Wenn Genre-Grenzen schmelzen: Melt! Festival 2015 mit Giorgio Moroder, Nils Frahm u.a.

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Wenn Genre-Grenzen schmelzen: Melt! Festival 2015 mit Giorgio Moroder, Nils Frahm u.a.

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Keine Frage, das Melt! Festival ist auf Liebhaber elektronischer Musik ausgerichtet – auf dem weitläufigen Gelände von Ferropolis, zwischen schweren Schaufelbaggern und Badesee, pumpten auch am vergangenen Wochenende (17. bis 19. Juli) alle paar Meter tiefe Bässe aus den Boxentürmen. Auf der Gemini-Floor-Zeltbühne versammelten sich die Festivalbesucher bis in die Sonnenaufgangsstunden zum kollektiven Rave, wer dann noch nicht genug hatte, konnte auf dem Sleepless Floor runterkommen.

Das Festival in Gräfenhainichen ist nichtsdestotrotz vielseitiger als man annehmen könnte – am Freitag und Samstag zeigten die folgenden Acts, dass sich das Melt! auch am um ein abwechslungsreiches Line-Up bemüht. Typische Genre-Grenzen verschwimmen dann schon einmal.

Giorgio Moroder

Der Electro-Pionier Giorgio Moroder bekam für Samstagabend ein Slot auf der Mainstage – den jungen Zuschauern bereitete die Italo-Disco-Legende sichtlich Kopfzerbrechen. Ein 75-Jähriger DJ, der Snippets von Disco-Schinken wie „Love To Love You Baby“ anspielt, um anschließend bedächtig klatschend und ohne nennenswerten Drop in den nächsten Song überzugehen, lässt sich schwer einordnen. So skurril manchen die Performance erschienen sein mag, dem Abend hat sie nicht geschadet, ganz im Gegenteil: Donna Summer und Co. sorgten für gelockerte Stimmung und Hüften, wovon später auch Kylie Minogue profitieren durfte.

Romano

Ein Zöpfe tragender Enddreißiger in Metalkutte rappt Schlagertexte auf Electrobeats, in seinen Songs geht es um seine schöne Berliner Heimat Köpenick, Popoklatscher und Mädels – für viele sicher eine abschreckende Vorstellung. Wer Romano jedoch eine Chance gibt und sich auf das nicht allzu ernstgemeinte Spektakel einlässt, konnte am Samstag feststellen, dass hinter dem skurrilen Image ein doch recht unterhaltsamer Entertainer steckt.

Nils Frahm

Ein Virtuose am Klavier: Nils Frahm verbindet Elektronik mit klassischen Vertretern wie Tschaikowsky. So hat es der Vertreter der Neo/Post-Klassik geschafft, sich auch außerhalb Deutschlands einen Namen zu machen und Freitagnacht mit sphärischen Klängen auf der Mainstage zu überzeugen.

Damian Lazarus & The Ancient Moons

Noch ein Mann mit (diesmal unechten) Zöpfen: Sonntagabend wirbelte DJ Damian Lazarus eben jene präzise zum Takt, während The Ancient Moons ihn mit Ethno-Live-Gesang, Keyboard-Sounds und Trommelei unterstützten. Das Resultat: Trance-ähnliche Zustände und viele glückliche Gesichter im Publikum.

Mogwai

Soundgewitter am Samstagabend: Die schottischen Post-Rocker von Mogwai hangelten sich bedächtig von sanften Ambientklängen hinüber zu verzerrten Gitarrenwänden, um dann wieder alles in sich zusammenfallen zu lassen – eben wie bei Electro, nur unüberhörbar.

https://www.youtube.com/watch?v=EJMTqfA5PV0

 

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