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Zum 100. Geburtstag von Frank Sinatra: Voice al dente!

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Zum 100. Geburtstag von Frank Sinatra: Voice al dente!

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Es gibt zwei Formen des Ruhms, die von Menschen bewundert werden: das frühe Verglühen – und das Überleben. Frank Sinatra war 1955 ein Überlebender. In den 40er-Jahren löste er eine Hysterie unter den Jugendlichen aus, wodurch die Jugend überhaupt erst entdeckt wurde. Aber als das Jahrzehnt endete, war Sinatra ein Mann von gestern. Sein Filmvertrag wurde gekündigt, dann auch sein Plattenvertrag. Im Jahr 1950 war Eddie Fisher der neue Star. James Kaplan schreibt in seiner Monumentalbiografie „The Voice“: Damals konnte Sinatra nicht wissen, dass Eddie Fisher vergessen sein würde – und er selbst unsterblich.

“Summit at the Sands.” The birth of the Rat Pack: Dean Martin, Peter Lawford, Frank Sinatra, Sammy Davis, Jr., and Joey Bishop, Las Vegas, 1960
“Summit at the Sands.” The birth of the Rat Pack: Dean Martin, Peter Lawford, Frank Sinatra, Sammy Davis, Jr., and Joey Bishop, Las Vegas, 1960

Nachdem er James Jones’ Roman „From Here To Eternity“ gelesen hatte, wollte Sinatra unbedingt die Rolle des Maggio spielen. Er markierte die Passagen in dem Buch. Dann kündigte Fred Zinnemann die Verfilmung des Bestsellers an, und Sinatra bewarb sich. Keiner wollte ihn. Was dann möglicherweise passierte, wird in „Der Pate“ geschildert. Frank Sinatra bekam die Rolle, er spielte neben Montgomery Clift, er war fantastisch, und 1954 gewann er den Oscar. Und dann verließ ihn Ava Gardner, mit der er geschwelgt, gestritten und gesoffen hatte, seine Göttin, seine Nemesis. Im Februar 1955 nahm er die Songs für „In The Wee Small Hours“ auf, das erste moderne Album. Sinatra fand sein Thema: den männlichen Schmerz. Er machte begreiflich, was die Deutung eines Liedes, ja, was Singen eigentlich ist. Er schrieb keine Songs, aber er war ihr Autor. Er entdeckte das dunkle Land der Seele für den Song. Mit Marlon Brando spielte er sehr ungern in dem Filmmusical „Guys & Dolls“. Brando war die nächste Generation, aber er konnte nicht singen und nicht tanzen. Es gab jetzt Nuscheln. Es war eine andere Art von männlichem Schmerz. Sinatra behauptete sich. Vier Jahrzehnte lang. Als er 1998 starb, wurde das Empire State Building blau angestrahlt, und in Las Vegas gingen die Lichter aus.

Der größte aller Sänger wäre am 12. Dezember 100 Jahre alt geworden. Seine Platten werden auf Vinyl wiederveröffentlicht, die Dokumentation „All Or Nothing At All“ erscheint auf fünf DVDs. Er hat uns nie verlassen. Man muss nur „Thanks For The Memory“ hören, und es ist alles wieder da: „I know it’s a fallacy/ That grown men never cry/ Baby, that’s a lie/ We had our bed of roses/ But forgot that roses die.“

Im Taschen Verlag erscheint jetzt der Band „Frank Sinatra Has A Cold“ (200 Euro) mit Fotos von Phil Stern und Gay Taleses berühmtem Essay. Die hier gezeigten Bilder sind daraus entnommen.

Gay Talese. Phil Stern. Frank Sinatra Has a Cold
Gay Talese. Phil Stern. Frank Sinatra Has a Cold
 
Phil Stern Estate, Courtesy of the Fahey/Klein Gallery, Los Angeles
Taschen Verlag
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