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Paul Buchanan im Interview: Die Stille im halb vollen Glas

Demut und Geduld: zwei zentrale Worte in der Geschichte von Paul Buchanan. Mit The Blue Nile hat er in 30 Jahren vier Alben veröffentlicht und darüber kaum Worte gemacht – das ist das Thema der schottischen Band, manchmal wurde es fast wichtiger als die Musik. Die langatmige Veröffentlichungspolitik und das bescheidene Schweigen haben Buchanan eine besondere Aura verliehen; wir sehen den Sänger und Liedschreiber als weisen Mann, den das Musikbusiness nicht verärgern kann.

Nicht mehr, entgegnet Buchanan. „Ich musste lernen, gelassen zu sein. Wir wollten nicht, dass in unserer Band alles so lange dauert. Doch schon nach dem ersten Album wurden die Dinge schwierig. Es hat nicht so viel Zeit gebraucht, Alben aufzunehmen – es hat so viel Zeit gebraucht, sie nicht aufzunehmen. Wir waren mutig genug nur Musik zu veröffentlichen, hinter der wir stehen konnten.“ In den knappen Sätzen steckt die Geschichte von Blue Nile, in der es oft um Gerichtstermine mit Plattenlabels ging und weniger um Musik. „Natürlich war es hart. Es hat Jahre gegeben, in denen unsere jeweilige Firma uns einfach verboten hat, etwas aufzunehmen. Aber wir wollten nicht jammern. Deshalb sind wir still geworden.“

Still geworden ist es in der Zwischenzeit auch innerhalb der Band. Die letzten Konzerte zu dem Album „High“ (2004) gaben Buchanan und Bassist Robert Bell ohne den Dritten im Bunde, Keyboarder Paul Joseph Moore. „Ehrlich gesagt ist das für uns ein Rätsel“, bekennt Buchanan, „er spricht einfach nicht mehr mit uns. Gut möglich, dass es da einen Streit gegeben hat, dem ich nicht genug Bedeutung beigemessen habe … Ich erinnere mich, ihn nach einem Konzert nach Hause gebracht zu haben – wir packten die Gitarrenkoffer aus, und er sagte, das war’s dann, und ich sagte, ja, das war’s. Dann war er weg, und nach ein paar Jahren dachten wir, hm, er kommt wohl wirklich nicht wieder.“

Buchanan hatte nach eigenem Bekunden danach eine schwere Zeit, wusste nicht, wohin mit sich und seiner entschleunigten Karriere. Erst eine Auftragsarbeit für Shirley Mansons unveröffentlichtes Soloalbum brachte den neuen Impuls: Buchanan flüsterte Liedskizzen in sein Diktaphon, die für die Garbage-Sängerin nicht zu gebrauchen waren. „Es war so ein Rechte-linke-Seite-des-Gehirns-Ding: „Obwohl ich etwas anderes vorhatte, kamen diese Lieder einfach heraus.“

Nun auch auf Schallplatte. Buchanan verarbeitet auf „Mid Air“ den Tod eines engen Freundes und singt meist nur zum Klavier betont kurze, betont introspektive Lieder, deren Stille gleichzeitig verstört und tröstet. „Ich habe bislang doch nur ungefähr 15 Jahre verloren“, witzelt Buchanan. „Man bekommt im Leben eine bestimmte Menge kreativen Saft, der irgendwann aufgebraucht ist. Ich bin froh, dass ich noch genug von diesem Saft habe – besser so, als alles auf einmal – und mit 32 ist Schluss. Es geht nie um den Anschein der Dinge, sondern immer darum, was du zurücklässt und was du Neues schaffst.“ So spricht der weise Mann.

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