Sorgt Rapper Ghali mit Israel-Hass für einen Olympia-Eklat?
Wie politisch darf Pop sein? Die Gaza-Debatte erreicht die Olympischen Winterspiele.
Die Curling-Cracks schieben bereits ihre Steine über das Eis. Die Eröffnung der Olympischen Winterspiele am Freitagabend (06. Februar) soll offiziell eigentlich für „Armonia“ (also Harmonie) sorgen. Stattdessen kochen um den geplanten Auftritt des italienischen Rappers Ghali schon jetzt die Polit-Wogen hoch.
Der 32-jährige Mailänder und Sohn tunesischer Eltern, zählt seit Jahren zu den erfolgreichsten Musikern Italiens. Er fusioniert Rap, Pop und elektronische Einflüsse, erreicht damit auch ein Mainstream-Publikum über die Hip-Hop-Szene hinaus.
Ein besonderes Augenmerk richtet Ghali aber auch auf den Krieg in Gaza. Beim San-Remo-Festival 2024 unterbrach er seinen Auftritt für eine Solidaritätsbekundung mit der palästinensischen Bevölkerung und kritisierte das militärische Vorgehen Israels scharf. Frühere Äußerungen in den Socials wurden international kontrovers diskutiert. Ein in Deutschland eher unbekannter „Problem-Rapper“ also.
Italienische Politiker haben große Bedenken
Mehrere italienische Politiker haben bereits ihre Bedenken gegen die Einladung Ghalis hinterlegt. Die Spiele seien ein Fest des Sports und der internationalen Verständigung, kein Forum für politische Botschaften, zitieren Tageszeitungen wie „Corriere della Sera“ aus konservativen Regierungskreisen.
Sportminister Andrea Abodi versuchte derweilen, den Schwelbrand auszutreten. Die Eröffnungsfeier sei klar auf Werte wie Respekt und Zusammenhalt ausgerichtet, erklärte er. Politische Statements einzelner Künstler seien nicht vorgesehen; es werde Leitlinien für alle Beteiligten geben. Ähnlich äußerte sich Noemi Di Segni, Präsidentin der Union der jüdischen Gemeinden Italiens. Sie hoffe, dass Ghali klare Hinweise erhalten habe und sich der besonderen Verantwortung dieses Auftritts bewusst sei.
Olympia soll durch Pop mehr strahlen
Die Diskussion fällt in eine Phase, in der das Internationale Olympische Komitee verstärkt auf Popkultur als verbindendes Element setzt. Bereits die Olympischen Sommerspiele in Paris 2024 markierten eine deutliche Öffnung hin zu zeitgenössischer Pop- und Urban-Musik, mit dem erklärten Ziel, jüngere Zielgruppen und somit auch Sponsoren anzusprechen. Mit dem Verweis, man wolle kulturelle Vielfalt sichtbar machen.
Gleichzeitig betont das IOC seine vermeintliche politische Neutralität. Auf Nachfrage verwies das Komitee nun darauf, dass die Auswahl der auftretenden Künstler ausschließlich beim jeweiligen Organisationskomitee liege. In Mailand selbst kam es bereits zu ersten Protesten sowohl von Israel-Freunden und Israel-Gegnern.
Beobachter befürchten, dass sich die Spannungen im Vorfeld oder während der Eröffnungsfeier zuspitzen könnten. Ausgerechnet bei einer Sportshow, die symbolisch für Frieden, Einheit und fairen Wettbewerb stehen soll.