ESC: Ließ Putin Mariupol bombardieren wegen eines Aufrufs von Kalusha Orchestra?


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Nach dem rauschenden Erfolg beim Eurovision Song Contest (ESC) in Turin richtete die siegreiche Band Kalusha Orchestra einen emotionalen Aufruf ans Millionenpublikum: „Eine Bitte an euch alle: Helft der Ukraine, Mariupol und den Menschen im Asow-Stahlwerk!“, sagte Sänger Oleh Psjuk. Eine eindringliche Note der Solidarität im normalerweise unpolitischen Euro-Musikwettstreit.

Nun haben die russischen Angreifer das riesige Industriegelände offenbar mit Phosphorbomben beschossen. Auf dem Nachrichtenkanal Telegram schrieb der örtliche Stadtrat Petro Andrjuschtschenko am Sonntag: „Die Hölle ist auf die Erde gekommen. Zu Azovstal“. Phosphorbomben, die auch im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurden, entzünden sich im Kontakt mit Sauerstoff und sind nur schwer zu löschen. Ihr Einsatz hat eine verheerende Wirkung und ist nach dem Genfer Kriegswaffen-Übereinkommen geächtet.

Der ukrainische Geheimdienst hat dazu Auszüge eines abgehörten Telefonats unter russischen Soldaten veröffentlicht. „Phosphorbomben, Streumunition – sie haben uns erlaubt, alles zu verwenden, was verboten ist“, soll ein Soldat in diesem Telefonat gesagt haben. Der Abgeordnete Andrjuschtschenko veröffentlichte dazu Bilder, die handgeschriebene Botschaften auf Bomben zeigen. Diese beziehen sich direkt auf den ESC-Gewinn der Ukraine. Woher die Aufnahmen stammen, ist bislang unklar.

Auf den Außenhüllen der Bomben ist auf Russisch zu lesen: „Kalusha, wie gewünscht! Auf Azovstal“ und auf Englisch „Help Mariupol – Help Azovstal right now“; mit Verweis auf den 14. Mai. Eine perfide Antwort auf den Turin-Appell.

Diverse Telegram-Hasskommentare begrüßen die Phosphorbomben als „kleinen Gruß“ zum ESC-Sieg. Dieser wurde in russische Medien zwar gemeldet, anders als in den Jahren zuvor zeigte das Staatsfernsehen die internationale Show aber nicht. Wegen des Angriffskriegs ist Russland vom ESC ausgeschlossen.

Wie es mit Oleh Psjuk und seiner Crew nun weitergeht, ist unklar. Der Sänger feiert heute seinen 28. Geburtstag und wird in die Ukraine zurückfahren. Ob er in die Armee eingezogen wird, ist noch unklar. Von ihm nur so viel: „Wir sind bereit, so viel zu kämpfen wie wir können, und bis zum Ende zu gehen“.