06. Februar 1998

Rewind Today 1998: Falco stirbt bei einem Autounfall

Bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik kommt Falco ums Leben. Er wurde 40 Jahre alt.

Falco, der seit den Neunzigern in der Dominikanischen Republik lebte, war mit seinem Auto auf dem Weg von Villa Montellano nach Puerto Plata. Ein Bus rammte seinen Wagen. Falco war sofort tot. Er wurde 40 Jahre alt.

Ralf Niemczyk über seine Begegnung mit Falco, dem erfolgreichsten Sänger, den Österreich je hervorbrachte:

Wien war vor dem Fall des Eisernen Vorhangs ein wenig wie Berlin. Zwar nicht durch eine Mauer in Ost und West geteilt, aber doch abgehängt von der einstigen Größe und Bedeutung. Wien lag seit 1945 im Windschatten der Geschichte, die ungarische und tschechische Grenze war nah. Ein randständiges Dasein, das Selbstdarsteller und Nostalgiker anzog, die genüsslich in Gedanken der kaiserlichen Vergangenheit schwelgten.

Ein Käseglocken-Klima, das ideal war für Typen wie Falco.

Ein genialer Angeber, Spinner und Selbstdarsteller, für den Pop und Popmusik das gleiche bedeutete, wie der Habsburger Hof für seine adeligen Vorgänger des 19. Jahrhunderts. Durch die Zufälle des Lebens war ich seit Mitte der Achtziger öfters in Wiener Bars und Clubs unterwegs, wo der „ Herr Hölzl“ mit seinen Kumpels seine Tresen-Show abzog. Musikalisch stand er klar unter dem Kuratel von Robert Ponger (Produzent von „ Der Kommissar“) und später der Bolland-Brüder.

Doch was die Grundidee und Präsentation der von ihm geschaffenen Figur „Falco“ betraf, war er unschlagbar.  Ich habe ihn später, als sich sein Stern bereits senkte, im Jahr 1990 bei einem Interview zum Album „Data de Groove“ in seiner Wiener Wohnung erlebt.  Ur-Produzent Robert Ponger war damals wieder am Start. Doch die alte Magie wollte sich nicht mehr einstellen. Die boomenden Genres House, HipHop und Techno ließen Falcos ungelenken Beat-Barock einfach nur alt aussehen. Er kam einfach nicht mehr klar mit den Stilen und Moden der Subkulturen. Es gehört zum tragischen Schicksals des Hochstapler-Typus, dass diese nicht erkennen, wann ihre Zeit vorüber ist.

Der späte Falco wollte nach dem kommerziellen Flop von „Wiener Blut“ unbedingt wieder ganz vorne mitmischen. Wie wir heute wissen, ein Schuss in den Ofen. Als Wien in den Neunzigern wieder zur offenen Stadt wurde, verstand einer ihrer berühmtesten Söhne der Stadt die Welt nicht mehr.

Ein sehr wienerisches Schicksal, das acht Jahre später, am 6. Februar 1998 in Puerto Plata (Dominikanische Republik) sein trauriges Ende fand. Falco, der auf dem Wiener Zentralfriedhof liegt, wurde nur 40 Jahre alt.



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