik ist: Es ist ein ungerechter Erfolg mit schlimmen Filmen oder Songs, die unter meinem Niveau sind. Selbst wenn ich sonst überhaupt nichts hinkriege, so liegt das daran, dass ich kapitalismuskritisch bin und keinen Scheiß wie „Keinohrhasen“ drehe oder „Atemlos“ singe. Das ist mein gesellschaftliches und kulturelles Engagement. Ich bin daher besser als die. Von den Losern im Dschungelcamp gar nicht zu reden, die in zwei Wochen das Doppelte meines Jahresgehaltes verdienen. Die sind ganz unten. Immer dasselbe Schema: Das eigene Mittelmaß oder die Antriebslosigkeit wird in Abgrenzung zu anderen als Qualität und Tugend definiert.

Verhöhnung durch die korrekte Mittelschicht

Würde Til Schweiger sich gegen Klimawandelapathie und die dadurch entstehenden Katastrophen engagieren, wäre das den Nazis egal. Die korrekte Mittelschicht würden ihn aber genauso ablehnen und verhöhnen. Müssen. So wie sie Hannes Jaenickes Öko-Engagement und Wolfgang Niedeckens Afrika-Engagement verhöhnt.

Für eine Teilgesellschaft, der es um kurzfristige, digitale Empörungsschübe geht und in der immer mehr ihre eigenen Stars sind, ist der Superstar, der sich engagiert, der moralische Supergau. Es kann nicht angehen, dass jemand der „falsche“ Filme dreht oder Lieder singt, das Richtige tut. Erstens kann man ihn dann nicht mehr als Spacko abwerten. Zweitens sieht man ganz alt aus, wenn man sich elegant raus hält, wo schon Schweiger initiativ wird. Was bleibt uns denn dann noch?

Es bleibt nichts anderes übrig, als zuzugeben, dass Schweiger in dieser wirklich wichtigen Sache ein Vorbild ist. Respekt, Til Schweiger.

Flüchtlinge und Facebook, Griechen und Grüne, Landesverrat und Lauschangriff – was uns aufregt, was uns anregt, was gar nicht geht. Aber auch: Wo noch was gehen könnte. Weil ROLLING STONE mehr ist als Musik, schreibt Peter Unfried ab sofort jeden Dienstag den etwas anderen Kommentar zum politischen Geschehen.

Peter Unfried ist Chefreporter der taz, ausgezeichnet mit dem Theodor-Wolff-Preis 2014.



Til Schweiger entschuldigt sich für „Heult nicht rum“-Kommentar gegen Drosten und Lauterbach

Für Til Schweiger scheinen die Dinge während der Coronakrise nicht gerade rund zu laufen. Nachdem der Schauspieler gezwungen war die Dreharbeiten für gleich zwei Filme auf Eis zu legen, muss er sich nun für einen ziemlich unangemessenen Kommentar in den sozialen Medien verantworten. Nachdem der Virologe Christian Drosten und SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach öffentlich bekannt gaben, inmitten der Coronakrise Morddrohungen per Post zu erhalten, riet der Schauspieler den beiden auf Social Media nicht zu übertreiben. In einem Instagram-Post, der inzwischen wieder gelöscht wurde, schrieb Schweiger: „Herr Drosten und Herr Lauterbach, take a Chill-Pill!“ und erzählte davon, wie er selbst auch schon…
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