Interview: „In Zungen reden“ mit Tom Waits. Neuer Clip zu „Satisfied“


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Für unsere Novemberausgabe traf sich unser Autor Jörn Schlüter mit Bad As Me„, Surrealität und Captain Beefheart. Das gesamte Interview finden Sie in der Ausgabe 205, die es ab dem 27. Oktober am Kiosk gibt. Hier zunächst der neue Clip:

Oft sagen Sie, Sie würden mit Ihrer Musik „in Zungen reden“. Was bedeutet das?

Ich bin früher viel in Kirchen gewesen, in denen die Leute in Zungen gesungen haben, total seltsam. Aber ich glaube an so etwas; es ist wie der Anfang der Sprache. Wenn ich Songs schreibe, versuche ich mich zu überlisten und an so einen Ort zu kommen – man darf nicht nachdenken, sonst wird es nichts. Auf er anderen Seite lasse ich mir heute mehr Zeit beim Schreiben und überlege genauer.

Auf Ihrem neuen Album verarbeiten Sie viele Stile: Blues, R&B, Rockabilly, Swing. Aber Sie überspitzen und verzerren sie wie ein surrealer Maler seine Motive. Ist das ein passender Begriff, surreal?

Ich hoffe doch. Was du bei mir hörst, ist nie das eigentliche Ding – eher eine Art performance piece. Ich nehme die Sache aus ihrem normalen Kontext und stelle sie in einen anderen. So als würden wir diesen Tisch hier ins Museum stellen, dann wird er viel wichtiger, als er eigentlich ist. Er bedeutet wieder etwas.

Ihre Lyrics lesen sich manchmal wie Gedichte – auch auf diesem Album erinnert mich einiges  an Charles Bukowski, der Sie zu Beginn Ihrer Karriere beeinflusst hat. Haben Sie ihn jemals getroffen?

Das war Jahre später. Es war nicht so toll, wie ich es mir vielleicht vorgestellt hatte – ich saß mit meiner Frau und ihm an einem Tisch und wir tranken sehr starken Wein, oh Mann. Sie wollten damals, dass ich die Hauptrolle in „Barfly“ (Anm. d. Red.: Kinofilm von 1984 mit Motiven aus Bukowskis Leben) spiele. Aber ich hatte so einen Wirbel um mein Trinkproblem gemacht, es war irgendwie nicht richtig… Ich habe abgelehnt.

Ein anderes  Ihrer Vorbilder ist im letzten Jahr gestorben: Don Glen Van Vliet alias Captain Beefheart.

Ja, das ist seltsam… Ich vermisse ihn und unsere Gespräche sehr. Ich war bis zum Schluss mit ihm in Kontakt, wir haben regelmäßig telefoniert. Er war wegen seiner Krankheit sehr schwer zu verstehen – auch das Malen wurde immer schwieriger, aber er ist bis zum Ende drangeblieben.

Waren Sie so eng befreundet, dass er Ihre Nähe suchte?

Nein, es war andersherum. Ich bat um Erlaubnis, hin und wieder anrufen zu dürfen. Er war ein Lehrer für mich, wie ein Grundstein in meinem Leben. Ist schwer zu beschreiben, was er mir bedeutet – so einen wie ihn gibt es nur einmal. Jetzt ist er weg und kommt nicht zurück.