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„Tusk“ von Fleetwood Mac: Weniger als die Summe der einzelnen Teile


Fleetwood Mac

Deluxe Editionen: „Fleetwood Mac“, „Rumours“, „Tusk“

aus ROLLING STONE 5/2004

von Franz Schöler

Mitte bis Ende der Siebziger definierten Buckingham, Nicks und Co. den Mainstream der Popmusik. Was die Band desselben Namens, aber in permanent anderen Besetzungen nach dem Meisterwerk „Then Play On“ und Jeremy Spencers charmanter Oldies-Revue „Kiln House“ ablieferte, war ein ganz schwaches Bild. Wer damals darauf wettete, dass Fleetwood Mac jemals zurückkommen würden, den hätte man glatt für verrückt erklären müssen. Aber einmal mit neuen Freunden ins Hotel California eingemietet, nahmen sie in gerade mal zehn Tagen nach der Klausur ein Album auf, das Mainstream ganz anders definierte als die Eagles.

Für eine kleine Weile waren die Songs von „Fleetwood Mac“ (vier Sterne der Single-Versionen als Zugabe wegen!) und mehr noch die Stücke von „Rumours“ (4,5) beinahe die beste Volksmusik auf dem ganzen Planeten. „Rumours“ hatte in etwa die Klasse der letzten Song-Kollektion mit Peter Green, aber genauso wie der durch Acid in seiner Persönlichkeit zerstörte Gitarrist sollte diese Besetzung den Triumph nie wiederholen.

Die Frage „Will success spoil Fleetwood Mac?“ beantwortete die Doppel-LP „Tusk“ (3,5). Für die hatten sie, jeder für sich und gegen alle und ohne Rücksicht auf Band-Identität, noch mal ein paar prima Songs komponiert. Aber noch mal zu einsamer Größe aufgeschwungen wie drei Jahre zuvor Led Zeppelin mit „Physical Graffiti“ haben sie sich nicht. Frivol, aber nicht ganz falsch ist der Vergleich mit dem „Weißen Album“ der Beatles. Nur stifteten überragende Einzelleistungen von Lennon, McCartney und Harrison auf letzterem halt besagte Identität, die sich auf dem oft durchaus brillanten Patchwork namens „Tusk“ doch nicht einstellen wollte.

Wie die Session-Outtakes, Demos und Roh-Abmischungen auf der Bonus-CD zu Gehör bringen, musste man hier wie dort an den Urfassungen immer neue Veränderungen und einiges an Feinpolitur vornehmen. Am Ende zerfiel selten ein Album in so viele „schöne Momente“ (und ein paar ehrgeizig missratene und fade) wie „Tusk“.



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