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Nirvana – With The Lights Out

Die Box mit dem leider wenig erhellenden Nachlass der Band

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Nirvana - With The Lights Out

Ein Depp, wer mehr erwartet hatte. Wir waren doch Leid gewohnt. Die scheußliche Ausschuss-Sammlung „Incesticide“ etwa. „From The Muddy Banks Of The Wishkah“, jene grausliche Live-Dokumentation, bei der nichts von der Sensibilität und dem Melodienreichtum geblieben war. Und der kurze Witz „You Know You’re Right“, der letzte Schrei vor dem Pizza-Essen, März 1994, der die schwarze Premium-CD mit ihren größten Erfolgen veredeln (und verkaufen helfen) sollte.

Nun bedeuten Nirvana für jeden Nachlassverwalter eine Katastrophe. Die launische und unzurechnungsfähige Witwe auf der einen, die mürrischen Cobain-Partner und die an ästhetischen Belangen vermutlich nicht sehr interessierte Plattenfirma auf der anderen – das gab ein jahrelanges Gezerre, Schmollen, Schuldzuweisungen, Drohungen, Invektiven und Friedensangebote. Doch gelohnt hat es sich nicht. Mit der Box an sich haben sie natürlich alles richtig gemacht Sargähnliche Aufmachung, aber auch das Blechschild mit Foto zwecks Idolatrie vorn drauf. Chronologie, Fotos und Aufsätze von Thurston Moore und Neil Strauss drin. Drei Teile: Teil eins für die frühesten Aufnahmen und „Bleach“, Teil zwei für „Nevermind“ samt B-Seiten, Outtakes (es gab offenbar nur wenige) und Radio-Auftritten, Teil drei für „In Utero“ mit Demos und Akustik-Fassungen.

Dazu gibt es eine DVD mit einem Auftritt im Haus von Krists Mutter, 1988, und vereinzelte Gigs, die meistens einen Song lang sind. In einem Hotel in Seattle gaben sie 1991 immerhin drei Stücke. Letzter Beitrag Replays

ist die Interpetation von „Seasons In The Sun“, Rio de Janeiro, 1993: „We had joy, we had fun, we had seasons in the sun.“ Wäre es nicht bloß Cobains grimmiger, schwarzer, oft genug kindlicher Humor gewesen man könnte es für Zynismus halten.

Es gibt keine Entdeckungen unter all diesen Aufnahmen. Am schönsten sind Cobains Solo-Fassungen, eine sehr frühe von „Where Did You Sleep Last Night?“, das später das dunkle Herz der MTV-Sternstunde wurde. Man hört beim Demo von „Here She Comes Now“ („Here Comes Your Man“?), 1990, dass Cobain wie Black Francis sein wollte, aber die Band lärmte eher wie Led Zeppelin. „Breed“, noch im Rohmix: eine Explosion. Die Tonqualität – die alte Schnösel-Nörgelei! – ist, wie es sich gehört, oftmals unterhalb des Tolerablen.

Er spielte nicht brillant Gitarre, er konnte nicht singen (dann entdeckte er das erfüllte Brüllen, einzig mögliches Ausdrucks mittel für seine Songs), seine Lieder waren schlicht. Kurzum, für einen unwiederbringlichen Moment war Kurt Cobain der Größte. Und so wird er uns in Erinnerung bleiben: mit dem letzten Ton von „All Apologies“.

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