Die ganze Rock- und Popgeschichte auf einem Klick!
Foto:
Road/Cooperative Music
Mumford & Sons - "Babel"
Ein bisschen enttäuschend ist das zuerst. Hatten Mumford & Sons doch Ende 2011 hier im ROLLING STONE angekündigt, ihr neues Album klinge, "als würden Black Sabbath auf Nick Drake treffen". Doch schon mit der Single ,"I Will Wait" brechen die erfolgreichen Briten ihr Versprechen. Marcus Mumford singt zwar von der Schwere der staubigen Tage, tut aber gleichzeitig zwischen einem Klavierstakkato, einer aufstampfenden Bassdrum, Banjopickings und Satzgesang eine merkwürdige Fröhlichkeit auf.
Weil einem auf "Babel", dem Nachfolger des so sehr verehrten Debüts "Sigh No More", immer wieder Variationen dieser eine verspielte Unbeschwertheit suggerierenden Folk- und Bluegrass-Instrumentierungen begegnen, dauert es ein Weilchen, bis einen die Dunkelheit, die es auf der Platte tatsächlich gibt, einholt – bis man merkt, dass dies eine Reise in die Finsternis der Seele wird. Man erkennt das spätestens, wenn Neo-Folk-Star Mumford im bluesigen "Lovers’ Eyes", von seinen Dämonen singt: "But do not ask the price I pay / I must live with my quiet rage / Tame the ghosts in my head / That run wild and wish me dead."
Die großen Themen sind aber – wenn auch etwas dezenter inszeniert – von Beginn an angelegt. Schon im eher schlichten "Babel" und in "Whispers In The Dark" geht es um den Kampf zwischen Hoffen und Glauben, Schuld und Sühne, Erlösung und Verdammnis. Und kein Wort findet sich häufiger auf dem Album als " darkness". Angenehm dunkel beginnt auch "Holland Road", das sich in einen ergreifenden, mit Bläsern verzierten Hymnus verwandelt. Das intime "Ghosts That We Knew" weckt zu einem schönen Fingerpicking die Sehnsucht danach, dass hinter der Dunkelheit doch das Licht lauert, während bei "Hopeless Wanderer" ein sanftes Klavier irgendwann von einer zornigen Gitarre abgelöst wird. Und "Broken Crown" mit seinen schweren Mollakkorden kommt einem dann tatsächlich wie eine Folkversion von Black Sabbath vor. "In this twilight, our choices seal our fate", singt Mumford, und selbst das Banjo scheint alle Ausgelassenheit verloren zu haben, bevor es von der Finsternis verschluckt wird.
>>>> Hier finden Sie unser Videointerview mit Mumford & Sons
-
-
Unser Interview mit Mumford & Sons erscheint nächste Woche auf unserer Homepage. Wir können schon versprechen, dass es sehr amüsant wird. Die Briten sprachen dabei unter anderem über die Kritik, amerikanische Musiker zu kopieren.


Kommentare (2)
mumford
Alles in allem eine langweilige Scheibe. Möchte ich Musik dieses Genres hören, schieb' ich mir lieber was von 'It's a beautIful day' in den Player.
von uLLI am 26. September 2012 08:42 Uhr
eine platte für den zweiten und dritten blick (oder hörer)
is denke ich eine platte, die man erst nach einigen malen hören ins herz schließt.
für mich wäre das genau wie beim inzwischen heißgeliebten ersten exemplar. und somit völlig in ordnung, ich freu mich drauf. übrigens denke ich, die mumfords sind künstler von dem schlag, die die musik zuallererst für sich machen, und dann für alle anderen. wem es also nicht gefällt, was am ende daraus geworden ist (trotz vorangegangener aussagen wie es klingen würde, könnte, etc.) der hört sie sich eben nicht an. ODER gibt der platte noch ein paar Chancen.
von olenia am 28. September 2012 15:21 Uhr