Politik-Blog

Unfrieds Urteil: VW am Abgrund – Es gibt kein schlimmeres Gefühl, als von seinem Auto betrogen worden zu sein


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„Some things hurt more much more than cars and girls“, sangen Prefab Sprout. Manche Dinge schmerzen mehr als Mädchen und Autos. Aber welche sollten das sein?

Selten hat etwas so viele Schmerzen verursacht, wie der Betrug an Millionen Menschen durch das weltzweitgrößte Automobilunternehmen Volkswagen. Und Fragen aufgeworfen. Ablenkungsfragen wie die Suche nach den „Verantwortlichen“, also einer Hand voll Sündenböcke. Populärsoziologische Bagatellen wie die Frage, ob die Deutschen ihr Auto nun nicht mehr lieben oder die jungen Leuten bestärkt werden, sich anderem Prestigekonsum zuzuwenden. Zukunftsfragen für den Konzern, die Autoindustrie und die deutsche Wirtschaft, für die Autos derzeit noch essentiell sind. Eine wichtige Frage ist für alle Stakeholder, also einen nicht unbeträchtliche Zahl Leute: Wie überlebt VW das und mit welchen Folgen für Angestellte, Zulieferer, Werbeetats, Niedersachsen, Deutschland und Teile der Welt?

Die entscheidende, weil existentielle Frage für Wolfsburger: Was wird aus der Stadt, was wird aus den 60.000 Arbeitsplätzen, was wird aus meiner Familie, meinen Kindern und mir? Verständlicherweise ist das eigene Problem so wichtig, dass der Millionenbetrug argumentativ und emotional möglichst klein gehalten wird, etwa mit Verweis darauf, dass die US-Amerikaner doch auch nicht besser seien. Im Mittelpunkt steht das Solidaritätsmoment: Die Wolfsburger solidarisieren sich mit Volkswagen – was bleibt ihnen übrig in einer Stadt, in der alles Volkswagen ist – und möchten in ihrer Not selbst gern Solidarität erfahren.

Wofür hält man uns – für Idioten, denen man alles verkaufen und unterjubeln kann?

Sie haben sie verdient. Aber das kann nicht heißen, dass alles durchgewinkt wird von denen, die grandios betrogen worden sind. Das meint nicht nur die zig Millionen Kunden, die sich Autos gekauft haben, die die Luft nicht verpesten sollten und Autos bekommen haben, die die Luft verpesten. Es meint die ganze deutsche und auch die globale Gesellschaft, deren Schicksal entscheidend davon abhängt, dass die globalen Großkonzerne das einhalten, was sie versprechen. Saubere Produkte. Die nicht die Erde erwärmen und Menschen krank machen. Im Grunde müssen sich jetzt alle fragen: Was wird aus uns? Und: Wofür hält man uns – für Idioten, denen man alles verkaufen und unterjubeln kann?



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