Musik auf dem Meer: Das schwimmende Festival

Mit Clueso, Curse und vielen anderen auf „Festival Cruise“ – eine Reportage von Bord.

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Sobald man an Bord der AIDAprima geht, merkt man schon, dass ein schwimmendes Festival nicht dasselbe ist wie ein normales. Die mehr als 3500 Passagiere hier sind für die Bands und Künstler:innen da, sie feiern aber auch die Schiffsreise an sich. Vier Tage, die es in sich haben – in Sachen Musik, Genuss und ganz viel Meer. Die „AIDA Festival Cruise“ legt in Hamburg ab, im Juni 2026 fuhr sie nach Zeebrügge und zurück. 2027 wird die AIDAperla vom 24. bis 29. Mai unterwegs sein, also noch einen Tag länger. Sie peilt dann von Hamburg aus Göteborg und Kopenhagen an.

Das erste Highlight kommt früh am ersten Abend

Gleich am ersten Abend, um 19 Uhr, tritt Clueso im Theatrium auf, einer Rundbühne mitten auf dem Schiff, die von drei Decks aus einsehbar ist. Selbst einer wie Clueso, der riesige Open-Airs spielt, ist davon beeindruckt. Es sei „fast bisschen früh, aber auch geil“, sagt er – und: „Schön, dass Ihr da seid. Ihr könnt ja auch nicht weg! Aber wir auch nicht, ist keine Einbahnstraße!“ Und damit hat er schon präzise erkannt, was das Besondere hier ist: Alle sitzen im selben Boot! So trifft man die Musiker:innen auch mal an Deck, und vor allem können sie sich zum gemeinsamen Musikmachen besuchen. Clueso spielt heute mit einem Trompeter, einem Gitarristen und einem DJ, zu „Chicago“ nimmt er selbst die Akustikgitarre, holt sich später aber auch Freunde dazu.

Ein Freestyle-Rap mit seinem alten Kumpel Curse macht ihm offensichtlich extrem viel Spaß: „Ich lieb das, ich lieb Chaos!“ Er kann es sich leisten, weil er doch genau weiß, was er tut. Clueso hat so viele schöne Mitsingsongs, alle begeistern sich für „Keinen Zentimeter“ und „Zusammen“ mit einem kleinen Fanta-Vier-Medley. Und dann kommen noch die Headliner des zweiten Abends, das Berliner HipHop-Duo SDP, auf die Bühne, zum gemeinsamen Hit “Die schönsten Tage (waren schon immer die Nächte)“. Wer würde hier widersprechen wollen? Bei „Freidrehen“ geht der Erfurter in die Menge rein, Hände werden abgeklatscht, und alle lächeln noch lange, nachdem das Konzert vorbei ist.

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Clueso: Perfekt beim Spielen mit dem Publikum

Clueso mag spontane Zusammenkünfte auf der Bühne

So ist es an jedem der drei Abende, ob gerade ClockClock auftritt, Loi oder Esther Graf. Dass es Curse mit seinem anspruchsvolleren HipHop erst mal etwas schwerer hat als etwa der robuste Bausa, ist klar – doch er zieht mit seiner angenehmen Art das Publikum dann doch auf seine Seite. Er habe schon etwas gemischte Gefühle gehabt, gibt er zu, genießt jetzt allerdings die Reise: „Ich gucke aufs Meer, ich liebe Wasser und Schiffe. So kriegst du mich eigentlich immer happy. Und ich bin mit Freunden hier, Clueso und anderen.“

Auch hat er sich gewundert, wie aufmerksam das Publikum bei aller Feierlaune zuhört. Curse, der bürgerlich Michael Kurth heißt, hat feine Antennen. Seit Jahren arbeitet er als systemischer Coach. Zwischen Interview und Auftritt hat er in der Kabine noch schnell ein Video für ein Coaching-Programm aufgenommen, seine Lektorin wartet indes auf den Überblick für das nächste Buch zum Thema Meditation, „Bad Meditators Club”, das Mitte Dezember erscheinen wird. „Ich habe heute die verschiedenen Hüte direkt hintereinander auf“, stellt er lachend fest.

Curse bringt verschiedene Welten zusammen

Normalerweise entzerrt er seine Kanäle – Musik, Podcast, Buch, Coaching – ein wenig, aber notfalls geht es auch mal so. „Ich habe lange gebraucht, um das alles zusammenzukriegen, und irgendwann für mich diesen Moment gehabt: Ey, ich mache eigentlich nicht fünf verschiedene Dinge. Ich habe nur fünf verschiedene Outlets.“ Er braucht also keine unterschiedlichen Visitenkarten, die Bereiche befruchten sich gegenseitig. „Welten zusammenbringen“ nennt er es, und so ist auch seine Perspektive auf diese Cruise eine spezielle – er sieht da etwas Kathartisches: „Die Leute hier hören Musik, sie haben eine gute Zeit, sie vergessen ein bisschen ihren Alltag oder können sogar vielleicht durch Musik mehr Emotionen genießen, weinen und schreien – und davon bin ich ein Riesen-Fan. Und dann darf es meinetwegen auch Schlager sein oder whatever, I don’t care. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir ständig unsere Emotionen hart regulieren müssen, selten Räume haben, in denen wir wirklich authentisch sein können und die meisten von uns gar nicht wissen, wer wir eigentlich sind, weil es so verbuddelt ist.“

Bei dem (nicht nur) musikalischen Angebot herrscht starkes FOMO-Risiko

Die Musik ist auf der AIDA also der Dreh- und Angelpunkt – aber es gibt ja noch so viel anderes zu tun! Neben dem großen Theatrium finden bei der Salitos-Stage im Beach-Club die Partys bis spät in die Nacht statt, diesmal mit 90er-Jahre-Dance-Motto (Captain Jack: naja, Oli.P: gar nicht gealtert), Schlager und Pop. Nicht jede:r muss alles mögen, aber alle genießen die Stimmung: ausgelassen und gleichzeitig entspannt. Und es hat etwas Zauberhaftes, wenn man vom Party-Getöse auf die Kabine geht und plötzlich in Stille auf das Meer gucken kann. Allerdings gibt es ein starkes FOMO-Risiko: So viele gute Restaurants zu entdecken, wohin geht man zuerst? (Ins „Buffalo Steak House“, würde ich vorschlagen, aber bei 12 Restaurants und 18 Bars schafft man gar nicht alles.) Und gelingt es einem zwischen all der Musik, das Sonnendeck oder das Spa zu besuchen?

Anfangs war es gar nicht so leicht, Künstler:innen an Bord zu kriegen, gibt Senior Vice President Marketing & Sales Alexander Ewig zu. Doch die „Festival Cruise“ findet jetzt schon zum dritten Mal statt, man hat viel gelernt und sich „an das Thema rangerockt“. In der Musikbranche entpuppt sich das besondere Ambiente mehr und mehr als Anreiz – Musiker:innen entdecken manchmal erst während der Reise, wie schön es an Bord ist, und wollen dann länger bleiben. Inzwischen waren von Mando Diao bis Sido so viele dabei, dass sie sich auch gegenseitig davon erzählen. Der Sound ist großartig, dafür sorgen Dutzende Techniker.

Beim öffentlichen Soundcheck kann sich niemand verstecken

Nur beim Soundcheck müssen sich manche erst daran gewöhnen, dass dieser vor Publikum stattfindet: Im Theatrium kann man sich nicht verstecken. Kein Problem, so Ewig: „Es hat sich inzwischen rumgesprochen, dass das nicht irgendwie cringe ist. Stefanie Heinzmann zum Beispiel war total überrascht, als sie das erste Mal hier war. Inzwischen sagt sie, sie liebt das, weil du natürlich direkt ein anderes Feedback kriegst. Du kannst wirklich eine Probe machen – und zwar nicht nur ablauftechnisch, sondern tatsächlich. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie die Leute reagieren.“ Die Nähe zu den Stars bei maximaler Gelassenheit macht die Cruise aus.

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Das Theatrium: Publikum auf drei Ebenen

Mit etwas Glück trifft man die Stars auch an der Bar

Vielleicht noch ein paar Worte zur Frage, ob Kreuzfahrten ökologisch vertretbar sind. Für Menschen, die komplett auf Fernreisen, Autos und so weiter verzichten, vielleicht nicht. Aber es verdient schon Respekt, was gerade AIDA in den vergangenen Jahren angeschoben hat: Wo immer möglich, wird an den Häfen jetzt Biokraftstoff getankt, bis 2050 wird Klimaneutralität angestrebt. Landstrom und Flüssigerdgas sind Standard, und AIDAprima hat das momentan größte Batteriespeichersystem im Kreuzfahrtbereich. Das Recyclingcenter an Bord übertrumpft jede andere Kleinstadt. (Mit mehr als 5000 Mann an Bord ist das Schiff ja genau das.) Der Müll wird penibel getrennt, und in der riesigen Küche ist keine Plastiktüte zu sehen. Dass jedes Festival eine Menge Schmutz macht, ist klar – aber hier wird er sehr ordentlich beseitigt.

Zurück zum Vergnügen. Wir treffen noch kurz Clueso, der auch ein bisschen lachen muss, dass man sich auf einem Kreuzfahrtschiff wiedersieht. Fünf Fragen an den Mann, der mit „Deja vu 1/2“ gerade wieder ein Nummer-eins-Album geschafft hat und es „nice“ findet, dass er hier mit „kleinem Besteck“ auftreten kann statt mit großer Band.

„Hier ist es ein bisschen familiärer“ (Clueso)

Ein ungewöhnlicher Auftrittsort, oder?

Das kann man sagen! Ich habe mal mit meinen Eltern eine Schiffsreise gemacht und fand es okay. Und dadurch, dass Freunde von mir da sind, SDP, fühlt man sich nicht so alleine. Ich hätte sogar gern noch einen Tag drangehängt. Curse habe ich sehr lange nicht gesehen, und ich hatte quasi noch die Rettungsweste um, da meinte ich, Digga, du musst eigentlich auf die Bühne kommen! – Er so: Klar, was machen wir? – Ich so: Es läuft ein Beat, der hat 90 bpm. Das hat ihm gereicht.

Also wirklich spontan. War es mit SDP genauso?

Ja. Hier ist es ein bisschen familiärer als auf einem normalen Festival – da würden wir, glaube ich, nicht den großen Hit einen Tag vorher killen. Wir haben darüber kurz gesprochen, aber dann meinte ich so, ist doch Boogie, die hören sich das auch zweimal an. Dann war es halt ein Soundcheck. Ist irgendwie ganz geil. Das wertet dann unseren Auftritt ein bisschen auf, pusht noch mal wie ein kleiner Espresso rein.

Wie fandest du den Soundcheck, der ja mitten im Betrieb hier stattfindet?

Ich habe zehn Minuten gebraucht, und dann habe ich gesagt, scheiß drauf, jetzt machen wir daraus auch ein Ding. Dann haben die Leute so was auch mal erlebt – dann checken die halt, dass wir über Frequenzen labern, wie wir kommunizieren, Dinge ausprobieren.

Cluesos nächstes Album ist schon in Arbeit

Arbeitest du nebenbei schon an „Deja vu 2/2“?

Ich habe 20 Songs geschrieben, nachdem ich auf Mallorca im Studio war, und habe die jetzt alle verworfen. Ich gehe gerade in eine ganz andere Richtung, mir war das zu sehr wie Teil 1. Und Teil 1 ist so stimmig, das wurde auch von vielen richtig durchgehört, nicht nur die drei Hits. Also dachte ich, ich fange jetzt was ganz anderes, richtig Verrücktes an.

Wohin geht es ungefähr?

Es wird ein bisschen elektronischer, mehr in Richtung UK. Mit dem Produzenten von Fred Again und Drake. Seltsame Arrangements. Es klingt eher so, als hätte man Clueso gesampelt!

Clueso lacht und macht sich auf den Weg zurück zu seiner Kabine. Er darf die Crew-Aufzüge benutzen, aber schaut auch gern mal an einer der Bars vorbei. Das Gespräch ist nicht ohne Grund von morgens auf nachmittags verlegt worden. Zum Abschied hat er noch eine tolle Idee: „Ihr müsstet mal so ein ROLLING-STONE-Ding hier auf dem Schiff machen!“

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Der Artikel entstand im Rahmen einer Pressereise, die von AIDA Cruises unterstützt wurde. Unsere redaktionelle Unabhängigkeit bleibt davon unberührt.

 

Jonas Diener @ AIDA Cruises
Jonas Diener @ AIDA Cruises

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