- 04. September 2012
Festivals
Berlin Festival 2012: Diese Zehn muss man sehen
Die Online-Redaktion mit den Empfehlungen des Hauses für das Berlin Festival. Mit dabei sind zum Beispiel: Grimes, Nicolas Jaar, Daughter, Crookers und die Killers - ja, die auch!
Am Freitag und am Samstag findet auf dem Tempelhofer Flugfeld das Berlin Festival statt, dass wir hier ja schon ausführlich vorgestellt haben. Lesen Sie hier unsere kleine Empfehlungsliste der Online-Redaktion...
Nicolas Jaar Zippo
Encore Stage - Freitag, 21:00 Uhr
Eine bessere Spielzeit hätte man
für den chilenisch-stämmigen und nun in New York lebenden Nicolas
Jaar nicht finden können: Wenn er die Bühne betritt, wird
vermutlich gerade am Ende des Rollfeldes die Sonne untergehen und
Jaars Publikum wird sich lächelnd zu seinen Klängen im Abendlicht
winden. Natürlich ist Jaar schon längst kein Geheimtipp mehr -
spätestens seit seinem Debüt "Space Is Only Noise" hat man ihn auf
dem Zettel. Wer sich mit elektronischer Musik befasst, kennt ihn
natürlich schon ein paar Jahre länger und schätzt ihn wegen seiner
weichen, einzigartigen Klangnote, die sich kaum auf ein Genre
festnageln lässt.
-
Bonaparte
Mainstage - Samstag, 18:00
Uhr
Zugegeben, Bonaparte sind das leichte Mädchen der
Festivalszene. Jeder hatte sie schon. Das Berlin Festival ist nur
eines von vielen. Aber man sollte dennoch einmal seine Schamgefühl
zur Seite schieben, die Gelegenheit ergreifen und sich bei ihnen
richtig gehen lassen. Tobias Jundt und sein exhibizionistisch
veranlagtes Trashpunk-Varieté wissen einfach, wie man es macht. Wo
sie waren, hinterlassen sie eine nassgeschwitzte, zufriedene Menge,
die die Worte "Too Much" nur noch japsen kann. Denn wie ihr neues
Album "Sorry, We're Open" bereits erahnen lässt, sind sie für alles
offen. Und das meinen sie ernst. Seid ihr es auch? Nur keine
falsche Schüchternheit. Es wird gefallen.
-
Of Monsters And Men
Mainstage - Freitag
15:00 Uhr
Man sollte sich den Freitag vorsichtshalber freinehmen:
Sonst verpasst man einige der schönste Acts des Berlin Festivals.
Die Überflieger aus Island zum Beispiel, die mit ihrem folkigen
Lalala-Hit "Little Talks" das Kunststück fertigbrachten, das
Formatradio zu infiltrieren und für einen der raren Lichtblicke in
diesen sonst fürchterlichen Playlists zu sorgen. Of Monsters And
Men eröffnen die Hauptbühne - damit es auch früh voll wird auf dem
Flugfeld Tempelhof. Gemessen an ihrem Erfolg und ihren
sangesfreudigen Konzerten könnte die Rechnung glatt aufgehen.
-
Grimes
Zippo Encore Stage - Freitag, 19:30 Uhr
Claire
Boucher gibt sich die Ehre. Besser bekannt als Grimes erfreut die
Dame mit dem schönen Namen die Berlin Festival Besucher in diesem
Jahr mit etwas genauso melodisch klingendem. Sie präsentiert ihr
neues Album "Visions", das vielerorts (auch bei uns) geradzu
gefeiert wurde. Wir haben auch eine Vision: Und zwar die von einem
bewegenden Auftritt mit düsterstem Synth/Dream-Pop, der atemlos
zurück lässt und den Vorschusslorbeeren gerecht wird. Die
ungewöhnlich-experimentellen Klänge lassen jedenfalls eine
Bühnenshow erwarten, die an Verdrehtheit hoffentlich ihresgleichen
sucht.
-
Jamie N Commons Zippo
Encore Stage -
Samstag, 16:00 Uhr
Der erst Anfang 20jährige Brite spielte im
Herbst vergangenen Jahres schon einmal im Berliner Magnet und
sorgte für Verwirrung. Als er - smart, langhaarig und ein wenig
glatt - die Bühne betrat, dachte einer jeder, so ein Schönling, mit
solch einem Künstlernamen spielt sicher wehleidigen Electropop und
fährt sich nach jeder Strophe durchs schöne Haar. Aber dann
erklangen die ersten bluesigen Akkorde, meldete sich das Schlagzeug
schleppend und schwer und - tja, und dann sang dieser Jamie, sang
von Priestern und Schulden und Tod und Teufel und Liebe und
Verlust, mit einer Stimme, die klang, als hätte er mindestens 18
seiner Lebensjahre versoffen und verhurt. Kein Wunder, dass schnell
jemand die Referenzen Cave und Lanegan in den Raum raunte und sich
die anfangs überschaubare Menge vor der Bühne rasch vergrößerte. Am
Ende dachte keiner mehr an wehleidige Schönlinge - man sah einen
verschwitzten ganzen Kerl mit kraftvoller Stimme vor sich und
wusste: Den wird man 2012 wiedersehen.
Jamie N Commons - Devil in Me from Bullion on Vimeo.
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Franz Ferdinand
Mainstage -Samstag, 21:00 Uhr
Fast Geschichte in der
Konzertlandschaft. Jetzt gibt es das Déjà-vu: Franz Ferdinand
exklusiv auf dem Berlin Festival. Versuchen wir uns doch einmal an
die Band zu erinnern: Postgepunkter Indie-Rock mit New
Wave-Einfüssen. Ihr Album "Tonight: Franz Ferdinand", dessen
aufbereitete Version "Blood". Und: Tolle Liveshows. Man hätte hier
die Kombination aus gut gemachtem Sound, garniert Alex Kapranos
gekonnt-arrogante Attitüde und einem Publikum, das dass zu schätzen
weiß. In diesem Jahr sind die Jungs endlich wieder auf Tour, nur
einmal verschlägt es sie nach Deutschland. Ganz dick vornotieren!
-
Daughter
Zippo Encore Stage - Freitag,
16.30 Uhr
Also wir die Britin Elene Tonra mit ihrer Band Daughter
auf dem diesjährigen Roskilde Festival zu sehen bekamen schrieben
wir: "Sie hat in ihrer Jugend, die noch nicht so richtig vorbei
scheint, vermutlich viel Cat Power. Einige ihrer Songs haben noch
nicht dieselbe Kraft, aber wie sie bei 'Landfill' singt 'I want you
so much but I hate your guts', während die Drums düster klopfen –
da konnte man sich auch im randvollen und warmen Zelt nicht gegen
die Gänsehaut wehren." Das würden wir auch heute so unterschreiben.
-
Tocotronic
Mainstage - Freitag, 19:15
Uhr
Für alle Spinner, Blender und Verschwender, das ist ein Gruß an
euch. Von wem? Natürlich von Tocotronic. Die Band verkündete auf
ihrer Homepage am 01.06, dass sie sich wieder im Studio befindet
und vermutlich im Januar mit einem neuen Album zurückkehren wird.
Noch ein Konzert steht bis jetzt aus, um sich Kostproben anzuhören:
Das Berlin Festival. Und bei der Überpräsenz an englischsprachigen
Acts diesen Festivalsommer gelangt man bei dieser Band einmal nicht
in die Gefahr der "Kapitulation" vor zungenbrecherischen Lyrics.
Wobei: Dirk von Lowtzow ist natürlich ein großer Texter, nur
schafft er es jedes Mal komplexes Kopfkino in simple Worte zu
kleiden. Ob es schon Neues zu hören geben wird? Wir sind gespannt!
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The Killers
Mainstage - Freitag, 22:30
Uhr
Ja, wir geben es zu: Manchmal sind wir auch Popschweine. Und
geben uns dem schändlichen Mainstream hin, den übergroßen Gesten,
den Songs, die man eigentlich nicht übersetzen dürfte, weil man
dann erkennt, wie wenig lyrische Substanz sie eigentlich haben.
Aber hey, es ist das einzige Konzert der Killers in Deutschland in
diesem Jahr! Und sie werden sicher neues von ihrem Album "Battle
Born" spielen. Das muss man sich doch eigentlich anschauen. Und sei
es nur, um mal genüsslich bei "Mr. Brightside" oder "All These
Things That I Have Done" das Klatsch- und Grölvieh zu geben, für
das man sich sonst so cool ist. Killers-Songs können das nämlich.
Einen mitreißen, auch wenn man es gar nicht will und gar nicht zu
einem passt. Und auf "Battle Born" werden sie wieder ein paar Songs
haben, die so funktionieren. "Runaways" geht ja schon in die
Richtung - und wehe, wenn sie "Miss Atomic Bomb" spielen! Diesem
cheesy Popbrocken wird man kaum widerstehen können - soviel zur
Vorwarnung.
-
Crookers
Club X-Berg in der Berlin
Arena - Nacht von Freitag auf Samstag, 03:00 Uhr
Nach der
Festivalodyssee am Tage noch nicht genug des Tanzens? Dann bitte
noch in den Club X-Berg, dem Indoor-Begleitprogramm des Berlin
Festivals. Die Crookers spielen live. Vielleicht nicht die
innovativste Musik, aber ein bisschen Trash darf immer sein. Mit
dabei hat das Mailänder DJ-Duo seinen frontal angreifenden
Electro-Sound, der am Freitag um drei Uhr Nachts genau richtig sein
dürfte. Platz für ernsthafte Kritik und schüchternes goutierendes
Kopfnicken ist vorher, jetzt bitte Kopf ausschalten.

