Nachbericht

So waren Simian Mobile Disco in Köln: Handwerker im Nebel

Spätsommernächte und Discokühle; Nebelschwaden und blaues Strobo-Licht; Knöpfe-Drücken und Stecker-Ziehen; Technik-Geeks bei der Arbeit: So waren Simian Mobile Disco im Kölner Club Bahnhof Ehrenfeld.

Mag es an den spätsommerlichen Temperaturen, oder an der frühabendlichen Uhrzeit liegen (20.30 Uhr), aber so wirklich will niemand raus aus dem Biergarten und rein in den Club Bahnhof Ehrenfeld. Erst als gedämpfte House-Klänge nach außen dringen, werden gelassen Zigaretten ausgedrückt und so frickeln Simian Mobile Disco bereits an ihren Gerätschaften rum, während man sich zögernd und nicht allzu zahlreich einfindet. Doch davon bekommt das britische Produzenten-Duo (u.a. Klaxons, Arctic Monkeys, Hot Chip) wenig mit, denn der Bühnenaufbau, der die beiden Tüftler mit Rücken zum Publikum inszeniert, macht vor allem eines klar: Im Mittelpunkt soll der Sound stehen, nicht die Performance.

Zu sehen bekommt man talentierte Techniker bei der Arbeit; Geeks, die ihr Handwerk beherrschen und deren Kommunikation mit dem Publikum sich auf ein absolutes Minimum beschränkt. Längst vergangen scheint die Zeit als James Ford und Jas Shaw noch als eine Hälfte der netten Indie-Band Simian mit Gitarren-Rock einheizten. Heute werden in Nebelschwaden und blauem Strobo-Licht rasendschnell duzende Knöpfe gleichzeitig gedrückt, Stecker gezogen, hektisch umgestöpselt. Alles, eine Weile lang ganz unterhaltsam, bald stellt sich jedoch das Gefühl ein, dass vor der Bühne hinter der Bühne ist, oder umgekehrt – ein Blick hinter die Kulissen einer Musik zu der man idealerweise so berauscht tanzt, dass ihre Quelle hintergründig wird. Und damit wären wir auch schon bei der Krux des Ganzen: Zu hören gibt es soliden Mix aus Minimal, Dubstepp und House; Tracks mit catchy Vocals, wie "Put your hands together" (Jamie Lidell) stechen heraus. Abwechslungsreich, ja, aber auch – wie der Name des neuen und dritten Albums "Unpatterns" ankündigt – etwas profillos, leider! Niemand tanzt und so bleiben SMD ungünstigerweise Zentrum einer Veranstaltung, der sie den Rücken zukehren.

Zufrieden wippen nicht mehr ganz junge Erwachsene mit Bier in der Hand im Takt; zum poppigen Hit "I Believe" wird dann doch ein bisschen mit den Händen gewedelt, das war's. Nach einer knappen Stunde ist die Pflicht erfüllt, es folgt 15 Minuten Zugabe-Kür: ein schmissiger Remix mit Gossip Frontfrau Beth Ditto. SMD dreht sich um, synchron wird sich brav verbeugt und dann ist alles vorbei: Licht geht an, Stille und schon fegen Türsteher alle raus: Platz für den nächsten machen, irgendso ein DJ aus New York. Es ist 21.45 Uhr, die Nacht ist noch immer sommerlau und viel zu jung.



A A A
Kommentar schreiben
 
*
 
*
captcha *

* Pflichtfeld