Bruce Springsteen performt mit Bono und Patti Smith

Springsteen wurde von Bono mit dem Harry-Belafonte-Voices-for-Social-Justice-Award ausgezeichnet.

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Als Bono am 13. Juni das BMCC Tribeca Performing Arts Center in New York betrat, um Bruce Springsteen den Harry-Belafonte-Voices-for-Social-Justice-Award zu überreichen, begann er seine Rede mit einem Sprung zurück ins Jahr 1975. Er war damals 15.

„Ich war auf dem besten Weg, richtig gut darin zu werden, nichts zu taugen – aber dann veröffentlichte Bruce Springsteen im August ,Born to Run‘, und ein Teil von mir hörte auf zu rennen“, sagte Bono, der zuvor von Jane Rosenthal und Robert De Niro vorgestellt worden war. „Im November brachte Patti Smith ,Horses‘ raus. Wow. Im Februar darauf sah ich Robert De Niro als Travis Bickle in „Taxi Driver“. Das haut mich bis heute um.“

Springsteens Weg in Bonos Orbit begann, als er 1987 bei einem Philadelphia-Konzert der „Joshua Tree“-Tour zu U2 auf die Bühne kam und gemeinsam „Stand By Me“ spielte. Der Beginn einer engen Freundschaft: Bono nahm Springsteen 1999 in die Rock and Roll Hall of Fame auf, Bruce revanchierte sich 2005, beide tauchten immer wieder bei den Konzerten des jeweils anderen auf – und nun diese Auszeichnung vor ausverkauftem Haus beim Tribeca Film Festival.

Bono über Amerika

„Amerikanische Musik ließ die Freiheit in Europa, Afrika und Asien läuten“, sagte Bono. „Ray Charles war Amerika, Johnny Cash war Amerika, Aretha Franklin war Amerika, Harry Belafonte war Amerika. Bruce Springsteen ist Amerika. Bruce hat aus den Stimmen der Menschen Poesie gemacht und diese Poesie vertont. Wir ehren ihn heute Abend als Musiker und Dichter, als Aktivisten und Patrioten.“

Er erklärte weiter, dass Bruce nie den Weg von Leuten wie Mick Jagger, David Bowie, Bob Dylan oder John Lennon gegangen sei und eine Filmrolle übernommen habe. „Wir ehren ihn als Songster, der die ganze Zeit auch Kino gemacht hat“, sagte er. „Hört mir kurz zu. ‚Screen door slams/Mary’s dress sways‘, ‚Men walking along the railroad tracks/Going someplace and there’s no going back/Highway patrol choppers coming up over the ridge/Hot soup on a campfire under the bridge‘ – Establishing Shots. ‚I saw her standing on her front lawn, just a twirlin‘ her baton/Me and her went for a ride, sir/And ten innocent people died.‘ Das ist der Einstieg von ,Nebraska‘, aber das ist Terrence Malick. Eine durch und durch kinematografische Figur.“

Diese durch und durch kinematografische Figur betrat die Bühne unter lautem „Bruuuuce“-Gebrüll und setzte sich neben Bono für ein kurzes Gespräch, das das Vermächtnis von Harry Belafonte, die gegenseitigen Lektionen und die angespannte politische Lage in Amerika streifte. Gleich zu Beginn fragte Bono ihn, wie das Land wieder zueinanderfinden könne.

Springsteen über Spaltung

„So eine spaltende Zeit habe ich 1968 oder den späten Sechzigern nicht mehr erlebt“, sagte Springsteen. „Amerika ist, wie ich auf Tour gesagt habe, ein heiliger Streit. Es geht nicht darum, dass die Menschen immer einer Meinung sein sollen – das Land wurde im Dissens geboren. Es ist ein ,sacred argument‘, das man jeden Tag mit seinen Mitbürgern und seinen Repräsentanten führen soll. Das ist einfach ein Teil des Landes, der im Land selbst verankert ist. Der Schlüssel dazu ist, diesen Streit zu führen und dabei die gemeinsame Menschlichkeit und Würde des anderen anzuerkennen – und genau daran mangelt es gerade, offensichtlich von der Spitze unserer Regierung abwärts.“

Später erinnerte Bono an seinen Versuch, Springsteen im Rahmen seiner (RED)-Kampagne dazu zu bewegen, seinen Song „Girls in Their Summer Clothes“ von 2007 in einer Gap-Werbung zu platzieren. Springsteen lehnte damals ab – bereut es aber bis heute. „Das war ein großer Fehler“, sagte Springsteen. „Ich hätte Ja sagen sollen. Man hat diese Songs, die zu persönlichen Lieblingsstücken geworden sind, aber dem Publikum sind sie egal. Das ist einer davon. Ich liebe diesen Song. Verdammt, ich denke immer noch daran zurück: ‚Bono hat mich gefragt, ob ich den in einen Fernsehspot geben soll. Ich hätte das verdammt nochmal machen sollen. Die Leute hätten ihn wie einen Hit wahrgenommen.‘ Ich muss mich entschuldigen.“

Patti Smith und ihr Auftritt

Nachdem das Gespräch beendet war, kam Patti Smith mit ihrem langjährigen Bandmitglied Tony Shanahan auf die Bühne. „Tony und ich möchten Bruce gratulieren“, sagte sie. „Außerdem einen Gruß an das Tribeca Film Festival und an das Vermächtnis von Harry Belafonte. Der herzzerreißendste Preis, den Krieg, Krankheit, Gier und Bigotterie fordern – all diese Dinge –, der größte Preis wird von den Kindern bezahlt. Wir möchten diesen Song anbieten und ihn den Kindern weltweit widmen. Und vielleicht wird ihr Leid in eine Art Freude verwandelt.“

Während Bono und Springsteen von der Seite der Bühne zusahen, spielten sie Smiths Song „Peaceable Kingdom“ aus dem Jahr 2004. Viele im Publikum hatten danach mit „Because the Night“ gerechnet – schließlich hatte Springsteen den Song 1977 größtenteils geschrieben, Patti Smith ihn fertiggestellt, 1978 zu einem Hit gemacht, und die beiden haben ihn über die Jahre viele Male gemeinsam gespielt; auch Bono hat ihn schon mit Springsteen gesungen. Stattdessen entschieden sie sich für „People Have the Power“. Bono stand zunächst abseits der Bühne und schien keine Pläne zu haben, dazuzustoßen – doch Smith rief ihn zurück. Es dauerte nicht lange, bis ein Techniker herbeieilte und ihm ein Mikrofon in die Hand drückte.

Finales Solo von Springsteen

Die Show endete mit Springsteen allein auf der Bühne, eine Akustikgitarre in der Hand. „Ich werde das für die wunderbare Pam Belafonte singen“, sagte er, „und für meine wunderbare Frau.“ Was folgte, war eine langsame, zärtliche Version von „Land of Hope and Dreams“. Springsteen hatte den Song 1999 in einer weit friedlicheren Weltlage geschrieben, doch er ist inmitten der Turbulenzen des 21. Jahrhunderts zur Hymne des Optimismus und der Inspiration geworden. Ein perfekter Abschluss.

Andy Greene schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil

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