Haben „Backrooms“ und „Obsession“ wirklich eine Gen-Z-Horrorwelle ausgelöst?

Zwei Horrorfilme von Regisseuren unter 30 brechen Kassenrekorde. Stehen wir am Anfang einer Bewegung – oder bereits an ihrem Ende?

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Vielleicht haben Sie es schon gehört: YouTube wird das Kino nicht töten. Es wird das Kino tatsächlich retten!

Innerhalb von zwei Wochen im vergangenen Mai erschienen zwei sehr unterschiedliche Filme, die die Frage, was Multiplexpublikum begeistert oder kalt lässt, gehörig auf den Kopf stellten. Der eine handelt von einem romantischen Traum, der sich allmählich zum Albtraum entwickelt. Der andere verwandelt einen nüchternen Bürokomplex in ein endloses Reich psychischer Bedrohung. Beide Filme lassen sich problemlos unter „modernem Horror“ verbuchen. Beide greifen vertraute Genre-Ideen auf und durchsetzen sie mit einer gonzo-haften Gen-Z-Energie. Und beide wurden mit überschaubaren Budgets von Regisseuren unter 30 gedreht, die sich ihre Fangemeinden über YouTube-Kanäle aufgebaut haben. Jeder der beiden Titel hat Rekorde für sein jeweiliges Studio gebrochen. Im All hört niemand deinen Schrei. Im Netz hingegen lässt sich die Fähigkeit, Menschen zu erschrecken und ihnen eine Gänsehaut zu verpassen, inzwischen in Kassenzahlen übersetzen – und das lässt Hollywood aufhorchen.

„Obsession“, gedreht vom 26-jährigen Curry Barker, wirft einen direkt in ein Szenario aus dem Lehrbuch der romantischen Komödie: Bear (Michael Johnston) vergöttert seine Kollegin Nikki (Inde Navarette). Für ihn ist sie die Liebe seines Lebens. Sie hält ihn höchstwahrscheinlich für einen guten Freund – auch wenn ihre Interaktionen durchaus ein bisschen flirty wirken. An dem Tag, an dem er Nikki endlich zu einem richtigen Date einladen will, kauft Bear in einem Kuriositätenladen einen Tand namens „One Wish Willow“ – ein angeblich magisches Stöckchen, das sich ein Wunsch erfüllt, wenn man es bricht. Als sich die Gelegenheit bietet, Nikki endlich seine Gefühle zu gestehen, versaut unser Mann es gründlich. Aus purer Frustration bricht er den Zweig entzwei und wünscht sich, dass sein Schwarm ihn mehr liebt als jeden anderen Menschen auf der Welt. Der Zauber wirkt – nur leider viel zu gut.

Das Szenario ist ein altbewährter Klassiker der Sorte „Vorsicht, was du dir wünschst“ – fruchtbarer Boden für alle, von Stephen King bis zu den „Simpsons“. (Tatsächlich war es eine „Simpsons“-Episode, die auf W.W. Jacobs‘ Kurzgeschichte von 1902 über eine abgetrennte Affenpfote mit übernatürlichen Kräften basiert, die Barker hier zu seiner Vorlage inspirierte.) Der Tonfall wechselt von langsam aufbauendem Unbehagen zu ausgewachsenem Wahnsinn und eskaliert auf eine Weise, die wunderbar aufgeht. Abgesehen von Andy Richter, der eine kleine Nebenrolle als Ladenbesitzer spielt, besteht die Besetzung aus weitgehend Unbekannten – wobei Navarette, die die besessene junge Frau mit einer Hingabe spielt, die selbst schon ans Obsessive grenzt, beruflich wohl bald in andere Sphären aufsteigen wird.

Barkers Karriere hat bereits eine Rakete gezündet. Wie einige namhafte Filmemacher im Horrorbereich – allen voran „Get Out“-Auteur Jordan Peele und „Weapons“-Regisseur Zach Cregger – begann er als Sketch-Comedian, bevor er sein Talent nutzte, um Online-Publikum um sich zu scharen. Nachdem „Obsession“ 2025 in der Midnight-Madness-Sektion des Toronto International Film Festival Premiere feierte, entbrannte ein regelrechter Bieterwettstreit. Focus Features sicherte sich den Film Berichten zufolge für 15 Millionen Dollar. Er startete auf Platz drei und legte – entgegen jeder Branchenlogik – im zweiten Wochenende um fast 40 Prozent (!) zu, ein nahezu beispielloser Sprung. Und er wäre womöglich der meistgesehene Film des Landes gewesen, hätte ihm ein ebenso ungestümer Horrorfilm nicht dicht auf den Fersen gesessen.

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„Backrooms“ ist das Werk von Kane Parsons, einem 21-jährigen aus der Bay Area, der online eine Reihe von gefälschten Found-Footage-Clips veröffentlicht hatte – zentriert um ein kryptisches Institut, das mysteriöse, physikalisch unmögliche Räume erforscht, bekannt als „the backrooms“. Diese Kurzfilme – ein Subgenre nutzergenerierter Horrorfiction, das als Creepypasta bekannt ist – zogen die Aufmerksamkeit einiger genreaffiner Gatekeeper, Tastemaker und, entscheidend, A24 auf sich. Das hipster-coole Studio signalisierte Interesse daran, diese viralen Fragmente als Grundlage für ein abendfüllendes Projekt zu nutzen, und der unter dem Namen @KanePixels bekannte Jungregisseur fand sich plötzlich mit einem lukrativen Deal ausgestattet.

Parsons baut eine Welt

Parsons‘ Spielfilmdebüt entwickelt aus seinen Kurzfilmen eine schwindelerregende, minimalistische Mythologie. Die Geschichte folgt Clark (Chiwetel Ejiofor), dem Manager eines Möbelhauses im Silicon Valley. Spät eines Abends entdeckt Clark, was aussieht wie ein Lichtschimmer, der durch einen Riss in der Kellerwand des Geschäfts fällt. Noch seltsamer: Er kann einfach durch die Wand spazieren und erkundet eine endlose Abfolge von Fluren, Korridoren und merkwürdig geformten unterirdischen Nischen. Er erwähnt es seiner Therapeutin Mary (Renate Reinsve aus „Sentimental Value“), die glaubt, Clark erlebe einen Zusammenbruch.

Dann verschwindet Clark spurlos. Mary sucht das Geschäft auf, das verlassen wirkt. Auch sie entdeckt jene sich multiplizierenden Hinterräume des Titels. Sie folgt dem Kaninchen in den Bau. Und dann beginnen ernstlich seltsame Dinge zu passieren.

Zum Zeitpunkt dieser Zeilen hat „Backrooms“ weltweit mehr als 200 Millionen Dollar eingespielt und „Marty Supreme“ als A24s erfolgreichsten Film aller Zeiten abgelöst. Auch „Obsession“ hat sich den Titel von Focus Features‘ größtem Hit aller Zeiten gesichert. Dass diese beiden Filme innerhalb einer Woche erschienen, war reiner Zufall – aber dass beide kurz vor dem Ende der Abschlussprüfungen an US-amerikanischen Colleges in die Kinos kamen, war alles andere als ein Nachteil. Und der Doppelschlag dieser vergleichsweise günstig produzierten Horrorfilme, die ihre IP-schwere Konkurrenz („The Mandalorian and Grogu“, „Masters of the Universe“) über mehrere Frühsommerwochenenden hinweg alt aussehen ließen, ist die Entwicklung, die nun unzählige Debattenbeiträge ausgelöst hat.

Renaissance oder Wellenkamm?

Die entscheidende Frage lautet: Stehen wir am Beginn einer Gen-Z-Horrorrenaissance, befeuert von einem perfekten Sturm aus jungem Talent, neuer Technologie, Online-Fangemeinden und einer schöpferfreundlichen Plattform, die in der Lage ist, traditionelle Wege zu umgehen und direkt Millionen von Augen zu erreichen? Oder ist dies lediglich der Kamm einer Welle, die schon lange im Aufbau war? Die neuseeländischen Filmemacher Danny und Michael Philippou – Zwillinge, besser bekannt unter ihrem YouTube-Namen RackkaRackka, wo ihre gewaltigen, irren Videos Millionen von Zuschauern begeisterten – wurden dank ihres A24-Hits „Talk to Me“ von 2022 zu Indie-Lieblingen. Der hawaiianische Schauspieler und Content Creator Mark Fischbach, bekannt als Markiplier, machte aus seiner selbst veröffentlichten Videospieladaption „Iron Lung“ einen der diesjährigen größten Return-on-Investment-Hits. (Budget: 3 Millionen Dollar. Einspielergebnis: 51,2 Millionen Dollar.) Obwohl sowohl die Philippou-Brüder als auch Fischbach in ihren Dreißigern sind, haben sie die Netzwerke des Internets so geschickt navigiert, dass sie einer jüngeren Generation zeigten, wie sich digitale Fangemeinden in echte Kinobesucher verwandeln lassen. Ganz zu schweigen davon, dass jüngere Filmfans – jene, die A24 unter Cinephilen zu einem Markennamen gemacht und Websites beim Vorverkauf für 70-mm-Vorführungen von Christopher Nolans „The Odyssey“ zum Absturz gebracht haben – inzwischen eine kollektive Kaufkraft besitzen, mit der sie den Kassenzahlen ihren Willen aufzwingen können.

Ja, das könnte eine Modeerscheinung sein – eine kurzlebige Anomalie, bevor die nächste Schwemme an IP-Blockbustern wie eine saisonale Heuschreckenplage über die Kinos hereinbricht. Doch sowohl „Obsession“ als auch „Backrooms“ haben von alternativen Kreativwegen, organischen Mundpropaganda-Kampagnen und einem allgemeinen Franchise-Überdruss profitiert, der die 18- bis 28-Jährigen nach anderen Unterhaltungsformen suchen lässt. Wie viel man mit diesen Filmen anfangen kann, mag verschieden sein – aber man kann nicht leugnen, dass sie gerade ein bestimmtes Kinoerlebnis prägen. Die Frage ist, ob dieser Moment sich zu einer echten Bewegung entwickeln wird. Wir würden eine Ladung verfluchter Affenpfoten darauf verwetten, dass die Antwort Ja lautet. Irgendwo da draußen sitzt ein Teenager mit einer Blender-Suite und einem Traum und hofft, der nächste große Name zu werden. Es war noch nie ein besserer Zeitpunkt, sich diesen Wunsch zu erfüllen.

David Fear schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil

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