„Scary Movie“ ist zurück – her mit den Peniswitzen!
Die Wayans-Brüder kehren mit einer neuen Parodie auf Slasher-Flicks und Horror-Klischees zurück. Und diesmal ist es persönlich.
Na ja, fair ist fair, oder? Wenn eine ganze Flut von aufgewärmten Slasher-Sequels – „Scream“ Nr. 6 & 7, „I Know What You Did Last Summer“ Nr. 4 – wie eine Heuschreckenplage über die Multiplexe herfällt, warum dann nicht auch die Parodie-Reihe zurückbringen, die damals mehr oder weniger parallel zu diesen Filmen lief? Sollte die Wayans-Familie, die dieses erfolgreiche „Scary Movie“-Franchise im Jahr 2000 ins Leben gerufen hat (nur um es dann von einer anderen Geschwistertruppe weggeschnappt zu bekommen), nicht zurückfordern dürfen, was ihr gehört? Warum sollen nicht auch jeder andere Horrorfilm der vergangenen 13 Jahre und eine Handvoll weiterer Post-Covid-Popkultur-Phänomene durch den Kakao gezogen werden, genau wie es die Neunziger-Streifen damals traf? Haben wir, die treuen Kinogänger dieser Welt, nicht ein Anrecht auf hochwertige Peniswitze?!
Die gibt es in „Scary Movie“ in rauen Mengen – technisch gesehen der sechste Teil des Franchise, der dritte mit Wayans-Beteiligung und der erste, in dem Leute in einem Livestream abwechselnd mit einer Poolnudel auf den Kopf gehauen werden. Es gibt eine Cold-Opening-Szene mit einem Promi, die sich über genau jene Promi-Cold-Openings lustig macht, die die „Scream“-Filme salonfähig gemacht haben. Wen es trifft, verraten wir nicht – aber so viel sei gesagt: Viva la revolución! (Außerdem hätte dieser Schauspieler zu hundert Prozent einen Oscar verdient.)
Wie es sich für solche Reboot-Sequels gehört, ist das „Core Four“ des Originals wieder vereint – oder wie Marlon Wayans‘ Dauer-Kiffer Shorty Meeks sie nennt: „Rebootiquels“. Shorty ist zurück, und zwar mit Nachdruck. Ebenso Ray Wilkins (Shawn Wayans), der ehemalige High-School-Footballstar mit dem verwickelten Verhältnis zu seiner Sexualität und dem Schrank, aus dem er nicht raus will. Dazu Cindy Campbell (Anna Faris) und Shortys Schwester Brenda Meeks (Regina Hall), die beiden Final-Girl-Ersatzfiguren der Reihe. Beide hatten Auftritte in den Wayans-freien Teilen – was ein Running Gag ist: Die haben ordentlich Kohle damit gemacht! Die vierte Wand? Gibt’s hier nicht.
Faris und Hall glänzen
Dass Faris ihr Dummchen-Spiel wieder aufgreift – und nebenbei Jamie Lee Curtis‘ knallharte Überlebenskämpferin aus den Halloween-Reboots auf die Schippe nimmt – und Hall ihre Breitband-Komödien-Muskeln wieder spielen lässt, sind die zwei handfesten Gründe, sich diesen Film anzuschauen, jenseits der üblichen Gag-Salven. Die Rebootquel-Ära lebt von Nostalgie, vom Zusammenspiel alter Bekannter mit frischen Gesichtern – und Faris und Hall gemeinsam auf der Leinwand zu sehen ist ein reines, schuldfreies Vergnügen. Beide sind absolute Profis. Shorty bekommt die großen Stoner-Witze, Ray liefert die unangenehmen, irgendwo-zwischen-liebevoll-und-übergriffig angesiedelten Seitenhiebe auf LGBTQ+-Lebenswelten (wobei der Film trans-Menschen gegenüber ausgesprochen wohlwollend ist, auch wenn er sich über Pronomen und Gen-Z-Empfindlichkeiten lustig macht). Alles von „Longlegs“ über „Sinners“ bis zum jüngsten Michael-Jackson-Biopic bekommt sein Fett weg. Wie witzig das jeweils ist, schwankt erheblich. Wenn ein Gag nicht zündet – keine Sorge, ein Dutzend weitere kommen im nächsten Atemzug. Aber immer wenn Faris und Hall zusammen im Bild sind, findet „Scary Movie“ am ehesten seinen Rhythmus. Die beiden wissen, wie man den Wayans’schen Oh-Scheiße-Schockhumor verkauft.
Und dann sind da die Peniswitze: große Penisse, Mikropenis, Dildos als Waffe, Penisse wollen, Penisse nicht wollen, Tritte in den Schritt – alles dabei. Vergiss es, Jake, das ist „Scary Movie“. Was hast du erwartet – etwa keine Peniswitze?!
Vier Wayans stehen in den Drehbuch-Credits, dazu Autor Rick Alvarez; Regisseur Michael Tiddes hat schon bei einer Reihe anderer Projekte mit Marlon zusammengearbeitet. Wir persönlich haben eine Schwäche für den ausgedehnten visuellen Gag rund um das Set-Piece „Final Destination Amusement Park“ und die kurze, aber herrlich schräge Parodie auf „Weapons“ – doch die stärksten Momente des Films drehen sich um das Drama hinter den Kulissen der Reihe selbst. Die Wayans haben noch ein paar alte Rechnungen offen, und weder alte Freunde noch frühere Castmitglieder bleiben verschont. Es gibt Meta-Witze über Horrorfilme – und dann gibt es Meta-Witze darüber, dass manche Leute noch Schecks kassiert haben für etwas, das seinen Schöpfern mehr oder weniger gestohlen wurde. Die Methode ist dieselbe wie eh und je: alles gegen die Wand werfen und auf Tempo und Quantität statt Qualität setzen. Aber diesmal geht es ums Eingemachte.