Folge 5: Dry The River. Der Reiz des Überbordenden

Lieber grandios scheitern als ungehört untergehen. Etwas in der Art müssen sich Pete Liddle, Matt Taylor, Scott Miller, Will Harvey und Jon Warren gedacht haben, als es darum ging, ihr erstes Album aufzunehmen. Die Briten mit dem wunderbar mystischen Bandnamen Dry The River liefern mit „Shallow Bed“ ein überschwängliches Debüt, das erstaunlich unbritisch, sogar stellenweise sehr amerikanisch klingt.

Wie eine Mischung aus den pastoralen Folkklängen der Fleet Foxes und dem zerbrechlichen Gewimmer von Antony Hegarty, den zurzeit so ziemlich jeder stimmlich gesegnete Indie-Sänger nachahmt. Aber Dry The River geben dieser vermeintlich müden Mischung einen bombastischen Anstrich, indem sie ihre anfangs leicht galoppierenden Songs gen Ende unter zentnerschwerem Pathos begraben, was wiederum oft an Arcade Fire erinnert. Und genau darin liegt der Reiz, im Zuviel, im Überbordenden und dem Gefühl, das man beim Hören dieser Musik verspürt. Ob die Songs der Band Dry The River noch knapp geschmackssicher sind oder emotional trash – diese Frage ist hier ausnahmsweise mal egal.

Mit leicht rauer, belegter Stimme, weil er selbige ständig in irrlichternde Höhen zwingt, erzählt Sänger Pete Liddle von dem Gefühl, das er hatte, als die Plattenfirma das Geld für die Aufnahmen von „Shallow Bed“ vorschoss: „Der erste Morgen, an dem ich aufwachte und nicht mehr zur Arbeit gehen musste, war das Tollste daran.“ Bis dahin hatte er gejobbt, um sich sein Studium der Medizin und Anthropologie zu finanzieren. Ein paar Jahre hatte Liddle die Musik sogar komplett an den Nagel gehängt und sich ganz der Alma Mater verschrieben. Doch 2009 bahnte sich der musikalische Erfolg mit Dry The River an, als die Band ihre „The Cambers & Valves EP“ ins Netz stellte, was ihnen zahlreiche Downloads und Support-Gigs für Plan B und die Magic Numbers einbrachte. Zu diesem Zeitpunkt teilten sich die fünf Musiker bereits ein Haus in Stratford im Londoner Osten.

Liddle hatte vorher in einigen Punk- und Hardcore-Bands gespielt und wollte es nun auf jeden Fall ruhiger angehen lassen. „Irgendwas im Stil von Bon Iver schwebte mit vor.“ Da auch die anderen Mitglieder keine musikalischen Leisetreter waren, musste Liddles Vorstellung jedoch einem imposanteren Sound weichen. „Als wir begannen, unsere Songs zu spielen, machte jeder zu viel. Daraus entstand dann eine Art laute Folkmusik“, erklärt Bassist Miller. Also ließen Dry The River dem, was sie nicht bändigen konnten, einfach freien Lauf, spielten im vorigen Jahr über 130 Konzerte und begannen wie eine richtige Live-Band zu denken. „Seit wir auf Tour sind, haben wir den Anspruch, Songs zu schreiben, die sich eindrucksvoll auf die Bühne bringen lassen“, sagt Liddle. Das klingt, als hätten sie schon die ganz großen Stadionshows im Hinterkopf, was natürlich mit bescheidener Newcomer-Geste beiseitegewischt wird: „Es läuft gerade alles so perfekt, dass wir keinen Gedanken daran verschwenden, was in ein paar Jahren sein wird.“

Gut möglich, dass Dry The River schon bald ziemlich nerven, aber im Moment ist ihre Musik mitreißend und ansteckend. Nach solch magischen Momenten lechzt der Popkonsument, nach der einen unverbrauchten Phase, bevor vielleicht schon der Ausverkauf einsetzt.

>>>> Die Single „The Chambers And The Valves“ im Stream

Hier kann man die Band in Kürze live sehen:

27.02.2012 Hamburg, Prinzenbar / Ticketpreis: 13.- zzgl. Gebühren / VVK: ab sofort / Veranstalter: FKP Scorpio)

Weitere Shows in den darauf folgenden Monaten sind in Vorbereitung.

Wir stellen Dry The River in unserem Artist To Watch Special: 12 für 2012 vor. Hier finden Sie die bisherigen Folgen:


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