„Hokum“ beweist: Adam Scott sollte öfter Horrorfilme drehen
Der „Severance“-Star zeigt in diesem Film über ein verfluchtes Hotel, irische Folklore und eine vermisste Frau eine ungewohnt finstere Seite.
Jeder hat seine Dämonen. Schriftsteller, zugegeben, haben davon mehr als die meisten – und Schriftsteller im Film? Vergiss es. Die sind ein wandelnder siebter Höllenkreis. „Hokum“ gewährt zunächst einen Blick in die Fiktion eines gepeinigten Autors, bevor es den Mann hinter der Tastatur vorstellt. Ein Conquistador irrt durch eine karge Wüste. Ein Kind, das Gesicht mit Dreck beschmiert, schleppt sich hinter ihm her. Eine Schatzkarte steckt in einer Flasche. Der einzige Weg, sie herauszubekommen: die Flasche zerschlagen. Aber woran? Der Verlorene richtet seinen Blick auf das Einzige, das hart genug ist, um Glas zu brechen – den Schädel des Jungen. Ja, das ist, nun ja, ziemlich düster.
Der Prolog ist eine Finte – Spoiler: Dies ist kein Film über Conquistadoren –, doch er skizziert die zerrüttete Gemütsverfassung des „Helden“ in Damian McCarthys eigentümlich unheimlicher Geschichte über das, was in der Psyche rumort. Der Autor dieser imaginierten Konfrontation ist Ohm Bauman (Adam Scott), und die Szene, die er in einer stürmischen Nacht in die Tasten hämmert, ist das Finale seiner populären Romantrilogie über einen spanischen Krieger. Die Bücher haben ihm genug Ruhm eingebracht, um auf der Straße erkannt zu werden – seine existenziellen Nöte haben sie jedoch nicht geheilt. Zwei Urnen, beschriftet mit „Mom“ und „Dad“, stehen auf seinem Kaminsims. Eine Holzkiste mit einem Stummelrevolver scheint ihn auf merkwürdige Weise zu fesseln.
Dazu kommt ein verblasstes, zerknittertes Foto von Ohms verstorbener Mutter als junger Frau – sie steht neben einer großen Rotbuche in der irischen Landschaft. Er erinnert sich, dass sie diesen Ort als ihr Glück beschrieben hat. Also reist er, in der Hoffnung auf so etwas wie inneren Frieden, tief in die Wälder der Grünen Insel, die Asche seiner Eltern im Gepäck. Er bucht ein Zimmer im Billberry Woods Hotel, wo seine Eltern einst ihre Flitterwochen verbracht haben. Die Atmosphäre: irgendwo zwischen altehrwürdiger Jagdhütte und beschaulichem Landgasthof. In der Lobby erschreckt der betagte Besitzer Kinder mit Geschichten über eine Hexe, die einst auf diesem Gelände ihr Unwesen trieb. Die Hochzeitssuite ist gesperrt. Das ist eine lange Geschichte.
Ein Antiheld mit Abgründen
Das Besondere an Ohm ist… nun ja, abgesehen davon, dass er von Problemen geplagt wird, ist er ein ziemliches Arschloch. Auch das ist eine lange Geschichte, die „Hokum“ nach und nach auffüllt. Dennoch fasst dieser Menschenfeind eine gewisse Zuneigung zu Fiona (Florence Ordesh), der Frau, die ihn auf sein Zimmer bringt und die Hotelbar betreut. Dann geschieht etwas Tragisches. Als Ohm einen Monat später aus dem Krankenhaus entlassen wird und ins Billberry zurückkehrt, eröffnet ihm der Manager (Peter Coonan), dass das Haus leer steht – man schließt für die Saison. Außerdem, so erfährt Ohm, ist Fiona seit mehreren Wochen verschwunden. Und die Polizei fahndet nach einem Landstreicher (David Wilmot), der im nahen Wald haust und möglicherweise weiß, was mit ihr passiert ist.
McCarthys vorheriger Film, „Oddity“ (2024), kreiste ebenfalls um ein Rätsel, eine verschwundene Frau und allerlei übernatürliche Ereignisse in symbolisch schattigen Fluren und dunklen Winkeln – nur blieb das Ganze am Ende hinter der Summe seiner Schockmomente zurück. Dieser unheimliche Abgesang auf „The Shining“ wirkt, als hätte der irische Autor und Regisseur diesmal ein besseres Gespür für die Spannungsbögen entwickelt, die das Genre braucht, und für das Gleichgewicht zwischen knalligen Schocks und unterschwelligem Grauen. Scott mag man noch immer mit Komödie verbinden, doch zwei Staffeln „Severance“ haben längst bewiesen, dass er ins Dunkel gehen kann, wenn es nötig ist. „Hokum“ verlangt ihm genau das ab – und lässt ihn dabei auch die abstoßenden Seiten seiner Figur voll ausspielen. Er sollte das Genre öfter bedienen.
Der Titel übrigens bezieht sich auf Ohms Meinung zur irischen Folklore rund um übernatürliche Phänomene, die die Leute vor Ort für bare Münze nehmen. Sagen wir es so: Seine Haltung dazu ändert sich bis zum Abspann grundlegend. Außerdem lohnt es sich, im Hinterkopf zu behalten, dass böswillige Geister oft blass wirken neben den menschlichen Monstern in unserer Mitte – auch wenn man ein gutes Garn über irre Hexen und jahrhundertealte Flüche niemals unterschätzen sollte. Manchmal bringen einen die eigenen Dämonen um. Und manchmal sind diese Dämonen weniger metaphorisch, als man es sich wünschen würde.