Video: Die letzten blutigen Minuten im Leben des Ian Watkins
Neue Details im Fall Ian Watkins: Überwachungsvideos und Zeugenaussagen belasten die Angeklagten im Mordprozess um den Ex-Lostprophets-Sänger.
Im Mordprozess um den Tod des früheren Lostprophets-Sängers Ian Watkins sind neue Details zu dem Angriff im Hochsicherheitsgefängnis HMP Wakefield bekannt geworden. Vor Gericht gezeigte Überwachungsaufnahmen sollen den Musiker kurz nach der Tat zeigen – blutüberströmt und mit sichtbaren Verletzungen am Hals. Das Video gibt es hier.
Watkins, der wegen schwerer Sexualstraftaten an Kindern eine 29-jährige Haftstrafe verbüßte, war am 11. Oktober vergangenen Jahres in seiner Zelle angegriffen worden. Laut Staatsanwaltschaft soll der Mithäftling Rico Gedel den ehemaligen Rockmusiker am Morgen nach dem Aufschluss der Zellen mit einer improvisierten Waffe attackiert haben. Die Anklage spricht von mehreren Stichen in Kopf- und Halsbereich.
Vor den Geschworenen am Leeds Crown Court wurde geschildert, dass Gedel weniger als 20 Minuten nach Öffnung der Zellen den Haftraum von Watkins betreten habe. Die eigentliche Attacke habe nur rund 20 Sekunden gedauert. Anschließend soll Gedel die Tatwaffe an den Mitgefangenen Samuel Dodsworth weitergegeben haben, der sie laut Anklage entsorgte.
Auf den CCTV-Bildern ist Watkins offenbar zu sehen, wie er seine Hand an den Hals hält und taumelnd aus der Zelle kommt. Zwei Handwerker, die zu diesem Zeitpunkt Wartungsarbeiten im Gefängnis ausführten, bemerkten die Verletzungen und alarmierten das Personal. Mehrere Beamte eilten daraufhin zur Zelle des Musikers.
Ermittler gehen von geplanter Tat aus
Die Staatsanwaltschaft beschreibt die Tat als gemeinschaftlich geplant. Gedel und Dodsworth bestreiten sowohl den Mordvorwurf als auch den Besitz der selbstgebauten Stichwaffe. Nach Darstellung der Anklage soll Dodsworth vor dem Angriff als eine Art Beobachter fungiert haben, während Gedel auf einen günstigen Moment wartete, in dem keine Wärter in Sichtweite waren.
Besonders belastend wirken Aussagen über Gedels Verhalten unmittelbar nach der Tat. Laut Staatsanwaltschaft habe er sich auffallend ruhig und beinahe gut gelaunt gezeigt. Als er von Beamten abgeführt wurde und an der Zelle des verletzten Watkins vorbeikam, soll er gesagt haben: „Schlaf gut, Watkins.“
Später erklärte Gedel laut Polizei, er habe sich über sogenannte „Nonce Prisoners“ – ein britischer Gefängnisbegriff für Sexualstraftäter – geärgert, weil diese angeblich bevorzugt behandelt würden. Zudem habe ihn gestört, dass Sexualstraftäter im Wakefield-Gefängnis nicht von anderen Häftlingen getrennt untergebracht seien.
Watkins verlor nach dem Angriff das Bewusstsein und brach auf seinem Bett zusammen. Rettungskräfte versuchten noch, ihn wiederzubeleben, konnten sein Leben jedoch nicht retten. Wenig später wurde er für tot erklärt.
Der Fall sorgt in Großbritannien auch deshalb für Aufmerksamkeit, weil Watkins einst zu den bekanntesten Figuren der britischen Rockszene gehörte. Der Sänger der Band Lostprophets war 2013 wegen zahlreicher Sexualdelikte an Minderjährigen verurteilt worden. Die Schwere der Taten hatte damals international Entsetzen ausgelöst und seine Karriere abrupt beendet.