Bob Marley im Interview (1980)


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Vergleicht man Deine letzten beiden Platten, so ist es erstaunlich, wie sehr sich SURVIVAL vom textlichen Inhalt her von KAYA unterscheidet. SURVIVAL wirkt erheblich aggressiver, militanter… Du nimmt hier vorwiegend zur untragbaren politischen Realität in Schwarzafrika Stellung…

Bob Marley: Wut und Aggression kannst Du nicht ausschließlich zu Deinem Thema machen. KAYA, das war ein ruhiges, entspanntes Album mit melancholischen Balladen und Liebesliedern…

Ein Produkt jedoch, das auf einen weißen Markt zugeschnitten zu sein schien.

Bob Marley: Oh nein. KAYA gehörte 1978 zu den bestverkauften Platten in Jamaica. Weißt Du, wenn ich ins Studio gehe, dann überlege ich mir nicht vorher, wie Babylons Kritiker auf mein Werk reagieren werden. Ich schreibe meine Songs für alle, denn Musik, das ist für mich das einzige völkerverbindende Medium, das keine Grenzen und keine Sprachbarrieren kennt.

Trotzdem gibt es viele, die Dich schon nahezu abgeschrieben haben, die Dir vorwerfen, kommerziell geworden zu sein, deine roots zu vernachlässigen!?

Bob Marley (lachend): Mohn, wenn mir einer Vorwürfe macht, wenn man versucht, mir die Richtung, in die ich zu arbeiten gedenke, vorzuschreiben, dann bin ich doch nicht mehr mein eigener Herr. Ich bin frei, verstehst Du? Als ich Anfang der 60er Jahie in Coxone Dodd’s Studio One meine ersten Aufnahmen machte, da gab es keine Kritiker, die versucht waren, meine Musik zu kategorisieren.

Heutzutage entstehen Deine Platten alle im hauseigenen Studio in Kingston?

Bob Marley: Das ist richtig, unser Tuff Gong Studio haben wir Ende letzten Jahres fertiggestellt. Wir haben da mit Errol Brown einen jungen, ambitionierten Nachwuchs-Engineer und auch Alex Sadkin, der normalerweise in Miamis Criteria-Studio arbeitet, hilft gelegentlich aus.

Um noch einmal auf SURVIVAL zurückzukommen; hat Dich Deine letzt jährige Afrika-Tournee nicht auch zum Schreiben dieser Texte inspiriert?

Bob Marley: Sicherlich hatte mein Besuch im gelobten Land erheblichen Einfluß auf die Thematik der Platte. Im Rahmen dieser Tour haben wir übrigens Nigeria, Zimbabwe und Äthiopien kennengelernt.

Du hattest Dich ja zuvor jahrelang bemüht, ein Visum für diese Länder zu erhalten…

Bob Marley: Yeah, die haben sich viel Zeit damit gelassen.

Fiel Euer Besuch denn so aus, wie Du ihn Dir vorgestellt hattest?

Bob Marley: Es war… mehr als ich erwartet hatte. Afrika ist für unsere Musik ein riesengroßer, noch unerschlossener Markt!

Glaubst Du eigentlich, daß man hierzulande die Rasta-ldeologie lediglich als einen exotischen Verkaufs-Gimmick vermarktet hat?

Bob Marley: In diesem Geschäft ist so vieles künstlich und übertrieben, für alles und jeden muß es ein Verkaufsargument, ein Etikett geben, aber unsere Identität, Rasta, ein billiger Gimmick…Nein! Rasta ist die Realität, mohn. Und wenn ich das nicht beweisen kann, dann wird das im Laufe der Zeit ein Anderer tun, weil es die einzige Wahrheit ist, mehr kann ich dazu nicht sagen.

Bemüht sich die gegenwärtige Regierung, Manleys PNP (Peoples National Party) eigentlich, die Rasta-Bewegung zu unterstützen?

Bob Marley: Kaum. Die Regierung verfolgt seit Jahren einen sozialistischen, an Kuba angelehnten Kurs. Wir können uns damit genau so wenig solidarisieren, wie mit der Pro-Amerika-Politik der Opposition. Es gibt überhaupt nur eine denkbare Lösung: The Rasta-Government! Ein Staatsoberhaupt, das Haile Selassies Konstitutionen vorbehaltlos anerkennt. Ja, eine Rasta-Regierung wie in Äthiopien, bevor die Sowjets das Horn von Afrika unter wirtschaftliche und militärische Abhängigkeit brachten.

Du warst vor geraumer Zeit ja selbst einmal Opfer eines Attentats…

Bob Marley: Yeah, so was kann schon mal vorkommen. Wäre ich es nicht gewesen, dann hätte es eben einen meiner Brüder getroffen…

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