Wird dieser Country-Take auf 50 Cent der Song des Sommers?
Breland macht aus dem Blockbuster „In Da Club“ kurzerhand „In My Truck“ – mit unwiderstehlichem Ergebnis.
Brelands neue Single ist ein echter Hingucker – und könnte gut der Song des Sommers werden. „In My Truck“, die erste Veröffentlichung des Country-Sängers seit zwei Jahren, ist ein mitreißender Ohrwurm, der 50 Cents unsterblichen Blockbuster „In Da Club“ von 2003 interpoliert. Das Konzept ist denkbar simpel: Überall wo „club“ steht, kommt „truck“ hin – ein Einfall, der so naheliegend ist, dass er schon wieder genial wirkt.
„In My Truck“ hat alle Zutaten eines Country-Sommerhits: enge Jeans, Landmänner, Reime auf „truck“ und „mud“. Sein eigentliches Vorbild – und offensichtliche Blaupause – ist aber ein Song, der weit über Country Radio hinausging: „A Bar Song (Tipsy)“, die Shaboozey-Single von 2024, die einen weiteren Frühneunziger-Hip-Hop-Hit (J-Kwons „Tipsy“) in ein crossover-taugliches Country-Pop-Phänomen verwandelte. Wie „A Bar Song (Tipsy)“ tauscht auch „In My Truck“ Hip-Hop-Klischees gegen Country-Signale aus (In this truck we drink whiskey, not Bacardi), streut dabei aber einen Markennamen ein, der mit den bodenständigen Lyrics kontrastiert – in „A Bar Song (Tipsy)“ ist es eine Birkin-Bag, bei Breland eine Rado-Uhr.
So sehr man „In My Truck“ zwangsläufig auch als Versuch liest, Shaboozeys Weg zum Crossover-Erfolg nachzugehen – der Song ist zugleich der vorläufige Höhepunkt von Brelands langer und bemerkenswerter Reise durch die Country-Welt. Der gebürtige New Jerseyaner hat sich in den vergangenen sechs Jahren zu einem der reflektiertesten Künstler und gefragtesten Kollaborationspartner des Genres entwickelt, der weder davor zurückschreckt, seine Meinung zu sagen, noch vor Genregrenzen halt macht. Ein Beispiel: sein 2024er Song „Grandmaman’em“, der die große Country-Tradition der Ahnen-Hommage klanglich wie textlich völlig neu denkt.
Sequel zum Debüt
Brelands neue Single ist aber auch eine Fortsetzung seines Debüts von 2019 – einer wegweisenden Country-Trap-Hymne mit nahezu identischem Titel: „My Truck“.
„Es gibt bestimmte Songs von mir, bei denen man vielleicht sagt: ‚Das ist ein Country-Song.‘ Oder man sagt: ‚Das ist ein Hip-Hop-Song’“, erzählte er ROLLING STONE 2020. „Letztlich halte ich das für eine gute Sache. Das ist Fortschritt. Je weniger wir das Bedürfnis verspüren, Musik in Schubladen zu stecken, desto weniger verspüren wir es auch, Menschen in Schubladen zu stecken. So bewegt sich Kultur vorwärts.“
Im vergangenen Jahr sprach Breland in einer Folge des Podcasts „Nashville Now“ über den Zustrom von Pop-Künstlern in die Country-Welt und warum manche dabei reüssieren und andere nicht. „Ich glaube, Country Music hat nichts dagegen, wenn bestimmte Künstler rüberkommen – solange sie es gemeinsam mit Leuten machen, denen man dort vertraut“, sagte er. „Bei BigXthaPlug – und ich weiß nicht, wie er das selbst sieht, vielleicht denkt er: ‚Nee, ich bin hier überhaupt nicht angekommen …‘, das will ich nicht unterstellen – aber was es für mich von außen aussieht: BigXthaPlug hat angefangen, einige dieser Kollaborationen zu machen, hatte damit großen Erfolg und dachte dann: ‚Hey, ich ziehe das jetzt voll durch und mache ein ganzes Kollaborationsalbum mit all diesen Pop- und Country-Künstlern, und das wird funktionieren.’“
Clearance fast unmöglich
Breland hat „In My Truck“ Anfang des Monats bei „Joe & Jada“ angeteasert, dem Podcast von Fat Joe und Jadakiss, die beide von dem Hit-Potenzial des Songs schwärmten und betonten, wie schwer es war, die Genehmigung für 50 Cents Dauerbrenner zu bekommen. Breland zufolge holte er sich auch das Okay von Dr. Dre, der „In Da Club“ ko-produziert hatte. „Er hat Geschichte geschrieben“, rief Jadakiss aus, „er hat etwas clearen lassen, das so gut wie unmöglich zu clearen ist. Das sagt dir schon alles – das wird ein Hit.“
Ob „In My Truck“ nun tatsächlich zum Song des Sommers avanciert oder nicht: Der Track gehört zu den eingängigsten Stücken, die man seit Langem zu hören bekommen hat.