Bill Callahan
„My Days Of 58“
Drag City (VÖ: 27.2.)
Herausragendes Album, mit Lou Reed in einer Gastrolle.
Über die Dunkelheit und den Tod hat Bill Callahan schon in den Neunzigern gesungen, als er noch unter dem Pseudonym Smog veröffentlichte. Doch seit er auf „Shepherd In A Sheepskin Vest“ (2019) das Licht und das Leben in seine Lieder gelassen hat, über seine Liebe und seine Familie singt, kann man auch in die tiefschwarzen Ecken seiner Seele schauen, die zuvor wohl sogar ihm selbst verborgen waren.
„My Days Of 58“ ist ein Nachlass zu Lebzeiten im Angesicht einer Krebsdiagnose – intim, direkt und roh. Callahans lakonischer Humor – im Traum wird er an der Himmelstür von einem ganz in Weiß gekleideten Lou Reed mit einem warmen Handschlag begrüßt – und die virtuose Band aus Matt Kinsey, Dustin Laurenzi und Jim White, die bereits auf dem Live Album „Resuscitate“ (2024) die Songs neu belebt und in den Jazz hat sprießen lassen, machen „My Day Of 58“ zu einem Karrierehöhepunkt. Callahans „Time Out Of Mind“.
Diese Review erscheint im Rolling Stone Magazin 3/2026.