Das beste Gitarrensolo der letzten Jahre stammt von Geese

Geese gelingt derzeit im Alleingang die Revitalisierung eines ganzen Genres. Einer ihrer prägnantesten Songs ist „Getting Killed“.

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Geese spielen schon seit einem Jahrzehnt zusammen. Als Cameron Winter (Gesang), Emily Green (Gitarre), Dominic DiGesu (Bass) und Max Bassin (Drums) zusammen kamen, durften sie weder Autofahren noch Bier trinken. Ihre Jugendlichkeit haben sich die Amerikaner bewahrt, sie sind im Jahr 2026 eine Rock-Institution. Ihr drittes Album „Getting Killed“ wählte ROLLING STONE vergangenes Jahr auf Platz drei der besten Alben. Warum? Weil sie Songs enthält, die „immer in Bewegung, nervös, aufregend, mitreißend“ sind, wie unser Autor Jan Jekal in seiner Begründung schrieb.

Wer den Rock erneuern will, der braucht aber auch im 21. Jahrhundert noch Gitarrensoli, die in Erinnerung bleiben. Dazu gehört der Titelsong, der es in unsere Liste der 100 besten Gitarrensoli schaffte. Für Jaeden Pinder ist das Gitarrenspiel der Band lebhaft wie bei Tom Verlaine (Television) und schwindlig wie bei Radiohead in ihrer mittleren Phase:

„Sicher, der geheimnisvolle Geese-Frontmann Cameron Winter bekommt die meiste Aufmerksamkeit, aber die elliptischen Art-Rock-Erleuchtungen der Band würden ohne Emily Greens Gitarrenspiel bei weitem nicht so stark wirken, besonders bei „Getting Killed“. “ Die erste Hälfte des Songs ist ein Feuerwerk an allen Fronten, bei dem jedes Bandmitglied sein Instrument attackiert, um dann abrupt in ein üppiges und vielschichtiges Solo von Green überzugehen. Ihr Spiel ist geschmeidig und lebhaft wie das von Tom Verlaine von Television, aber auch schwindlig wie das von Radiohead in der Mitte ihrer Karriere, und so meisterhaft, dass man sich vorstellen kann, wie sie jede Note, die sie spielt, im Voraus plant, bevor sie eine Saite anschlägt. „Getting Killed“ ist weder auffällig noch ungezügelt, aber darum geht es auch nicht. Greens Stil fesselt durch sein minimalistisches Flair.“

Kommt schon bald ein neues Album von Geese?

Die Unbekümmertheit von Geese haben sie sich eventuell von den New-York-Nachbarn Strokes geliehen, auch wenn Winters unverwechselbare Stimme eine Herausforderung für sich ist. Dabei haben Geese ihren etwas abgebrühten Kollegen voraus, dass jede Platte nur noch wilder zu klingen vermag. Während der Output bei den Strokes 2005 unvermittelt erst einmal abbrach, haben Winter und Co., wie zu hören ist, in der letzten Session so viele Sachen ausprobiert, dass schon bald die nächste Platte anstehen könnte.

Marc Vetter schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.