Richard Neuberg

„The Vine“

RICHARD NEUBERG (VÖ: 29.05.2026)

Melancholiesatt und doch noch lebenshungrig

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Justin Vernon hat einer Emma ein musikalisches Denkmal gesetzt. Auch wenn er darauf beharrte, hinter dem Bon-Iver-Debüt stecke keine reale Person (also nicht der Middle Name seiner Ex), sondern ein Ort (an dem man feststeckt) oder ein Schmerz (den man nicht tilgen kann). Ihre Namensvetterin hier gibt es auf jeden Fall. Emma Neuberg hat nicht nur das Artwork für diese Platte gemacht, sondern ist in ihrer gemeinsamen Geschichte immer wieder Bezugspunkt der 11 Songs, wenn auch selten so explizit wie in „Saltwater“, da ihr Mann Richard gesteht: „When you’re gone, I can’t tell the soil from the sawdust …“

Doch neben dem, der profan aus der Säge zur Erde fällt, geht es hier auch um Sternenstaub. Wie sagte Artemis-Astronautin Christina Koch: Es sei erst diese ganze Schwärze drum herum, die die Schönheit der Erde „noch kostbarer“ macht. Wobei Richard Neuberg schon klar sieht, dass manche Dunkelheit einfach das ist: verdammt dunkel, und nicht in jeder irgendwo ein Lichtlein stecken kann. Aber der Ex-Viarosa-Sänger („Where The Killers Run“, 2005) will einfach dran glauben – etwa wenn er im dramatisch wogenden „Crow Needs The Pine“ vergangene und doch noch so präsente Geister bannen will, die einer Liebe im Wege stehen.

Allein seine Stimme, ein weicher, sanft bebender Bariton, könnte diese melancholiesatten und doch so lebenshungrigen Songs tragen. Aber er lässt sie und seine Gitarre – meist fingergepickte Nylonsaiten, auch mal E-Sounds am Rande des Feedbacks – in Streichern baden. Wenn die richtig ins Tanzen kommen, dann geht der Protagonist auch gern mal ein bisschen unter und singt nur noch wortlos dagegen an. Aber gut, das Stück heißt „The Fever“. Da muss man manchmal durch, um das Leben hinterher preisen zu können.