Die letzten Bilder der Marilyn Monroe
Marilyn Monroe kurz vor ihrem Tod: Lawrence Schillers „Marilyn & Me“ zeigt die berühmten Poolfotos von 1962 und ihren Mythos.
Lawrence Schillers „Marilyn & Me“ ist eines jener Coffee-Table-Bücher, die zugleich historische Quelle und Mythosmaschine sind. Das Buch lebt von der Aura eines Moments: Marilyn Monroe im Sommer 1962, wenige Wochen vor ihrem Tod, als am Set von „Something’s Got to Give“ jene berühmten Poolfotos entstanden, die Monroe nackt im Wasser zeigen. Schiller war damals 25, ehrgeizig, noch kein Starfotograf. Monroe wusste das. Sie wusste vermutlich auch, dass diese Bilder beiden nützen würden.
Schiller neigt vielleicht zur Selbstmythologisierung, aber der berühmte Dialog – „Sie sind schon berühmt. Jetzt werden Sie mich berühmt machen“ – nehmen den Fotos wenig von ihrer Kraft. Monroe ist hier keine perfekt ausgeleuchtet Diva, und sie schwankte stark zwischen Professionalität und Erschöpfung. Das Buch erinnert daran, dass Monroe 1962 vielleicht noch Hollywoods bedeutendste Glamourfigur war, aber auch eine öffentliche Person, deren Zerbrechlichkeit Teil der Vermarktung geworden war.

Die berühmte Poolszene selbst gehört inzwischen zum Kanon der Popgeschichte. Monroe soll damals zunächst gezögert haben, sich ohne Bikini fotografieren zu lassen, erkannte dann aber den PR-Wert der Bilder. Fox steckte mitten in Produktionsproblemen. Der Film galt als Chaosprojekt. Monroe erschien oft verspätet am Set. Mit ihren Nacktfotos kontrollierte Monroe zumindest kurzfristig wieder die Schlagzeilen. Dass sie wenige Monate später tot war, verleiht den Bilder eine Melancholie (die Schiller im Buch durchaus kalkuliert einsetzt). Schillers Blick mag daher männlich und voyeuristisch sein. Aber so fand er auch Zugang zu Monroe.
„Marilyn & Me“ ist deshalb am stärksten, wenn es nicht versucht, sentimental zu sein.

- Lawrence Schiller. Marilyn & Me
- Hardcover, 23.2 x 31.6 cm, 1.95 kg, 200 Seiten
- taschen.com
- EUR 60