Konzertreview

Shot Through The Heart – Bon Jovi live in Stuttgart

Live können Bon Jovi immer noch mitreißen, nur mit dem Songwriting klappt es nicht mehr so. Bei ihrem Clubkonzert in Stuttgart stellt die Band Stücke aus dem kommenden Album "What About Now" vor, überzeugt aber vor allem durch ihre Hits.

Es gibt keine Band, die so für das Wort „Stadionrock“ steht wie Bon Jovi. Deshalb war es - jenseits aller Geschmacksfragen - natürlich etwas Besonderes, dass sie am Sonnabend im kleinen Stuttgarter Club Zapata spielten, vor gerade mal 750 Leuten. Wer im 30. Karrierejahr immer noch Zehntausende Zuschauer zieht, kann sich jetzt auch mal wieder solche Späßchen erlauben. Vielleicht ist es dieser Lässigkeit geschuldet, dass sie ausgerechnet mit dem mediokren „Lost Highway“ anfangen, obwohl sie doch haufenweise Hits haben. Oder es liegt daran, dass sie zwischen den 80er-Jahre-Krachern und den neuen Liedern halt auch ein paar Lückenfüller aus den vergangenen 20 Jahren ins Programm müssen? Es folgt die aktuelle Single "Because We Can" - seit Ewigkeiten der erste Bon-Jovi-Song mit einem richtig gelungenen Chorus. Es ist natürlich eine weitere Durchhaltehymne, es gibt kaum andere Stücke in diesem Repertoire: "I don't wanna be another wave in the ocean/ I am a rock not just another grain of sand/ I wanna be the one you run to when you need a shoulder/ I ain't a soldier but I'm here to take a stand."

Live können Bon Jovi immer noch mitreißen, nur mit dem Songwriting klappt es nicht mehr so. Den himmelweiten Unterschied zwischen Damals und Heute hört man, als sie nach dem stumpfen, aber schön stampfenden "We've Got It Going On", dem lahmen "Whole Lot Of Leaving" und zwei neuen Stücken "You Give Love A Bad Name" anstimmen. In der Sekunde, als Jon Bon Jovi "Shot through the heart..." singt, schreien alle aus vollem Hals mit, und zwar wirklich: alle. Die 20- und die 40-Jährigen, und ja: auch die Männer. Schade, dass "Livin' On A Prayer" später nur in einer Akustikversion kommt - wie soll man da richtig "Whoa-whoa" machen? Weil dies ein Konzert fürs Radio ist, macht Jon Bon Jovi nur wenige knappe Ansagen, auch die üblichen Mitsingspielchen fallen eher kurz aus. Das Herumtänzeln lässt er sich nicht nehmen, das Abklatschen der ersten Reihe ebensowenig.

Immerhin sechs Songs, die Ende März auf dem 12. Studioalbum "What About Now" erscheinen, stellen sie auch schon mal vor. Der Titelsong: ein nettes Uptempo-Stück, mehr nicht. "Amen": eine schöne Ballade. "What's Left Of Me" und "That's What The Water Made Me" könnte ich jetzt aus dem Stand nicht mehr summen, und das ist bei Bon-Jovi-Songs ein ganz schlechtes Zeichen. Als Zugabe noch "Army Of One" (Durchhaltehymne!) und "I'm With You" - aber wie soll man diese Lieder schätzen, wenn sie zwischen "Prayer" und "Wanted Dead Or Alive" kommen? 

Der Abend endet, nach entschieden zu kurzen 90 Minuten mit "Bad Medicine". Alles, was fehlte („Keep The Faith“! "Always"! "I'll Sleep When I'm Dead"!) gibt es dann hoffentlich im Mai und Juni hören - bei den großen Stadionkonzerten. Because They Can!

Die Setlist:

Lost Highway

Because We Can

It‘s My Life

What About Now

We‘ve Got It Going On

Whole Lot Of Leavin‘

Amen

What‘s Left Of Me

You Give Love A Bad Name

We Weren‘t Born To Follow

That‘s What The Water Made Me

Who Says You Can‘t Go Home?



Livin‘ On A Prayer

Army Of One

I‘m With You

Wanted Dead Or Alive

Bad Medicine



A A A
Kommentare (9)
Sorry

Sorry, liebe Autorin, spätestens ab der Zeile: Den himmelweiten Unterschied zwischen Damals und Heute hört man, als sie nach dem stumpfen, aber schön stampfenden "We've Got It Going On", dem lahmen "Whole Lot Of Leaving" ... kann ich Ihre Pseudo Rezension zum Konzert nicht mehr ernst nehmen. Spätestens bei Ihrer Einschätzung, dass Livin on a Prayer in der Akkustikversion nur halb so gut ist und eigentlich bitte nur mit Woah gespielt werden darf, bleibt nur noch Kopfschütteln.
Selten einen schlechteren Konzertbericht gelesen.

Waren sie da????

Hallo liebe Autorin,
ich gehörte auch zu den glücklichen Gewinnern die den Abend im Zapata verbringen konnte. Ich bin überhaupt nicht ihrer Meinung. Wie sollen wir denn bitte mitsingen wenn die Lieder erst im März auf den Markt kommen. Natürlich kann man doch nicht von Klassikern auf neue Stücke schließen.
Ich denke doch das es total normal ist wenn man sich im laufe der Zeit ändert. Bon Jovi sind keine 20 Jahre mehr. Also ändern sich auch die Themen der Lieder. Denn genau das ist es was die Band macht. Sie erzählt Geschichten. Dinge die sie zum Teil auch selber erlebt haben.
Wenn eine Band oder ein Songwriter immer wieder das selbe macht. So wie z.B. ein Herr B aus dem Norden Deutschlands ist das auch nicht richtig.
Ich glaube das die 750 Leute vor Ort einen anderen Eindruck von dem Konzert hatten als Sie. Bei Livin on a Prayer kann ich auch nicht verstehen was sie meinen. Denn uns hat das Lied sehr gut gefallen und meistens wird auf den Konzerten genau diese Version gespielt und auch da wird immer fleißig mitgesungen.
Auch ist seltsam das nur SIE dieses Konzert so zerreißen. Es war von Anfang an klar das dieses Konzert nur 75 min. dauert. Doch es wurden sogar 90 min´.
Schade das sie diesen wunderschönen Abend so zerreißen. Denn das hat die Band nicht verdient.
So bleibt mir nur eine Frage? Waren sie überhaupt persönlich vor Ort?

Hallo?

An die Autorin,

also ich war ja leider nicht live dabei, da ich leider keine Karten gewonnen habe... Aber ich habe das ganze Konzert über den Internet Livestream verfolgen können. Was man hier auch mal lobenswert erwähnen muss. Hat super geklappt.

Klar sind Hits wie wanted und prayer unbesiegbar, aber man muss ja auch mal dazusagen:
Wie sollen die Fans die neuen Hits mitsingen, wenn sie "neu" sind ....
Ich weiß ja nicht, ob Sie dabei waren, oder ob Sie einfach nur die Musik nicht mögen, was ja durchaus sein kann...
Trotzdem finde ich, dass die Erfolgsgeschichte (von allen Alben) für sich spricht und man sich hätte das eine oder andere Kommentar verkneifen können.
Journalistisch gesehen meiner Meinung nach am Thema vorbei ....

Liebe Journalistin

An die Autorin,

also ich war ja leider nicht live dabei, da ich leider keine Karten gewonnen habe... Aber ich habe das ganze Konzert über den Internet Livestream verfolgen können. Was man hier auch mal lobenswert erwähnen muss. Hat super geklappt.

Klar sind Hits wie wanted und prayer unbesiegbar, aber man muss ja auch mal dazusagen:
Wie sollen die Fans die neuen Hits mitsingen, wenn sie "neu" sind ....
Ich weiß ja nicht, ob Sie dabei waren, oder ob Sie einfach nur die Musik nicht mögen, was ja durchaus sein kann...
Trotzdem finde ich, dass die Erfolgsgeschichte (von allen Alben) für sich spricht und man sich hätte das eine oder andere Kommentar verkneifen können.
Journalistisch gesehen meiner Meinung nach am Thema vorbei ....

Gute kritik

Wo wird denn hier irgendwas verrissen? Ich bin sogar überascht,wie positiv das Urteil von Birgit Fuß ausfällt wenn man bedenkt wie stark BJ nachgelassen haben und wie schwach die Bewertungen der Album-reviews in den letzten 13 Jahren waren.
Das grottenschlechte Amen wird sogar als nette Ballade bezeichnet,von Verriss kann keine Rede sein.

Gut? Nein, das ist was anderes!

Ich weiß nicht, wie man Ausdrücke wie "lahm" anders einschätzen soll. Für mich scheint die Journalistin einfach eine sehr feste Meinung zu haben. Vielleicht hätte sie sich auch lieber mit den Beweggründen der Texte beschäftigen sollen. Bleiben wir doch einfach bei Whole Lot of Leaving - hätte sie evtl. einmal hinterfragt, warum der Song geschrieben wurde (er ist Gitarrist Richie gewidmet, der in dieser Zeit einiges durchmachen musste, und zeigt das enge Freundschaftsband zwischen Jon und ihm), dann hätte man sich evtl. solche Aussagen wie lahm verkneifen können, nur weil es kein "lauter" Song ist. Für mich entsteht überhaupt das Gefühl, als ob bitte alle Songs nur laut und mit Whoa-Ho Gesängen versehen sein müssen.
Tut mir leid, diesen Konzertbericht kann ich nicht ernst nehmen.

Keep The Faith!

Will nur kurz zur Aufklärung offener Fragen beitragen: Ja, ich war vor Ort. Und ein bisschen Ahnung von dem Thema habe ich auch - es war mein 30. Bon-Jovi-Konzert (seit 1988). Dass ich "einfach nur die Musik nicht mag", ist also eher unwahrscheinlich. ;-)

...

Dann stellt sich mir die Frage, wie man als (wohl professionelle) Journalistin dennoch so einen subjektiv geprägten Bericht schreiben kann. Und das nicht nur bei Bon Jovi - ich habe mir auch andere Berichte angesehen.
Sorry, aber bei mir trifft so ein "Beitrag" auf Unverständnis - und das noch verstärkt durch die Aussage, dass Sie die Band seit 1988 kennen.
Vielleicht sollte man einfach mal ein bisschen bedenken, dass wir nicht im Jahr 88 stehen geblieben sind und die Band nicht mehr aus 20 Jährigen besteht, bei denen es in jedem Song nur krachen musste.

Stimme der Autorin zu

Ich war lange glühender Bon Jovi Fan und bin selbst Musiker - muss aber leider auch sagen, dass nach "These Days" kaum mehr anständige Ware von Bon Jovi kam. Alle Lieder sehr stark aufs Radio hin geschrieben und produziert, musikalisch ist da nichts ausgefallenes - wie z.b. noch bei "Keep the Faith" (ein cooler Rhythmus), bei "Dry County" (was für ein perfekt aufgebauter Song und musikalisch brilliant) oder bei "My Guitar lies bleeding in my arms" - dabei. Jons Stimme ist inzwischen live leider nicht mehr das, was sie gewesen ist, bei jedem hohen Ton fiebere ich mit. Deshalb kann ich die Bewertung nachvollziehen - sie sind schon noch eine gute LIve-Band, Jon macht auch ganz gut Show, aber mit früher ist das nicht zu vergleichen. Und damit meine ich NICHT, dass sich eine Band nicht weiterentwickeln darf. Wenn die Weiterentwicklung aber darin besteht, dass alle Songs 3:30 Minuten lang sind und immer schön dem gefälligen Strophe-Bridge-Refrain-Schema folgen, ist das für mich eine Rückentwicklung.

Wer übrigens mal sehen will, was WIRKLICH GENIALE Live-Performances sind, sollte sich Richie Sambora mal bei einem seiner leider seltenen Solo-Gigs anschauen. Ich sehe pro Jahr sicher 20-30 verschiedene Live-Gigs und was Richie auf die Bühne bringt ist wirklich Champions League.

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