Miss Thompson: Ein kurzes, heftiges Treffen mit Al Pacino


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Gleich kommt Al Pacino. Wir sind nur wegen ihm in diese kaputte Gegend in Downtown L. A. gefahren. Aber da Al heute fast 30 Jahre „Scarface“ feiert, machen wir eine Ausnahme.

Kurze Erinnerung an Tony Montana:  Al spielt einen Exil-Kubaner in Miami, der eine Karriere als Drogenboss hinlegt und seinen Kopf täglich in Kokain-Bergen in der Höhe des Matterhorns versenkt. Er stirbt am Schluss in Jesus-Pose im Maschinengewehr-Feuer, so wie es bei Al sein muss.

Schweinwerfer an, alle anderen bitte vom Teppich. Al kommt. Alle wollen mit ihm sprechen: Kinder, Junge, Alte, Journalisten, die Hardcore-Fans und das mexikanische Fernsehen auch. Über die Narco-Probleme im Land. Vielleicht hat Tony Montana aus Kuba ja einer Lösung.

Al strahlt, seine Zähne sind top, seine Haut ist getönt wie die von Jean-Paul Belmondo. Al führt uns heute seinen „Ich bin 71 Jahre!“-Rebellen-Look vor. Das bedeutet: Schwarz. Jackett, Hose, Flatterhemd, alles schwarz. Und das Stirnband ist wichtig. Al steht jetzt direkt vor mir. Seine Fingernägel sind ein bisschen gelb. Ich kann nicht sagen, woher es kommt. Es ist kein Nail Polish. Als Augen sind jung. Sie altern nicht mit. Sie sind fast jungfräulich.

Er gibt mir seine Hand. Sie ist klein, hart und gut trainiert.

Es ist wahnsinnig toll, so einem Narco-Chef-Darsteller die Hand zu geben und direkt von den blitzweißen Zähnen angestrahlt zu werden. Kein Vergleich mit jungen Vampiren. Ich würde Al gerne sagen, dass er den Narco-Glam erfunden hat. Diesen Look mit dem dazugehörigen Blick, in einem billigen Anzug soviel besser rüberzukommen als in einem maßgeschneiderten Monster. Don Johnson muss Al für immer dankbar sein. Aber was ist das heute Abend? Ein Outfit aus „König der Löwen“? Irgendwie muss ich daran denken. Oder geht es jetzt ab 70 zwangsläufig bei allen in eine Keith Richards/“Pirates of the Caribbean“-Richtung? Al, ist das eine gute Idee? Als Zähne lachen, da ist keine Störung in dem Falten-Gesicht zu erkennen, das ist so ein wahnsinniges Vergnügen.

Al Pacino ist wie ein altes Kraftwerk unter den Hollywoodstars. Man kann ihn nicht entsorgen, es geht nicht. Es darf nicht sein. Er soll für immer bleiben und seinen Kopf noch sooft wie möglich in einen Kokainberg stecken.

„Scarface“ erscheint am 08. September auf Blu-ray.

 

Scarface – das dramatische Ende von Clipfish