Das letzte Gründungsmitglied der Ronettes ist gestorben

Die Sängerin, die 2007 in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen wurde, war bekannt für Sixties-Hits wie „Be My Baby“.

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Nedra Talley Ross, das letzte lebende Mitglied der Sechzigerjahre-Girlgroup The Ronettes und Mitglied der Rock & Roll Hall of Fame, ist mit 80 Jahren gestorben. Die Gruppe teilte die Nachricht am Sonntagabend auf ihrer Facebook-Seite mit. Eine Todesursache wurde nicht bekanntgegeben.

„Mit schwerem Herzen teilen wir die Nachricht vom Tod Nedra Talley Ross’“, hieß es in dem Post. „Sie war ein Licht für alle, die sie kannten und liebten. Als Gründungsmitglied der Ronettes hat Nedra gemeinsam mit ihren geliebten Cousinen Ronnie und Estelle mit ihrer Stimme, ihrem Stil und ihrer Energie einen Sound mitgeprägt, der die Musikwelt verändern sollte. Ihr Beitrag zur Geschichte der Gruppe und ihr prägender Einfluss werden für immer bestehen bleiben. Ruh dich in Frieden aus, liebe Nedra. Danke für die Magie.“

Talley Ross wurde am 27. Januar 1946 als Nedra Yvonne Talley in New York City geboren und wuchs dort auf. Sie war mit ihren Cousinen Veronica „Ronnie“ Bennett und Estelle Bennett aufgewachsen, die bei lokalen Veranstaltungen als The Darling Sisters auftraten.

Aufstieg mit Phil Spector

1963 kamen die drei mit Produzent Phil Spector zusammen und nannten sich fortan The Ronettes. Ihr Debütalbum „Presenting the Fabulous Ronettes Featuring Veronica“ erschien im darauffolgenden Jahr und enthielt mehrere Hits wie „Be My Baby“ und „Walking in the Rain“. Die Rolling Stones spielten auf der UK-Tournee als Vorband der Ronettes, später eröffneten die Ronettes ihrerseits die US-Tournee der Beatles im Jahr 1966. Gemeinsam mit Spector wurde das Trio für die Pionierarbeit an der sogenannten „Wall of Sound“-Technik bekannt, die bis heute die moderne Popmusik prägt.

„Als ich 17 war – und ich war die Jüngste in der Gruppe –, hatten wir unseren ersten Megahit bei Phillies Records, für Phil Spector“, erinnerte sich Talley Ross. „Das katapultierte uns auf ein ganz anderes Level: von einer Girlgroup aus New York City an der Ostküste quer durch die Vereinigten Staaten und dann in die ganze Welt. Mit 17 fuhr ich also nach Europa – meinen 18. Geburtstag feierte ich in England, mitten auf Tour. Es gab diese eine Seite, wo man ein Leben führte, das die meisten Teenager sich nie vorstellen konnten. Ich trat an den Wochenenden auf und ging montags wieder zur Schule. Und trotzdem fiel mir das alles einfach so in den Schoß.“

Sie fügte hinzu: „Wir waren einfach wir selbst. Es war multikulturell – man war nicht weiß, man war nicht schwarz. Die Ronettes waren anders. Viele junge Mädchen schauten auf uns. Wir waren für viele Mädchen ein Vorbild für den Look, den sie haben wollten.“

Hall of Fame und Solokarriere

Die Gruppe löste sich 1967 auf; Talley Ross heiratete und veröffentlichte in der Folge christlich inspirierte Musik. Sie brachte mehrere Alben mit christlichen Inhalten heraus, darunter 1978 „Full Circle“. Im Jahr 2007 wurden die Ronettes in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen. Die Gruppe kam zur Aufnahmezeremonie wieder zusammen und performte „Be My Baby“.

Keith Richards von den Rolling Stones hielt die Laudatio für die Ronettes und erinnerte sich daran, wie er sie 1964 bei ihrer gemeinsamen Tournee in einem „feuchten und dunklen“ britischen Theater hatte proben hören.

„Ich bekam ganz für mich allein eine Privatvorstellung“, sagte Richards. „Und mir wurde klar: Egal was Jack Nitzsche arrangiert hatte – diese Frauen konnten sich durch jede Wall of Sound hindurchsingen. Die brauchten niemanden. Sie haben mein Herz damals berührt, und sie tun es noch immer.“

Letzte verbleibende Ronette

„Ich danke Gott, dass ich heute Abend hier bin“, sagte Talley Ross, als die Band ihre Aufnahme entgegennahm. „Und dass wir als die Ronettes für das anerkannt werden, was wir gegeben haben. Aber ich hatte damals keine Ahnung, was wir eigentlich gaben. Ich war sehr, sehr jung und wusste nicht, dass wir Maßstäbe für Mädchen setzten. Ich danke jedem Fan, der uns all diese Jahre in seinem Herzen und in seinen Gedanken behalten hat. Danke, dass ihr die Musik euren Kindern und Kindeskindern weitergegeben habt.“

Estelle starb 2009 im Alter von 67 Jahren, Ronnie folgte ihr 2022 im Alter von 78. Als Ronnie starb, schrieb Talley Ross: „Ronnie und ich standen uns beim Aufwachsen so nah, dass ich sie ‚meinen Atem‘ nannte.“ Und weiter: „Wir haben die besten und die schwersten Zeiten gemeinsam durchgestanden und Geschichte geschrieben. Als letzte verbliebene Ronette werde ich ihr Andenken und die Musik lebendig halten.“

Emily Zemler schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil