Tocotronic - Schall & Wahn
Traumhaft, traumhaft. Jedes Mal glauben wir, Tocotronic könnten keine bessere Platte (als die letzte) mehr machen, und jedes Mal machen sie eine noch bessere. Unter Redakteuren von Musikzeitschriften gibt es einen müden Witz, der so geht, dass am Anfang eines neuen Jahres bereits "die Platte des Jahres" ausgerufen wird. "Schall & Wahn" ist diese Platte des Jahres. Wäre die des letzten Jahres gewesen.
Tocotronic waren immer eine der großen Gitarrenbands. Auf diesem Album aber schweben die Gitarren lyrisch wie bei Pink Floyd, flirren im Flageolett wie bei Sonic Youth, mäandern im Crazy Horse-Stil. "Eure Liebe tötet mich" eröffnet die Platte, man hört pling-pling, und dann erobert etwas sehr Mächtiges, Erhabenes den Raum, eine Art "Shine On You Crazy Diamond" für Oberschüler. Engelssanft hebt Dirk von Lowtzow an: "Eure Liebe tötet mich/ Auch wenn ihr bereut/ Ich verzeihe euch nicht." Nahm "Kapitulation" den folgenden Börsen-Ernstfall vorweg, so ist "Schall & Wahn" ein post-apokal...

