Paul Tremblay über KI und Horror: „Mein Buch ist Anti-KI“

Horror-Autor Paul Tremblay über seinen KI-Roman „Dead But Dreaming of Electric Sheep", Bewusstsein und warum Kunst wehtun darf.

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Paul Tremblay, geboren 1971 bei Boston, zählt zu den einflussreichsten Stimmen des zeitgenössischen Horrors. Neben dem Schreiben unterrichtete er drei Jahrzehnte lang Mathematik an einer High School. Für Romane wie „A Head Full of Ghosts“, „Disappearance at Devil’s Rock“ und „Survivor Song“ wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bram Stoker Award. „The Cabin at the End of the World“ verfilmte M. Night Shyamalan als „Knock at the Cabin“; eine Adaption von „A Head Full of Ghosts“ entsteht derzeit.

Mit „Dead But Dreaming of Electric Sheep“ (William Morrow) legt Tremblay einen so witzigen wie verstörenden Near-Future-Albtraum vor: Eine junge Frau soll einen toten Mann mit KI-Implantat per Game-Controller quer durch die USA steuern. Im Gespräch erzählt Tremblay, wie zwei Jahre Sammelklage gegen OpenAI in den Roman flossen, warum Maschinen nie ein Bewusstsein haben werden – und trotzdem gefährlich sind. Außerdem: liminale Räume, Hüsker Dü, sein Mentor Stewart O’Nan und warum Kunst an unbequeme Orte gehen muss.

Bevor wir anfangen: Ich hoffe, ich mache nicht das, was die Figur Stephen in Ihrem Roman tut. Er nickt und rückt seine Brille zurecht, als wäre jeder Punkt, den er macht, ein guter. Das war einer der Sätze, die mir beim Lesen hängen geblieben sind. Ich hoffe, dass ich mich nicht so verhalte, wenn ich selbst mal etwas sage, von dem ich denke, das war jetzt sehr schlau.

Das ist witzig. Ich zappele ständig herum – also keine Sorge, hinter meinem Gezappel steckt keine geheime Botschaft, das kann ich Ihnen versichern.

Der Buchtitel ist natürlich von Philip K. Dick inspiriert. Eine Gemeinsamkeit scheint mir zu sein: Wie auch immer man KI bewertet, am Ende erscheint sie als eine überlegene Art von Wesen. Besonders Ihr Roman ist einer der wenigen, die am Ende keine Ambiguität zulassen. Er zeigt, was geschieht – und es wird geschehen. Es ist Ihr erstes sehr klares Ende, oder?

Richtig. Ich hoffe, ich setze Mehrdeutigkeit nur dann ein, wenn sie zum Thema passt. Ich weiß, dass ich oft darauf zurückgreife, aber hier stimme ich Ihnen zu: Dieses Ende ist definitiv nicht mehrdeutig.

Wenn es ein KI-freundliches Buch ist – auf welche Weise spielt KI in Ihrem eigenen Leben eine Rolle? Auf Instagram haben Sie einmal geschrieben, es sei Ihnen sehr wichtig, in den Texten anderer keine Large Language Models zu entdecken.

Zuerst einmal: Ich würde mein Buch keinesfalls als KI-freundlich beschreiben. Ich beschreibe es eher als Anti-KI. Und ohne zu viel zu verraten – ich würde nicht behaupten, dass die im Roman dargestellte KI überlegen ist. Die Art, wie sie zu den Figuren spricht, ist ziemlich lächerlich, fast wie ein bockiges Baby. Natürlich hat sie – wieder, ich bewege mich Richtung Spoiler – Rechenleistung und solche Dinge.

Ein Teil meiner Erfahrung mit KI ist durch zwei Jahre geprägt, in denen ich Teil einer Sammelklage war, stellvertretend für Autorinnen und Autoren, die OpenAI und Microsoft wegen ChatGPT verklagt haben: weil sie unsere Bücher genommen, uns nicht bezahlt und uns selbstverständlich auch nicht um Erlaubnis gefragt haben. Sehr viele meiner Ängste als Autor angesichts der Large Language Models und dessen, was sie mit unserem Schreiben anstellen, sind in diesen Roman eingeflossen.

War das etwas, das über die Jahre gewachsen ist, oder hing es an der konkreten Erfahrung mit OpenAI?

Es ist diese komische, glückliche Fügung: Die erste Idee zu diesem Buch entstand ungefähr zu der Zeit, als ich der Klage beitrat. Ich bin sicher nicht mit dem Gedanken „Jetzt schreibe ich einen Anti-KI-Roman“ hineingegangen. Der Keim war eines dieser albernen „Was wäre, wenn“-Gedankenspiele, die ein Schriftstellerhirn so anstellt. Ich hatte gerade Mary Roach gelesen, eine US-amerikanische Sachbuchautorin im Bereich Pop-Science – wunderbar, ich liebe ihre Bücher. Sie hat ein Buch namens „Stiff“ geschrieben, über Leichen: wohin sie kommen, was mit ihnen geschieht, wie sie gespendet werden. Ich dachte über den Transport von Leichen im Flugzeug nach und fand: Es wäre seltsam, wenn wir an einen Punkt kämen, an dem man so etwas per Fernsteuerung bewegen könnte.

„Wie zum Teufel mache ich es glaubhaft, dass jemand einen – im Grunde – toten Körper fernsteuert?“

Ich hielt das für ein lustiges Update einer „Weekend at Bernie’s“-Geschichte (deutsch: Immer Ärger mit Bernie“). Hängen geblieben ist es aber wegen der Herausforderung: Wie mache ich das glaubwürdig? So sehr ich mit Mehrdeutigkeit spiele – meistens versuche ich in meinen Romanen, einen vertrauten Horror-Topos oder Schauplatz zu nehmen und ihn so real wie möglich wirken zu lassen. In diesem Fall war die Frage: Wie zum Teufel mache ich es glaubhaft, dass jemand einen – im Grunde – toten Körper fernsteuert? Dort hat alles angefangen. Und dann hat sicher auch geholfen, zwei Jahre lang die Absurditäten dieses Verfahrens mitzuerleben. Das hat den Roman wohl mit ins Leben gestoßen.

Wo beginnt und endet das Bewusstsein? Gerade bei Large Language Models sagen Wissenschaftler, sie könnten vielleicht eine Form von Bewusstsein haben. Bei Bernie habe ich mich gefragt, ob er anfangs überhaupt versteht, dass er noch lebendig ist – weil die KI es ihm sagt. Das meinte ich vorhin mit KI: Sie teilt ihm mit, dass er nicht tot ist. Es ist also auf gewisse Weise eine Erweiterung, oder?

Ja, das ist im Grunde die zentrale Frage des Buches: Was geht in Bernies Kopf vor? Was die Bewusstseinsfrage angeht – bevor ich überhaupt daran dachte, dieses Buch zu schreiben, habe ich ein wunderbares Buch gelesen. Es heißt „The Feeling of Life Itself: Why Consciousness Is Widespread but Cannot Be Computed“, von Christof Koch, der sich, glaube ich, sowohl mit Philosophie als auch mit Mathematik beschäftigt. Was ich daran überzeugend fand, war das wissenschaftlich-philosophische Argument, dass Bewusstsein damit zusammenhängt, die Umwelt unmittelbar zu erfahren.

Er argumentiert recht überzeugend – und obwohl ich einen Master in Mathematik habe, kann ich nicht behaupten, dem mathematischen Beweis im Buch zu hundert Prozent gefolgt zu sein – sowohl philosophisch als auch mathematisch, dass Computer niemals bewusst sein könnten, weil sie die Umwelt nicht unmittelbar erfahren können. Eine ganz grundlegende Form wäre, Schmerz zu erleben – eine Weise, Bewusstsein zu erfahren. In gewisser Weise denkt man: „Schön, das beruhigt mich.“ Aber gleichzeitig: KIs müssen nicht bewusst sein, um in der Gesellschaft Verheerungen anzurichten. Insofern ist das eher Nebensache. Trotzdem hoffe ich, dass der Leser darüber nachdenkt: Was ist Bewusstsein? Wie definiert man es? Wie wirkt es sich auf den Alltag aus? Wie weit ist man bereit, den Begriff des Bewusstseins auszudehnen? Und hoffentlich ist mein Buch dabei zugleich komisch und verstörend.

Ich bin nur ein paar Jahre jünger als Sie, Jahrgang 1975, und teile sehr viele Kindheitserfahrungen mit Ihnen. Wir haben Dinge in früherem Alter gesehen, brutalere Dinge. Sie haben einmal über die „Poltergeist“-Szene geschrieben, in der sich ein Mann das Gesicht abreißt, und über „Watership Down“ mit General Woundwort. Und jetzt, mit „Weekend at Bernie’s“ – sind da nicht Dinge drin, die manche heute für problematisch halten?

Genau das ist der Punkt: Es waren Geschichten, die lustig, aber auch mutig waren.

Ich habe mit meinem Sohn zum ersten Mal „Die Goonies“ gesehen – da hängt diese Leiche bei den Kindern herum, sie versuchen sie in den Vorratsraum zu stecken, und sie ist blau wie ein Zombie aus „Dawn of the Dead“. Bei „Weekend at Bernie’s“ ist es etwas, das man heute nicht mehr zeigen könnte: eine Leiche als Buddy. Interessant ist, dass in Ihrem Buch ausgerechnet ein Mädchen der Generation Z darüber spricht.

Julia, auf die Sie sich beziehen, ist eine 24-jährige Frau, die angeheuert wird, um die Bernie-Figur zu steuern. Aufgrund dessen, was in ihrer Familie passiert ist, ist sie jemand, der in all diese Gen-X-Filme abgetaucht und zu einem großen Fan geworden ist. Ich muss zugeben: Vieles stehle ich von Leuten, die ich kenne. Meine Tochter ist ein riesiger Filmfan, und wir hatten in den letzten Jahren großen Spaß daran, alte Filme gemeinsam zu sehen.

Die größere Frage, die Sie aufwerfen, ist schwerer zu beantworten. Für Menschen unseres Alters ist es schwer, die eigenen Erfahrungen nicht durch die Brille der Nostalgie zu betrachten und zu sagen: „Uns hat das nicht geschadet, also schadet es auch allen anderen nicht.“ Nur: Bloß weil es uns gut bekommen ist, heißt das nicht, dass es allen gut bekommt. Andererseits weiß ich, als jemand, der 30 Jahre an einer High School unterrichtete, aus Studien und aus Erfahrung – und das ist keine kontroverse Aussage –, dass man am besten lernt und Wissen am ehesten behält und für wahr hält, wenn die eigenen Überzeugungen herausgefordert werden. Wenn man in einem Bildungskontext mit etwas konfrontiert wird, das infrage stellt, was man glaubt oder für wahr hielt, und man dann ein Argument entwickeln kann, warum es trotzdem wahr ist – das ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, kritisch denken zu können: mit Dingen konfrontiert zu werden, die man womöglich geschmacklos oder schlicht falsch findet.

„Kunst muss dorthin gehen, wo es wehtut“

Anders gesagt: Wir alle, oder die meisten von uns, bewegen uns in derart kuratierten Online-Räumen, in denen die Algorithmen darauf ausgelegt sind, uns nur das zu schicken, dem wir ohnehin zustimmen. Es wird also umso schwerer, sich an unbequeme Orte zu begeben und nicht sofort heftig zu reagieren. Die kurze Fassung: Ich weiß nicht, ob ich „Dead But Dreaming of Electric Sheep“ als Kunst bezeichnen würde, aber ich glaube an – und verteidige bis aufs Letzte – das Recht und die Fähigkeit der Kunst, an seltsame, unbequeme, schwierige Orte zu gehen. Sie muss dorthin gehen können. Sie muss es nicht jedes Mal tun, aber sie muss es können.

In einigen Ihrer Kurzgeschichten und Romane haben Sie den Einfluss der Pandemie auf Ihr Schreiben erwähnt, besonders bei „Survivor Song“. Denken Sie noch daran?

Bei „Survivor Song“ ist es interessant: Ich habe es tatsächlich vor der Pandemie geschrieben, was es noch unheimlicher machte, weil so vieles davon wahr geworden ist. Aber ich habe einen Middle-Grade-Roman namens „Another“ geschrieben, der letzten Sommer erschienen ist – und das wurde, ohne dass ich es geplant hätte, mein Buch über die Ängste und Gefühle, als Lehrer mitten in der Pandemie zu arbeiten. Ich bin froh, dass wir endlich so viele Bücher, Filme und Geschichten sehen, die sich mit dem auseinandersetzen, was wir durchgemacht haben, gerade in den ersten Jahren. Denn als jemand, der schrieb und manchmal mit Filmleuten sprach, erinnere ich mich an eine Phase von zwei, drei, sogar vier Jahren, in der besonders die Hollywood-Leute sagten: nichts über die Pandemie, das will niemand sehen. Dabei müssen wir genau das verarbeiten, erforschen, und zwar auch in der Kunst. Es ist vielleicht etwas spät, aber wir sehen diese Geschichten jetzt endlich aufkommen, vielleicht weil die Leute sich besser gewappnet fühlen.

Was mir an „Another“ sehr gefiel: Es gibt in Ihrem Werk ein wiederkehrendes Motiv – die Kraft des Zeichnens und der Handschrift, die Geschichte oder eine Situation zu verändern. Woher kommt diese Faszination?

Die Hauptfigur in Another, Casey, ist ein Künstler. Ein Sechstklässler, ein aufkeimendes, sehr talentiertes Talent. Die Idee ist, dass er sich daran als Teil seiner Identität festhält, was er auch sollte. Genau das ist es, was er braucht, um den Horror des Romans zu überwinden. Dieses Buch habe ich 2023 geschrieben, als ich der Klage beitrat und zum ersten Mal von LLMs erfuhr – und von Dingen wie Midjourney, die die visuelle Arbeit von Künstlern stehlen; vielleicht sahen wir damals zum ersten Mal diesen KI-Schrott entstehen. Als mir klar wurde, dass das Buch zum Teil davon handeln würde, wie Casey herausfindet, wer er ist und wie eng das mit dem Schaffen von Kunst verbunden ist, war das für mich eine Möglichkeit zu sagen: Kunst ist wichtig. Gerade in den USA hört man immer mehr darüber, dass die Zahl der Studierenden in den Geisteswissenschaften schrumpft, weil ihnen eingeredet wird, sie müssten in MINT-Fächer oder in die Wirtschaft gehen. Ein furchtbarer Rat.

Es gibt sehr witzige Formulierungen in „Dead But Dreaming of Electric Sheep“, etwa „Chillax“ oder „Let’s hear your story – journey!“. Sie machen sich ein bisschen über die Generation der Tech-Bros lustig. Mussten Sie dafür recherchieren, oder sind das Begriffe aus Ihrem Alltag?

Für diesen Teil musste ich nicht viel recherchieren. Als High-School-Lehrer bin ich viel von 17-, 18-Jährigen umgeben, die auf eine Business School wollen. Die reden manchmal so. Es fiel mir also leicht, einigermaßen am Jargon dranzubleiben. Gleichzeitig hoffe ich, dass ich es nicht übertreibe, denn das ändert sich so schnell: Bis das Buch erscheint, liest es sich schon wie „Ach, das sind ja gar nicht mehr die aktuellen Wörter.“ Aber durch die Explosion des Tech-Themas im öffentlichen Bewusstsein – Wörter wie Tech-Bro, Billionaire – stößt man auf dieses Vokabular ohnehin, wenn man als Mensch lebt und einigermaßen aktiv in der Social-Media-Welt unterwegs ist.

Mir gefällt auch die Passage, in der Julia ihr Sandwich in „das wirft, was sie hoffentlich“ für einen Mülleimer hält. Die ganze Architektur in diesem Silicon-Valley-Bau wirkt wie eine Löwengrube, wie das Versteck eines Bösewichts, in das sie hineingeht. 

Es geht sicher darum, alles ins Extreme zu treiben. Das ist keine große Erkenntnis, aber: Wenn Dinge in irgendeine Richtung ins Extreme gehen, ist das meist problematisch.

Eine meiner Lieblingsszenen ist die, in der Julia am Ende auf diese billigen Filmkulissen aus Sperrholz und Pappe zuläuft. Das hat mich an Weirdcore und Dreamcore erinnert. Ich gerate auf Instagram manchmal in solche Rabbit Holes über liminale Räume – diese künstlichen Umgebungen sind endlos. Woher kam Ihre Inspiration für diese Passagen?

Ähnlich wie zuvor. Besonders nachdem ich Anfang der 2000er „House of Leaves“ von Mark Z. Danielewski gelesen hatte, eines meiner Lieblingsbücher. Ich liebe Geschichten über liminale Räume oder liminalen Horror, und auch das Buch selbst, seine Typografie und Gestaltung so anzulegen, dass sie liminale Räume schafft, reizt mich sehr. Hoffentlich fühlt sich das jedes Mal wie Teil des Themas an und dient dem Buch, statt bloß ein Gimmick zu sein. Gerade jetzt, mehr als 20 Jahre nach „House of Leaves“, hätte Mark sich diese Welt wohl nicht vorstellen können. Erst Fake News und Verschwörungstheorien, und nun die Bilder, die KI produziert, und die Idee eines „toten Internets“, in dem das meiste – oder ein alarmierend großer Anteil – von Bots erzeugt wird, sodass es noch unmöglicher wird zu unterscheiden, was echt ist und was nicht.

Julia hat eine besondere Beziehung zu Bernie. Wie haben Sie verhindert, dass diese Beziehung in eine Art Ersatzvater-Klischee abrutscht?

Zum einen mache ich Julia bewusst, dass sie das selbst an einigen Stellen ausspricht: Es wäre erbärmlich, ihren Vater auf diese Bernie-Figur zu projizieren. Wie bei den meisten meiner Bücher habe ich versucht, mich in Julias Lage zu versetzen. Wie würde ich darauf reagieren? Auch wenn Julia zugibt, dass sie hier definitiv einen schrecklichen Job macht, glaube ich, dass sie der Person Bernie mit Empathie begegnet – und mit zunehmender Empathie, je weiter das Buch fortschreitet und sie mehr herausfindet. Viele andere Kulturen gehen damit, glaube ich, gesünder um als wir. Kranke Menschen neigen dazu, sich zu verstecken, weil sie sich nicht zeigen wollen. All das machte es mir leicht, hoffentlich einige humorvolle, satirische Momente im Buch zu haben – aber auch ergreifendere.

Sie gehen sehr offenherzig mit Klischees um. Ich hoffe, es klingt nicht wie ein Klischee, wenn ich an „A Head Full of Ghosts“ denke, wo all die Vergleiche mit „Der Exorzist“ kommen, oder an „The Dog Walkers“ mit der Kritik am Bücherregal als rein repräsentatives Möbelstück. Ich habe auch „Infinite Jest“ im Regal – und als ich es las, dachte ich: Wo ordne ich mich da selbst ein? Ich will nicht so tun, als hätte ich alles gelesen. Ich habe das Buch nicht einmal gelesen. Und genau das ist großartig: Indem Sie das so machen, zeigen Sie Ihr Herz.

Vielen Dank. Ich habe 120 Seiten von „Infinite Jest“ gelesen – vielleicht eines Tages mehr. Ich hoffe, was durchkommt, ist eine gewisse Ehrlichkeit meinerseits. In vielen Geschichten gibt es Ambiguität, und auch hier steht der Leser bis zum Ende auf eher unsicherem Boden, an dem dann alles zusammenpasst. Hoffentlich kommt durch: Ich bin ehrlich über die Dinge, über die wir hier nachdenken – beziehungsweise: Wir sind ehrlich über das, was die Figuren denken. Ich will mich nicht mit den Figuren meines Buches gleichsetzen, gewiss nicht mit dieser. Aber das ist alles, was ich als Leser von einem Autor erhoffe: dass er mir den Respekt erweist, über die Wahrheit zu sprechen, wie er sie sieht. Es ist in Ordnung, wenn er sich irrt. Damit komme ich klar, oder es bringt mich zumindest zum Nachdenken.

„Die Gefahr liegt darin zu glauben, dass man alles versteht.“

Julia sagt, sie sei eine realistische Nihilistin und hoffnungsvolle Pessimistin in einer Welt, die offensichtlich auf dem letzten Loch pfeift. Und als sie Bernies Mutter trifft, sagt die: „Ich verstehe die Welt nicht mehr.“ Wo sehen Sie sich selbst – Sie sind gut in Mathe, Sie sind Lehrer – als Angehöriger einer Generation? Verstehen Sie noch alles?

Um Himmels willen, nein. Aber das ist in Ordnung. Die Gefahr liegt darin zu glauben, dass man alles versteht. Ich hoffe, je älter ich werde, desto weniger sicher bin ich mir. Das heißt nicht, dass ich keine Meinungen hätte. Ich erinnere mich an mich als junger, aufstrebender Autor, der auf Blogs und auf LiveJournal postete – falls sich noch jemand an LiveJournal erinnert – „So macht man das, und das glaube ich.“ Gerade beim Schreiben bin ich mir mit der Zeit immer weniger sicher geworden. Ich habe Meinungen und fühle stark, was ich schreibe, aber – ja. Was sicher die von Ihnen erwähnten Beziehungen geprägt hat: Bernie ist in meinem Alter, Julia im Alter meiner Kinder, fast genau, und die Mutterfigur im Alter meiner Mutter. Das sind Dinge, die ich von dem genommen habe, was meine Mutter oder meine eigenen Kinder sagen – auch wenn meine Kinder seltsamerweise in vieler Hinsicht hoffnungsvoller sind als ich, was gut ist. Ich hoffe, sie sind nicht weniger hoffnungsvoll als ich; das wäre schlimm.

Es ist auch eine Geschichte über Sucht, denn Julia bekommt selbst Spaß daran, Bernie zu steuern. Ich habe mich gefragt, ob wir alle wie sie wären – immer abenteuerlustiger mit einem fremden Körper, wenn wir die Gelegenheit bekämen.

Ja, sicher – das gehört dazu, mich in Julias Lage zu versetzen. Wir würden alle gern glauben, dass wir es nicht täten, aber es gäbe eine klare Anziehung: „Wow, das ist so cool, ich kann das“. Dieser Dopaminrausch, sobald man den Controller tatsächlich dazu bringt, das zu tun, wofür er gedacht ist. Und auf der anderen Seite: In der Geschichte der Menschheit haben Menschen ganz klar Lust und Macht daraus gezogen, andere zu kontrollieren – ob buchstäblich wie im Buch oder politisch oder wirtschaftlich. Man kann nicht leugnen, dass das eine Facette der menschlichen Natur ist. Viele von uns können das immerhin erkennen und sich bemühen, nicht daran teilzunehmen. Aber zugleich ist es unmöglich, es nicht zu tun. Wo habe ich mein T-Shirt gekauft? Wo wurde es produziert? In welchem Sweatshop? Das sind harte Fragen, über die wir nachdenken müssen. Hoffentlich nicht den ganzen Tag, jeden Tag, denn das würde einen vermutlich an sehr dunkle Orte treiben. Aber man muss über diesen Teil der Dinge nachdenken.

Sie erwähnen manchmal Bands und Musiker. In diesem Roman geht es um Bob Mould und Suzanne Vega, The Police wird erwähnt. Und einmal – ich glaube, in „Disappearance at Devil’s Rock“ – auch die Pixies. Würden Sie etwas über Musik in Ihren Büchern oder Handlungssträngen machen?

Auf jeden Fall. Mein Roman „The Pallbearers Club“ taucht voll und ganz in das Gen-X-Musikfantum ein: Die Hauptfigur ist ein möchtegern-, letztlich gescheiterter Punkmusiker, es gibt Anspielungen auf all meine Lieblingsbands, und sogar die Kapitelüberschriften sind nach Hüsker-Dü-Songs benannt. Ich bin im Herzen ein frustrierter Musiker, aber natürlich auch ein großer Musikfan. Es ist für mich fast unmöglich, eine Geschichte ohne irgendwelche musikalischen Bezüge zu schreiben. Musik ist ein so großer Teil meines Lebens, wie wohl bei den meisten Menschen. Dinge erinnern einen an Songs, man hat einen Soundtrack zu dem, was gerade passiert. Manchmal kratze ich nur einen persönlichen Juckreiz, aber hoffentlich trägt es zur Geschichte bei. Im Fall des Police-Songs etwa – darüber rede ich nicht weiter, aber hoffentlich steckt da ein netter Witz im Buch, wenn er aufgelöst wird.

Vertrauen Sie den Medien noch? In dieser Welt voller Bubbles – was ist Ihre Hauptquelle?

Es ist nicht mehr dasselbe wie früher, aber ich versuche sehr wohl, das zu unterstützen, was ich noch als geprüften Journalismus betrachte – auch finanziell. Ich zahle für ein Digitalabo der „New York Times“ und des „Boston Globe“. „Wired“ würde ich auf jeden Fall dazuzählen. Ich versuche wirklich zu vermeiden, meine Nachrichten aus den sozialen Medien zu beziehen, und gehe stattdessen zu den ersten Quellen oder zumindest zu Stellen, die so berichten, dass sie – zumindest theoretisch – verklagt würden, wenn sie einen Fehler machen.

In Ihren Danksagungen erwähnen Sie Stewart O’Nan, und das haben Sie mindestens einmal zuvor getan. Was verbindet Sie mit ihm? Sind Sie befreundet?

Ja, Stewart und ich sind befreundet. Ich betrachte ihn als Mentor. Ein überaus freundlicher, großzügiger Mensch. Für den ersten Roman, den ich geschrieben und beendet habe und der mir gefiel – das war 2003 –, habe ich ihm aus heiterem Himmel ein Fax geschickt und gefragt, ob er das Buch lesen würde. Mein genialer Plan war: „Ich besorge mir einen Blurb, bevor es veröffentlicht wird, das hilft mir, einen Agenten zu finden.“ Und zu Stewarts Wahnsinn und zugleich Großzügigkeit hat er auf das Fax geantwortet, das Buch gelesen und mir Anmerkungen gegeben. Als er das nächste Mal in Boston war, haben wir uns getroffen und uns sofort gut verstanden, weil wir beide große Red-Sox-Fans sind. Dieses Buch ist das erste seit jenem damals, das ich ihm im Entwurf geschickt habe. Er hat eine sehr frühe Fassung gelesen und mir wahnsinnig hilfreiche Anmerkungen gegeben. Jeder, der ihn kennt, würde dasselbe sagen: Er ist nicht nur einer der klügsten Menschen, die ich kenne, sondern auch einer der großzügigsten.

Wenn er auch Red-Sox-Fan ist – waren Sie mit ihm und Stephen King zusammen bei einem Spiel? Die beiden haben ja ein Buch zusammen gemacht, über Baseball.

Nein, ich war nie mit Stephen King und Stewart bei einem Spiel. Aber es gab ein Spiel, bei dem Stewart und ich auf Stephens Plätzen saßen – ohne Stephen. Sehr gute Plätze, ganz sicher.

Unabhängig davon haben wir noch gar nicht erwähnt, dass „Dead But Dreaming of Electric Sheep“ wirklich kompliziertes Material ist – auch herausfordernd zu verstehen.

Danke, das freut mich. Aber hoffentlich beginnen die Leute, wenn sie an einen bestimmten Punkt kommen, zu erfassen, was passiert ist. Normalerweise schreibe ich Bücher in der Reihenfolge, in der die Ereignisse geschehen. Selbst bei früheren Romanen, in denen ich zwischen Zeitebenen springe, schreibe ich es immer in dieser Reihenfolge. Das ist das erste Buch, bei dem ich das nicht konnte. Ich musste zuerst Julias Kapitel schreiben und dann die „Du“-Kapitel – obwohl das „Du“-Kapitel vor Julias liegt, falls das Sinn ergibt: Das „Du“-Kapitel ist das, was Bernie erlebt, während Julia ihn steuert, und dann liest man Julias Kapitel, in dem sie ihn steuert. Ich musste es also zum ersten Mal in meiner Laufbahn etwas durcheinander schreiben. Das ist vermutlich überhaupt nicht interessant, aber kompliziert ist es schon.

Wovon hängt Ihre Entscheidung ab, im Präteritum oder im Präsens zu schreiben?

Ich versuche, jede Entscheidung in den Dienst der Geschichte zu stellen, statt aus Bequemlichkeit zu entscheiden. Zugegeben, ich neige zum Präsens, weil es sich für mich immer lebendiger anfühlt – als geschehe es gerade jetzt. Außerdem hilft es mir, meine eigenen Zeiten leichter im Blick zu behalten. Bei diesem Buch dachte ich: Das geschieht jetzt oder fast jetzt, also wollte ich es im Präsens. Gerade wenn es zum Roadnovel wird, soll es sich hoffentlich vorwärtstreibend anfühlen, nach „Das passiert genau jetzt“.

Es gibt sicher viele Fans, die Sie nach Story-Enden fragen, und Sie sagen vermutlich, jeder solle sich seine eigene Meinung bilden. Mein Lieblingsbuch von Ihnen ist „Disappearance at Devil’s Rock“. Wenn ich an Josh und Luis denke und an das gemeinsame Universum – sie sind ja Teil von „Survivor Song“ –, macht es mich ihre Entwicklung richtig traurig. Es verdirbt zwar nicht das „Disappearance“-Buch, weil es eigene Geschichten sind, aber ich konnte nicht mehr zu „Disappearance “zurückkehren, ohne zu wissen, was mit ihnen geschieht. War es schwer für Sie, das zu schreiben?

Danke. Eine großartige Frage; ich glaube, so hat es noch niemand formuliert. Ehrlich gesagt habe ich nie darüber nachgedacht, wie es das Lesen des vorherigen Buches verändert oder darauf zurückwirkt. Wenn mich das zum Monster macht: Mit Abstand mein Lieblingsteil beim Schreiben von „Survivor Song“ war ihr Kapitel, das Kapitel ihres Schickals. Auf seltsame Weise habe ich das Gefühl, es erlöst sie ein Stück weit. In „Disappearance at Devil’s Rock“ waren sie zu ziemlich üblen Dingen fähig. Sie sind Kinder, also gebe ich ihnen nicht die volle Schuld, aber sie haben Mist gebaut. In „Survivor Song“ sind sie für mich Helden.

Es sind ja Stockkämpfer! Es gibt so viele großartige Momente in „Disappearance at Devil’s Rock“ – ich denke manchmal an Tommy, der noch immer zu seiner Insel schwimmt.  Oder dieses Verhör an der Türschwelle zwischen Allison und Arnold, in dem sie herausfindet, wer er ist. Das sollte von Fincher oder Denis Villeneuve verfilmt werden. Eine sehr knapp geschriebene Sequenz. Sehr spannend, hard-boiled.

Dieses Buch war, glaube ich, das schwerste, das ich je geschrieben habe – obwohl „Dead But Dreaming … “ ihm den Rang streitig macht. Bei „Devil’s Rock“ fühlte es sich nicht an, als käme es leicht. Ich hatte gerade „A Head Full of Ghosts“ abgegeben, das ich ziemlich schnell geschrieben hatte und bei dem ich mich richtig gut fühlte, und dann war „Devil’s Rock“ so schwer. Ich kann das für Sie wieder auf Stewart O’Nan zurückführen: Als ich „Devil’s Rock“ schrieb, schickte ich Stewart eine E-Mail: „Das ist so schwer. Ich glaube nicht, dass es so gut ist wie ‚A Head Full of Ghosts‘. Was soll ich tun?“ Ich erwartete eine Antwort wie „Keine Sorge, Paul, du bist ein guter Autor, du kriegst das hin.“ Stewart schickte mir eine einzige Zeile zurück: „Tja, nicht alles, was du schreibst, wird großartig sein.“ Ich fing an zu lachen, denn genau das musste ich hören. Etwas, das den Druck von mir nahm.

Da Sie Horrorfilme mögen: In „Horror Movie“ haben Sie das erfunden, was ich den „Long Scare“ nenne – nicht den Jump Scare, sondern den langen Schreck. Ich finde das wirklich neu im Horror. Die ganze Szene zieht sich über Minuten, und die Leute im Kinosessel fangen an, über sich selbst nachzudenken. Das Ironische: Im Buch funktioniert es hervorragend, aber kein Regisseur würde wagen, das zu drehen, weil kein Produzent „Mach weiter mit dem Nichts“ sagen würde. Wie kamen Sie auf diese Szene?

Den „Long Scare“ – das gefällt mir. Das war eine Szene, von der ich ziemlich früh wusste, dass ich eine lang gehaltene Einstellung wollte, eine absurd lang gehaltene. Ich wusste nicht, was ich schreiben würde, wenn ich dort ankäme, aber ich wusste: Es wird eine gehaltene Einstellung von fünf Minuten geben. In so vielen meiner Lieblingsfilme gibt es keine fünfminütige gehaltene Einstellung auf eine dunkle Türöffnung – aber es gibt die gehaltene Einstellung für den Jump Scare. Vielleicht zehn Sekunden, vielleicht fünfzehn.

Doch wenn ich das in einigen meiner Lieblingsfilme erlebe, fühlt es sich an, als sei die Zeit zerbrochen. In einem Film wie „Lake Mungo“ – ich weiß nicht, ob Sie ihn gesehen haben – gibt es eine Szene, in der man darauf wartet, dass etwas Schreckliches auf die Kamera zukommt, und man weiß, dass es schrecklich sein wird. Als ich sie zum ersten Mal sah und Sie mir gesagt hätten, sie habe ein, zwei Minuten gedauert, hätte ich es geglaubt – obwohl sie wahrscheinlich nur etwa zehn Sekunden dauert. Eine ähnliche Szene gibt es, glaube ich, im japanischen Horrorfilm „Pulse“, wo sich ein Geist langsam auf die Kamera zubewegt. Über das Gefühl solcher Szenen habe ich viel besser geschrieben, als ich es jetzt erklären kann. Ich wollte erkunden, warum wir so lange in diese dunklen Ecken blicken, obwohl wir wissen, dass irgendwann etwas ziemlich Schreckliches daraus hervorkommt.

War das Haus des Vaters in „Horror Movie“ ebenfalls von „House of Leaves“ inspiriert – mit den endlosen Räumen und Fluren, die wir nie zu sehen bekommen?

Oh ja, ganz sicher. Das ist immer da. Ich wollte, dass der Vater eine Minotaurus-Figur ist. Also dachte ich: Okay, das Haus soll keinen Sinn ergeben. Aber klar – eine Referenz auf liminale Räume, ja.

Auf einer sehr witzigen Meta-Ebene scheinen die Geister aus „A Head Full of Ghosts“ in Ihrem Kopf zu bleiben, denn Sie führen die Geschichten von Merry und Marjorie in anderen Erzählungen weiter. Werden sie Sie je verlassen, oder denken Sie manchmal: Jetzt ist es Zeit für noch eine Geschichte über sie?

Es ist eine Weile her, dass ich eine weitere Geschichte hatte. Ich wusste immer, dass ich – nun, ich sage „nie“, es sei denn, ich gerate in finanzielle Not – keine Fortsetzung dieses Romans schreiben würde. Aber weil die beiden Schwestern diese Beziehung haben, in der sie einander Geschichten erzählen, ist es irgendwie reizvoll: Wenn mir danach ist, kann ich zu den Geschichten zurückkehren, die sich die beiden Schwestern erzählen. Manchmal mache ich sogar Anspielungen – ich glaube, „A Head Full of Ghosts“ existiert auch im Universum einiger meiner anderen Bücher. Dieses Buch war mir sehr wichtig, es hat meine Karriere begründet, es hat sich am meisten verkauft und die meisten Menschen haben sich damit verbunden. Da ist es schön, auch damit spielen zu dürfen.

„Mein Roman steht hoffentlich in einem Dialog mit „Der Exorzist“

Mir gefällt, dass es in „A Head Full of Ghosts“ eine Art häusliche Gewalt und ein Missverstehen jugendlicher Psyche gibt. Obwohl „Der Exorzist“ von den Figuren erwähnt wird, geschieht so etwas im Film „Der Exorzist“ nie, weil alle Regan freundlich begegnen – es gibt keine einzige Szene, in der jemand sagt: Vielleicht hat sie es verdient, böse zu sein, vielleicht muss sie tot sein.

Genau, absolut. Mein Roman steht hoffentlich in einem Dialog mit „Der Exorzist“, ganz sicher.

Es gibt auch diese Zwischenkapitel mit Ihrer eigenen Stimme in „Dead But Dreaming of Electric Sheep“. An welchem Punkt beim Schreiben merkten Sie, dass sie gut funktionieren würden, und warum haben Sie sie eingesetzt?

Ich bin nicht in den Roman gegangen mit dem Vorsatz, die zwei Interludes zu schreiben. Ehrlich gesagt wurde dieses eine Kapitel zu lang, ich ließ Julia zu viele Dinge tun, ich wusste, ich musste kürzen. Da kam mir die Idee: Vielleicht baue ich hier ein bisschen Meta-Kommentar ein. Der Zweck ist hoffentlich auch, den Appetit des Lesers darauf zu wecken, was geschieht beziehungsweise geschehen wird. Ich will nicht zu viel verraten, aber das hat großen Spaß gemacht. Und ich glaube, die zwei Interludes ergeben am Ende viel Sinn, im Hinblick darauf, wer sie schreibt beziehungsweise wer an diesem Punkt mit dir kommuniziert.

Hatten Sie beim Schreiben von „The Cabin at the End of the World“ das Gefühl, das könnte das Buch sein, das verfilmt wird – mit „Knock at the Cabin“? Welche Romane hatten Sie im Kopf, von denen Sie dachten: Das wäre guter Stoff?

Wenn ich ein Buch schreibe, versuche ich ehrlich, mich von dem Gedanken loszusagen, „das könnte ein großartiger Film werden“. Denn sonst würde das, glaube ich, das Schreiben infizieren. Ich will Bücher schreiben, bei denen das Buch die beste Form ist, die Geschichte zu erzählen. Im Fall von „The Cabin at the End of the World “ tat ich beim Schreiben so, als schriebe ich ein Theaterstück – nicht, dass ich Dramatiker wäre, aber der Löwenanteil spielt in einer Hütte. Ich dachte, das ließe sich leicht und billig verfilmen: Man braucht im Grunde nur eine Hütte. Wenn ich an den Markt denke oder an das, was die Leute wollen, lähmt mich das, damit komme ich nicht zurecht. Mein einziger Weg in eine Geschichte ist, von ihr begeistert zu sein und Zeit mit ihr verbringen zu wollen – und sie hinterher selbst lesen zu wollen, wenn sie fertig ist. Den Rest sollen andere klären: meine Agenten und Verlage, und wenn jemand in Hollywood interessiert ist, soll der herausfinden, wie man daraus einen Film macht.

Lachen Sie manchmal – nicht böse, sondern auf eine vergnügte Art – über Ihren Erfolg? Ich erkenne das in einigen Geschichten, etwa in „Horror Movie“ mit den Comic-Con-Situationen oder Buchmessen. Finden Sie das komisch, lachen Sie darüber mit Ihrer Familie?

Welchen Ruhm ich auch habe, er ist sicher Mikro-Ruhm und hängt vom Raum ab, in dem ich gerade bin. Ich spiele meinen Erfolg nicht herunter, aber es ist mir sehr leichtgefallen, dabei nüchtern zu bleiben. Ich war 30 Jahre lang einfach Mathelehrer, und meine Familie lässt sich von mir nichts erzählen. In meinem Klassenzimmer interessiert es die Kinder nicht. Jetzt sind sie interessiert, weil Filme gemacht werden, aber ich kann gar nicht sagen, wie oft die Schüler mich aufziehen und ich sage: „Mann, außerhalb dieses Klassenzimmers halten mich die Leute für cool“, und sie sagen: „Nein, nein, das ist nicht möglich, du bist Mathelehrer.“ Es war für mich auch ein Glück, dass mein Erfolg erst Mitte vierzig kam und nicht in meinen Zwanzigern – ich glaube, in den Zwanzigern hätte ich weniger gut damit umgehen können.

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Stephen Graham Jones und ich hatten ein Gespräch darüber, das ich vielleicht irgendwann in einen Newsletter packe: Wir beide hatten in gewisser Weise ähnliche Laufbahnen, haben uns jahrelang abgekämpft, kleine unabhängige Verlage, ohne große Verkaufszahlen. Es wäre wirklich hart, mit Anfang zwanzig einen Riesenerfolg zu landen und dann zu erleben, dass die Leute das die nächsten – wie viele auch immer – Jahre von einem erwarten. „A Head Full of Ghosts“ schlug ein, als ich 44, 45 war. Da denke ich: „Oh, das muss ich ja nur noch 20 Jahre durchhalten.“

Es gibt manchmal Figuren – wie diese eine Person mit dem „M“ –, die wie eine ständige Erinnerung wirken, den Kopf nicht zu hoch zu tragen, weil selbst erfolgreiche Menschen scheitern können.

Hundertprozentig, besonders bei allem rund um Kunst und Unterhaltung. Leser und Publikum sind so wankelmütig, das kann sich von einem Moment auf den anderen ändern. Man sollte dankbar sein, aber ehrlich gesagt versuche ich vor allem, mich auf das Buch oder die Geschichte zu konzentrieren, an der ich gerade arbeite, und sie so gut wie möglich zu machen.

Es gibt eine Kurzgeschichte – ich glaube, sie ist in „Growing Things“ –, in der sich ein Autor das Leben nimmt und seine Art Fluch an andere weitergibt. Ich fand das sehr komisch, weil zwischen den beiden Autoren so etwas wie eine Rivalität besteht. Es zeigt, dass die ganze Eitelkeit sehr lustig sein kann.

Absolut. Man muss über sich selbst lachen können. Nimm deine Arbeit bis zu einem gewissen Grad ernst, dich selbst aber weniger. Mein Stoff geht ja an einige dunkle Orte, und wenn Humor die Reaktion ist, finde ich das eine völlig legitime Reaktion.

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