„The Backrooms“: Warum ist Liminal Space Art so verdammt creepy?
Viraler Horrortrend: „The Backrooms“ kommt ins Kino – warum liminale Räume ohne Monster so verstörend wirken und Millionen faszinieren
Mit „The Backrooms“ startet am 04. Juni der vielleicht meist erwartete Horrorfilm des Jahres in den Kinos. Seine Entstehung erzählt eine typische Erfolgsgeschichte, wie sie von viralen Clips ausgeht: Das Regiedebüt des DIY-Filmemachers Kane Parsons ist die Leinwandversion seiner YouTube-Videos, mit denen er ab 2019 zu einer Genreberühmtheit geworden ist, und von denen etliche Clips in den sozialen Netzwerken für Beklemmung sorgen.
Die „Backrooms“ sind scheinbar grenzenlose Innenräume oder Umgebungen, die man nur erreicht, wenn man aus der Realität herausfällt, per Glitch. In Videos aus der Ich-Perspektive eines Wanderers sind sie monotone, menschenleere Strukturen, die sich wie endlose Labyrinthe ausdehnen und häufig automatisch generiert wirken: Pools, Säle, Flure oder Treppen in den Himmel, die abrupt enden. Im Hintergrund meist eine Tonspur, auf der jede Bewegung hallend erklingt, manchmal hört man auch Wind. Der Thrill besteht in diesen minutenlangen Videos auch darin, dass man ein Monster erwartet, welches einfach nicht kommt (oder, wie in „The Backrooms“, sehr spät).
Das ist Liminal Space Art. Alles sieht gleichermaßen vertraut wie falsch aus. Liminal Space Art wirkt unheimlich, weil sie Orte zeigt, die eigentlich genutzt werden sollten, aber leer sind, wie Einkaufszentren oder Bällebäder. Das passt nicht zu unserer Erwartung. Unser Gehirn erkennt den Ort, aber etwas fehlt. Und diese Lücke erzeugt ein ungutes Gefühl.
Warum das Gehirn so reagiert
Normalerweise helfen uns Geräusche und Bewegung dabei, eine Situation zu verstehen. In diesen Bildern gibt es das alles nicht, weil keine Auflösung präsentiert wird. Wir suchen nach Erklärungen, finden aber keine Antwort. Diese Unsicherheit kann sich schnell wie Bedrohung anfühlen, obwohl nichts passiert.
Außerdem wirken viele dieser Bilder vertraut. Das macht sie so verstörend. Sie erinnern an eigene Erlebnisse, etwa aus der Kindheit. Die Optik spielt also eine entscheidende Rolle. Die Aufnahmen sehen aus wie alte Fotos oder Überwachungskameras aus den 1990ern, wie Vaporwave oder die VHS-Filmchen aus „I Saw the TV Glow“: leicht unscharfe Aufnahmen mit veralteter Einrichtung und Dropouts. Es entsteht ein Gefühl aus Nostalgie plus Unbehagen, weil die Vergangenheit nicht mehr so golden erscheint, wie man es abgespeichert hat. Wer den Bogen ganz weit spannen will, sieht Edward Hopper als grundsätzliche Inspiration der „Backrooms“. Kubricks „Shining“ kann es definitiv nicht sein, da dessen Flure in konkretem Horror enden.
Die Backrooms wirken, als würden sie außerhalb der normalen Welt existieren. Im Internet verbreiten sich solche Bilder, wohl weil sie ohne viel Erklärung funktionieren, nur einen Moment ohne Kontext zeigen. Ob „The Backrooms“ dieses Horrorversprechen einlöst, wird sich also zeigen – Liminal Space Art bezieht seinen Reiz aus den Kurzeindrücken, die nicht in erklärende Geschichten eingebunden sind. Und die in der Regel ohne Monster-Jumpscare auskommen, anders als in Kane Parsons Videos mit dem „Bacteria“-Ungetüm (siehe Foto). Angeschaut werden muss „The Backrooms“ aber auf jeden Fall.