Spezial-Abo

Freiwillige Filmkontrolle


The Good, The Bad & The Queen Merrie Land


Warner


von

Ketzerisch gefragt: Lag nicht damals schon, im Britpop-Hype, jener Chauvinismus in der Luft, der später dem Brexit Sauerstoff zufächeln sollte?

Damon Albarn ist nun der Einzige aus dem UK-Rat-Pack, der mit The Good, The Bad & The Queen ein Album machen kann, das Ende 2018 passt wie die nächste Nachtsitzung in Brüssel, aber noch gehört werden dürfte, wenn Polit-Opportunisten wie Boris Johnson längst Staub im Wind sind.

🛒  The Good, The Bad & The Queen – Merrie Land jetzt bei Amazon.de bestellen

Das zweite Werk des Quartetts sei, so Albarn, „an ode to the north of England, bizarrely“. Bizarr ist „Merrie Land“ nicht. Nur traurig. Fast wirkt es wie „The Great Escape“ in re­verse. Lauerte 1995 unter funkelndem Blur-Pop der gloomy Sunday, liegt nun im großen Melancholieschleier, den Albarn ausbreitet, eigentümliche Kraft, manchmal sogar die beschwingte Sorglosigkeit des final zerbröselnden „Gun To The Head“. All die Menschen, die sich an ihren Union-­Schleifen festhalten möchten, wirken nach der Maibaum-­Elegie „Ribbons“ oder der Music-Hall-­Travestie „The Last Man To ­Leave“ nicht mehr lächerlich. Eine Art frohgemuten Gospel gibt’s auch: „Throw away your fears“, empfiehlt „Drifters And Trawlers“, „­throw away the nets, and ­throw away the past.“

Albarn ist zu klug, um von vergangener Größe zu träumen. Doch spürt man in diesem Abgesang, wie großartig dieses Königreich immer noch sein kann. Albarn mag Stimme, Kopf, Herz der Formation sein, aber mon Dieu!, diese Rhythmusgruppe: Paul Simonons Bassläufe schaffen Spannung aus dem Platz, den sie lassen, derweil Tony Allen ebenso präzise wie swingend seine Ghost ­Notes setzt. Macht lässig-synkopierte ­Grooves, eher Off-Beat, Dub-beatmet. Nicht stolpern auf der Tanzfläche!

„Merrie Land“ ist kein Pamphlet für oder gegen den Brexit und schon gar kein zynischer oder seliger Blick zurück. Es ist einfach so vielschichtig wie alle Kunst, die poetisch, skeptisch und, ja, auch nostalgisch in ­ihre Zeit dringen will. Ray Davies wird träumen, zumindest der Titelsong wäre ihm selbst eingefallen.


ÄHNLICHE KRITIKEN

Gorillaz :: Song Machine, Season One: Strange Timez

Die Gorillaz rocken noch einmal den Pop-Dschungel - mit überwältigenden Beats und allerlei prominenten Studiogästen.

Damon Albarn :: Dr. Dee


ÄHNLICHE ARTIKEL

Damon Albarn: Neues Soloalbum „The Nearer The Fountain, More Pure The Stream Flows“ erscheint am 12. November

Am 12. November erscheint das neue Soloalbum des Blur-Sängers

Coldplay Headliner bei gigantischem Glastonbury-Livestream

In diesem Jahr wird das Glastonbury wegen der Corona-Pandemie erneut pausieren. Jedenfalls in der bekannten Form. Stattdessen gibt es ein großes Online-Event. Wir haben alle Details.

Gorillaz künden neuen Song mit The Cures Robert Smith an

Das Blöde ist nur: Den Veröffentlichungstermin für die Zusammenarbeit im Rahmen ihrer „Song Machine“-Reihe haben sie nicht bekannt gegeben.


Damon Albarn: Neues Soloalbum „The Nearer The Fountain, More Pure The Stream Flows“ erscheint am 12. November

Blur- und Gorillaz-Sänger Damon Albarn wird am 12. November 2021 sein zweites Soloalbum veröffentlichen. „The Nearer The Fountain, More Pure The Stream Flows“ erscheint bei Albarns neuem Label Transgressive Records.  Albarns erste und bisher einzige Solo-Platte „Everyday Robots “ erschien 2014.   Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an   Ein Beitrag geteilt von Transgressive (@transgressivehq) Albarns vielleicht intimstes Album Ursprünglich wollte der 53-jährige ein einzelnes Orchester-Stück schreiben, inspiriert von der Landschaft seiner Wahlheimat Island, deren Staatsbürgerschaft Albarn seit 2021 besitzt. Im Zuge der Pandemie und des Rückzugs in einen intimen persönlichen Schaffungsprozess wurden daraus schließlich die elf Tracks der…
Weiterlesen
Zur Startseite