„Hal Foster’s Tarzan“: Der Affenkönig mit den Sprechblasen
„Hal Foster’s Tarzan“: Wie der frühe Abenteuercomic zur Sonntagsikone wurde und bis heute nachwirkt.
Ein beliebiger Sonntagnachmittag im Fernsehen: Zuerst schwingt sich Chewbacca im „Star Wars“-Abenteuer „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ mit der Liane durch den Urwald, auf einem anderen TV-Programm James Bond in „Octopussy“, und beide stoßen den markanten Schrei des wohl berühmtesten Dschungelbewohners aller Zeiten aus: Tarzan. Das Wald-und-Wiesen-Findelkind ist eine Pop-Ikone. Wenngleich die „Tarzan“-Realverfilmungen (siehe etwa Christophe Lambert in „Greystoke“) gezeigt haben, wie schwer es ist, den muskulösen Lendenschurzträger würdevoll abzubilden und nicht als unfreiwillig erheiternde Figur zu inszenieren. Johnny Weissmüller, der in den 1930er-Jahren als Ur-Tarzan im Einsatz war („Tarzan, der Affenmensch“), erhielt zumindest noch den Respekt, den jeder Darsteller verdient, der zwischen Busch und Baum höchsten Körpereinsatz zeigt.
Zwischen pulpiger Fantasie und Bildern seiner Zeit
Keine Frage, Tarzan ist im Comic am besten aufgehoben. Mit „Hal Foster’s Tarzan: The Complete Sunday Comics 1931–1937“ erscheinen nun sämtliche farbigen Tarzan-Sonntagsseiten, die Hal Foster zwischen 1931 und 1937 schuf. Noch vor seiner Arbeit an „Prinz Eisenherz“ verband Foster anatomische Präzision und monumentale Landschaften zu Bildfolgen, die den Rahmen des damaligen Zeitungcomics sprengten.


Aus heutiger Sicht sind einige Darstellungen vielleicht nicht ganz unproblematisch. „Tarzan“ basiert auf kolonialen Wunschbildern, auf exotistischen Vorstellungen Afrikas und auf der Idee eines weißen Übermenschen, der Natur, Tiere und „primitive“ Gesellschaften beherrscht. In den 1930er Jahren funktionierte „Tarzan“ als Abenteuerromantik. Der Band gewinnt dadurch allerdings eine zweite Ebene: Er erzählt die kulturellen Fantasien des westlichen Populärkults im frühen 20. Jahrhundert.
Tarzan begegnet Dinosauriern, Wikingern, Verbrechern, mystischen Reichen und grotesken Kreaturen. Foster verstand den Sonntagscomic als Ereignis. Jede Seite sollte größer und aufregender wirken als die vorherige. Dass Zeitungen sich damals über Brutalität und erotische Darstellungen beschwerten, unterstreicht nur, wie offensiv die Serie für ihre Zeit war. Fosters Kollege Edgar Rice Burroughs verteidigte den Erfolg der Figur mit dem Hinweis auf die menschliche Vorliebe für grausame und sensationelle Stoffe.
Ein opulentes Denkmal für den Zeitungscomic
Die Edition selbst zeigt die ursprüngliche Druckästhetik mitsamt Ben-Day-Rasterung, wodurch die Seiten ihre materielle Herkunft aus der Zeitungsproduktion erhalten. Die Begleittexte stammen von Dian Hanson, beim Taschen-Verlag auch für diverse Erotikbände zuständig. Zur Sexualisierung vieler Figuren hat sie einiges zu sagen.
- Hal Foster’s Tarzan. The Complete Sunday Comics 1931–1937
- Dian Hanson
- Hardcover, 34.4 x 44 cm, 4.39 kg, 392 Seiten
- taschen.com
- EUR 200,-