Neil Sedaka, Pop-Hitmaker zweier Epochen, mit 86 verstorben
Neil Sedaka, Schöpfer von Hits wie „Laughter in the Rain“ und „Breaking Up Is Hard to Do“, ist im Alter von 86 Jahren gestorben.
Neil Sedaka, der Sänger und Songwriter hinter unvergesslichen Hits wie „Breaking Up Is Hard to Do“, „Calendar Girl“ und „Laughter in the Rain“, ist am Freitag im Alter von 86 Jahren gestorben.
Sedakas Vertreter bestätigten seinen Tod gegenüber dem ROLLING STONE. Eine Todesursache wurde nicht genannt.
„Unsere Familie ist am Boden durch den plötzlichen Tod unseres geliebten Mannes, Vaters und Großvaters Neil Sedaka“, erklärte die Familie des Sängers in einem Statement. „Eine wahre Rock-and-Roll-Legende, eine Inspiration für Millionen – aber vor allem, zumindest für diejenigen von uns, die das Glück hatten, ihn zu kennen, ein unglaublicher Mensch, der uns sehr fehlen wird.“
Zwei Ären des Erfolgs
Sedaka war einer der erfolgreichsten Performer und Songwriter der Sechziger und Siebziger und erlebte zwei klar voneinander getrennte Hochphasen. Zu Beginn der Sechziger dominierten seine zuckersüßen Pop- und Doo-Wop-Nummern wie „Breaking Up“ und „Oh! Carol“ die Charts der Vor-Beatlemania-Ära. Ein Jahrzehnt später kehrte er als Adult-Contemporary-Star mit Hits wie „Laughter in the Rain“ und „Bad Blood“ zurück.
Sedaka wurde in Brooklyn geboren und aufgewachsen. Seine früh ausgeprägte Begabung am Klavier verschaffte ihm einen Platz an der renommierten Juilliard School of Music, wo er sowohl die Vorbereitungsschule als auch das College besuchte. Während er eine klassische Ausbildung genoss, verliebte er sich gleichzeitig in den frühen Rock & Roll und war Mitgründer der Doo-Wop-Gruppe The Tokens. Sedaka verließ die Band, bevor die Tokens mit ihrer berühmten (wenn auch umstrittenen) Version von „The Lion Sleeps Tonight“ die Charts anführten – doch sein eigener Erfolg ließ nicht lange auf sich warten.
Gemeinsam mit seinem Nachbarn und langjährigen Songwriting-Partner Howard Greenfield bezog Sedaka einen Schreibtisch im berühmten Brill Building und half, den Popstil zu prägen, der aus dieser New Yorker Hitfabrik hervorging. Ihr Erfolg mit Songs wie „Stupid Cupid“ für Connie Francis ebnete Sedaka den Weg zu einem eigenen Plattenvertrag. Seinen ersten Top-10-Hit landete er 1959 mit „Oh! Carol“, dem weitere Klassiker folgten: „Stairway to Heaven“ (nicht jener), „Calendar Girl“, „Little Devil“ und „Happy Birthday Sweet Sixteen“. Den Höhepunkt dieser Phase markierte 1962 der Nummer-eins-Hit „Breaking Up Is Hard to Do“, während „Next Door to an Angel“ auf Platz fünf kletterte.
Internationaler Star
Sedaka war nicht nur in den USA erfolgreich – er war auch im Ausland ein großer Star. Er pflegte seine internationale Strahlkraft, indem er seine Songs regelmäßig in anderen Sprachen aufnahm. Im Laufe seiner Karriere veröffentlichte er Tracks auf Italienisch, Französisch, Spanisch, Deutsch, Portugiesisch und Japanisch.
Mit dem Einmarsch der Beatles 1964 kam Sedakas Solokarriere jedoch effektiv zum Erliegen. Sein Label ließ ihn schließlich fallen, und er geriet in finanzielle Schwierigkeiten, nachdem er erfahren hatte, dass sein Manager – zugleich der Freund seiner Mutter – seine Ersparnisse verprasst hatte. Sedaka hielt sich als Songwriter über Wasser, und seine Arbeit verzeichnete gewisse Erfolge, doch in einem Interview mit der New York Times im vergangenen Jahr gestand er, sich in der zweiten Hälfte der Sechziger verloren gefühlt zu haben.
„Ich habe es vermisst. Ich habe es mit einer Vehemenz vermisst“, sagte er. „Ich hörte Radio und dachte: Was muss ich tun? Kein Tra-la-la und Do-be-do mehr, in dem ich der König war. Ich wollte ein Künstler sein, der in die Kultur der Zeit passt.“
Comeback mit Elton John
Zu Beginn der Siebziger fand Sedaka in England Zuflucht und neue Inspiration. Er spielte in kleinen Clubs im ganzen Land und lernte eine neue Gruppe von Mitstreitern kennen, darunter die Mitglieder der aufstrebenden Popband 10cc. Mit ihnen nahm Sedaka zwei Alben auf: „Solitaire“ (1972) und „The Tra-La Days Are Over“ (1973), die sein Ansehen in Großbritannien weiter stärkten. Bald fand er in Elton John einen entschiedenen Fürsprecher, der Sedaka bei seinem Label unter Vertrag nahm und ihm half, sein Comeback zu organisieren.
1974 fasste Johns Rocket Record Company viele von Sedakas Songs aus seiner britischen Phase auf der Compilation „Sedaka’s Back“ zusammen, die in den USA mit Gold ausgezeichnet wurde. Das darauffolgende Jahr sollte Sedakas stärkstes werden: Er führte die Billboard Hot 100 gleich zweimal als Soloartist an – zunächst mit „Laughter in the Rain“, dann mit „Bad Blood“ (Letzterer mit nicht im Credit genannten Backgroundgesang von John) –, während seine neue Balladenversion von „Breaking Up Is Hard to Do“ auf Platz acht kletterte. Gleichzeitig brachten Captain and Tennille „Love Will Keep Us Together“ (geschrieben von Sedaka und Greenfield für „The Tra-La Days Are Over“) auf Platz eins, und die Carpenters erreichten mit einer Version von Sedakas „Solitaire“ Platz 17.
Sedaka knackte die Top 20 noch zweimal als Soloartist: zunächst 1976 mit dem rockigen „Love in the Shadows“ und dann 1980 mit „Should’ve Never Let You Go“, das er gemeinsam mit seiner Tochter Dara aufnahm. Darüber hinaus verzeichnete Sedaka im Adult-Contemporary-Bereich der späten Siebziger und frühen Achtziger weitere Erfolge mit Songs wie „Amarillo“, „Alone at Last“ und „Your Precious Love“ (ebenfalls mit Dara). 1983 wurde Sedaka in die Songwriters Hall of Fame aufgenommen.
Letzte Jahre und Vermächtnis
In den folgenden Jahrzehnten blieb Sedaka als Live-Performer und Aufnahmekünstler aktiv. Er probierte sich an Klassik, Kindermusik und nahm sogar ein ganzes Album mit Liedern auf Jiddisch auf. 2016 veröffentlichte er sein letztes Studioalbum „I Do It for Applause“ und entschied sich schließlich, keine neuen Songs mehr zu schreiben. „Ich fand: Wenn man es nicht mehr toppen kann, sollte man aufhören“, sagte er in einem Interview aus dem Jahr 2020.
Eine letzte Art Wiedergeburt erlebte Sedaka, als er während der Covid-19-Pandemie begann, Auftritte von zu Hause aus aufzunehmen und zu teilen. Der Achtzigjährige erwies sich als geschickt im Umgang mit diesem neuen Zeitalter des Kurzformvideos. Auch nach der Pandemie postete er weiter und teilte neue Clips sowie Archivaufnahmen auf TikTok und Instagram. Ein Video, in dem er an Valentinstag seinen ersten Hit „Stupid Cupid“ spielte, wurde allein auf TikTok mehr als 338.000 Mal aufgerufen.
„Ich glaube, der Grund, warum ich so lange dabei bin, ist, dass ich immer in der Lage war, die Messlatte höher zu legen, Neil Sedaka neu zu erfinden und mich weiterzuentwickeln“, sagte er in demselben Interview von 2020. „Es ist immer noch sehr befriedigend, meine Musik im Radio zu hören – die Songs werden mich überdauern.“