Diese Doku zeigt den ganzen Deepfake-Porno-Terror

Eine Studentin findet heraus, dass von ihr Deepfake-Pornos im Netz kursieren und macht sich auf die Suche nach den Urhebern.

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98 Prozent aller Deepfakes im Netz sind Pornos. In 99 Prozent der Fälle sind Frauen die Opfer. Inzwischen reicht für einen Deepfake-Porno nur ein gutes Foto aus. Mit diesen Fakten werden wir aus der Dokumentation „Alptraum Deepfake-Pornos“ (2023, im Englischen symbolischer: „Another Body“) von Sophie Compton und Reuben Hamlyn entlassen.

Gezeigt wird die bittere Reise der 23-jährigen US-Ingenieurstudentin Taylor Klein, die herausfindet, das von ihr solche Videos im Netz zu finden sind. Für jeden zugänglich, zu jeder Zeit.

Die öffentlich geäußerten Vorwürfe von Collien Fernandes haben die Bedrohung durch Deepfake-Videos nur noch einmal präsenter gemacht. Die Schauspielerin wirft ihrem Ex-Ehemann Christian Ulmen vor, von ihr Fake-Profile erstellt zu haben, um dann anderen Männern Deepfake-Pornobilder von ihr zu überlassen. Auch Telefonsex mit KI-Stimme soll in der Folge dabei gewesen sein. Bisher gibt es noch keine Reaktion von Ulmen, es gilt die Unschuldsvermutung.

Fernandes versucht das Thema, auch aus eigener Betroffenheit heraus, seit Jahren in der ganzen Komplexität darzustellen, vor einiger Zeit auch mit einer ZDF-Dokumentation. Dabei geht es ihr auch um Gesetzesänderungen, die Strafverfolgung erst möglich machen.

Der Film von Compton/Hamlyn zeigt aber auch dringlich, was es wirklich für einen jungen Menschen heißt, Opfer digitaler sexueller Gewalt zu werden. So trifft Klein in der Doku auf zahlreiche andere Frauen, die ähnliches erlebt haben. Fast immer ist das Muster dasselbe. Vor allem die Polizei scheint machtlos. Die Frauen bleiben mit ihrem Schmerz allein und fühlen sich tatgtäglich vor Unbekannten entblößt.

Deepfake-Pornos sind in Minuten erstellt

Taylor dokumentiert ihren Weg durch Videotagebücher, während sie versucht, den Täter ausfindig zu machen und rechtliche Hilfe zu suchen. Dabei nutzen die Filmemacher ein überraschendes technisches Verfahren, das erst zum Schluss der Doku enthüllt wird. Nebenher erfährt man, wie leicht es ist, solche Deepfake-Pornos herzustellen und warum es durch neue KI-Verfahren im Grunde gar kein Knowhow mehr braucht. Es mögen andere Körper sein, die dort nackt sind, doch dazu gibt es das echte Gesicht, einen Namen, sogar eine Adresse.

Der Film enthüllt nebenher eine verstörende Online-Subkultur, in der Frauen systematisch durch diese Technologie entmenschlicht werden. Kaum ein Täter ist auf sich alleine gestellt, es geht seltener um die eigene Lustbefriedigung, aber oft um Macht und noch häufiger um Rache an Ex-Freundinnen.

Ganz nebenher stellt „Alptraum Deepfake-Pornos“ auch Fragen nach der Schädigung von Identität, die durch solche Taten bei den Opfern ausgelöst wird – ein schambesetzter Prozess, der gerade bei jungen Menschen, die noch auf der Suche nach sich selbst sind, schwere Folgen haben kann.

„Alptraum Deepfake-Pornos“ ist noch bis zum 07. Mai 2026 in der Arte-Mediathek zu sehen.

Marc Vetter schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.