The Breakfast Club: Ein überall auf der Welt verständliches Kammerspiel

Ein Streber, ein Sportler, eine Prinzessin, eine Außenseiterin und ein Freak: Das sind die Mitglieder des Frühstücksclubs, die an einem Samstag beim Nachsitzen an ihrer High School zusammengeführt werden. Der Schuldirektor Richard Vernon, ein rechter Stinkstiefel, beaufsichtigt den Sprengel – jeder Schüler soll einen Aufsatz über sich selbst schreiben. Merkwürdigerweise erscheinen alle pünktlich zum Nachsitzen, auch der Rebell John (Judd Nelson) und das dysfunktionale Gruft-Mädchen Allison (Ally Sheedy).

Die Gründe, weshalb diese höchstmöglich verschiedenen Jugendlichen bestraft werden, erfährt der Zuschauer erst im Verlauf der Handlung – da geht es ihm wie den Schülern selbst, die fast nichts über die anderen wissen (obwohl alle im selben Alter sind). Der Aufsatz, den sie nicht schreiben, ist die Pointe des Films – und wird deshalb bis zum Schluss außer Acht gelassen.

Das Ich, die Eltern und die Gesellschaft

John Hughes, der das Drehbuch schrieb und den Film inszenierte und produzierte, konzentriert das Geschehen auf die Bibliothek und die langen Gänge – die in Des Plaines, Illinois in der Turnhalle einer geschlossenen Schule gebaut wurden, sozusagen als Replik der Glenrock High School, die der Regisseur selbst bis Ende der 60er-Jahre besuchte.

Eine abstrakte Plastik steht im Zentrum, frühe Computer sind an der Seite zu sehen – der offene, helle Raum verströmt das freundliche Klima einer progressiven Stadtbücherei. Die Probleme der Adoleszenz aber sind dieselben wie zur Zeit von „… denn sie wissen nicht, was sie tun“: das Ich, die Eltern und die Gesellschaft.

Und Hughes lässt die Konflikte aufeinanderprallen wie in einem Stück von Tennessee Williams: Der Ringer Andrew (Emilio Estevez) will seinem Vater gefallen, die Zimtzicke Claire leidet unter Anpassungszwang, der Stubenhocker (heute würde man „Nerd“ sagen) Brian (Anthony Michael Hall) genügt den eigenen Ansprüchen nicht, und John und Allison sind verhaltensauffällige Einzelgänger.

Judd Nelson gibt den Rüpel zwischen John Cale und Alice Cooper mit großen Nasenlöchern und Provokationen aus dem Pubertätskatalog. „Wo ist dein Essen?“, fragt Claire, worauf er entgegnet: „Unter deiner Bluse.“ – „Du bist zum Kotzen.“ Natürlich ist der Musterschüler Brian das Opfer, natürlich isst der aufgeräumte Andrew lauter gesundes Zeug, natürlich bestreut die komische Allison die Brotscheiben mit Zucker und wirft die Wurst gegen die Skulptur. Und natürlich holt John irgendwann Marihuana aus dem Spind, auf dass sich die Zungen lockern.

Arme Würstchen, die auf die Identität hereingefallen sind

Der Lehrer Vernon („Ich mach‘ über 30.000 Dollar im Jahr“) ist eine Schießbudenfigur aus einer Pennälerklamotte: cholerisch, spießig, borniert, er hinkt und verschüttet seinen Kaffee aus der Thermoskanne; an der Wand seines Büros hängt ein Pin-up-Kalender. „Du bist ein verlogener Sack voll Scheiße“, brüllt er John an. „Irgenwann hast du gemerkt, dass es viel Arbeit ist“, sagt der gelassene Hausmeister Carl (John Kapelos), bei dem er sich über „die kleinen Ratten“ beklagt. Carl sieht die Jahrgänge kommen und gehen; er weiß, dass die Schüler sich nicht ändern – es ist nur so, dass die Lehrer älter werden.



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