Nachbericht

So waren Die Heiterkeit im Monarch in Berlin

Die Hamburger Grazien um Die Heiterkeit spielten gestern Abend im Monarch in Kreuzberg. Ralf Niemczyk war vor Ort, um diesem "gesellschaftlichen Ereignis" beizuwohnen.

Es passiert in dieser Zeit nicht mehr allzu oft, aber es passiert. Dass ein vor 160, 200 Leuten stattfindendes Indie-Konzert zu einem, äh, gesellschaftlichen Ereignis wird. Eine Liveshow auf kleiner Bühne - mit einer geradezu Zeit-diagnostischen Dimension. Ein Ereignis halt; nur ohne all die unangenehmen Umstände, mit denen popkulturelle "Ereignisse" im stets überspannten Berlin verbunden sind. Das mittlerweile nur als oberblöder Witz kursierende Easyjet-Raver-Diktum über die hach-so-kreativpulsierende deutsche Hauptstadt "it´s so New York in the Eighties here" hatte am gestrigen Abend im Kreuzberg36-Schuppen "Monarch" für ein paar Stunden zur Abwechslung mal wirklich bestand. All das versteht sich natürlich ohne die üblichen Bildungs-BlingBling-Verdächtigen. Also kein Biller, Baum oder von Uslar weit und breit. Sondern wirklich gute Leute. Und kein grässliches Schicki-Gewese, das IT-Girl- und Helmut-Dietl-Kantinen wie "Grill Royal" so ausmachen. Underground-Wellness am Kottbusser Tor.

Im Zentrum von diesem rundherum beglückenden Ereignis stand die Hamburger Crew Die Heiterkeit. Drei Frauen, eher ungestylt. Fertig. Nur oberflächlich informiert, hatte ich eigentlich gedacht, dass diese Band aus - zwar netten - aber letztlich doch langweilig-komischen Diskursmädchen bestehen würde. So eine Art Spice Girls der Zehnerjahre, die sich einige clevere Indie-Funktionäre mit Pudel-Club-Ehrennadel in der Gaststätte "Mutter" am Tresen ausgedacht hatten. Es sollte anders kommen. Stella Sommer (Gesang, Gitarre), Rabea Erradi (Bass, Gesang) und Stefanie Hochmuth (Schlagzeug) sind auf eine geradezu aufregende Art nüchtern. Kein Kreischelsen-Scheiß, kein süßlicher Hauchi-Hauchi-Wohlklang, kein Wir-sind-Helden-Jutebeutel-Rock.

Sängerin Stella Sommer mit ihrer tiefen Stimme wurde in den hinteren Pop-Onkel-Kreisen wahlweise als "die neue Knef", oder "die neue Nico" gehandelt. Die ganze Monotonie, die Sommer, Erradi und Hochmuth so verbreiten, könnte in der nächsten Ausbaustufen vielleicht einen Remix des Knef-Experten Hans Nieswandt vertragen. Aber da sind wir längst noch nicht. Die Heiterkeit vertragen keinen Hype, keine schleimigen Lobeshymnen in der FAS. Sie stehen nach ihrem Gig mit den Leuden an der Bar und trinken Bier. Und noch eine echte "New York in den Achtzigern"-Parallele gibt es: Auch seinerzeit gab es coole Frauenbands mit einem stringent basslastigen Sound. Damals wie heute können diese nicht so obergut virtuos spielen. Was aber komplett wumpe ist. Irgendwann war Die Heiterkeit fertig. Egal. Bin begeistert.



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Die Heiterkeit 3.5 Stars

Alles ist so neu und aufregend

Heute erscheint "Herz aus Gold" - das Debüt von Die Heiterkeit, die wir ja schon als eine Band der "12 für 2012" auf dem Schirm hatten. Die Band verschenkt zur Feier des Tages den Song "Alles ist so neu und aufregend" – vielleicht nicht unbedingt einer der besten Songs des Albums, aber einer, der den lasziv gelangweilten Charme der drei sehr gut trifft. Lethargisch beschwören sie hier all das vermeintlich neue und aufregende und lullen einen dabei mit feinem Hintersinn ein, bis sie im letzten Drittel des Songs dann mal zeigen, dass sie ihre Gitarren auch neu und aufregend klingen lassen können – sie wollen es nur nicht immer.
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Tags: 12 für 2012 / Alles ist so neu und aufregend / Die Heiterkeit / Herz Aus Gold

Folge 10: Die Heiterkeit. Marlene Dietrich trifft Pavement

Seit Anfang Februar präsentieren wir Ihnen die 12 Künstler, die wir in diesem Jahr auf dem Schirm haben - und denen wir nicht weniger als die Weltherrschaft wünschen. Heute im Visier: Die Heiterkeit.

Tags: 12 für 2012 / Artist To Watch / Die Heiterkeit

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Kommentare (1)
Sehr gut

Das, was sie können machen sie SEHR GUT! Es macht euphorisch.
Will jemand noch mehr?

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