2026 ACM Awards Nominierungen: Machen die Voter jemals alles richtig?
Von rätselhaften New-Artist-Nominierungen bis zur Frage, was der Entertainer of the Year noch wert ist – Nashville Now mit fünf heißen Thesen.
Als die Nominierungen für die 2026 ACM Awards Anfang des Monats bekannt gegeben wurden, dominierten die Frauen das Bild. Megan Moroney, Miranda Lambert, Ella Langley und Lainey Wilson führten das Feld an – jede von ihnen mit mehr Nominierungen als der beste männliche Kandidat, Chris Stapleton mit sechs.
Doch auch wenn die Anerkennung der Frauen durch die ACM-Voter in diesem Jahr ein positives Zeichen ist, bedeutet das noch lange nicht, dass Künstlerinnen dieselben Chancen bekommen wie ihre männlichen Kollegen. In einer Sonderfolge des ROLLING-STONE-Podcasts „Nashville Now“ stellen wir fünf Fragen – nennt sie ruhig heiße Thesen – zu den Nominierungen, Kategorien und Rennen bei den 61. ACM Awards. Die ACMs werden am Sonntag, dem 17. Mai, aus der MGM Grand Garden Arena in Las Vegas auf Prime Video gestreamt.
Die ACM Awards werden von Dick Clark Productions produziert, einem Unternehmen im Besitz von Penske Media Corp., der Muttergesellschaft von ROLLING STONE.
Duo of the Year: das ewige Chaos
Bei der Verleihung im vergangenen Jahr räumten Brooks and Dunn den ACM für Duo of the Year ab – ein Duo, dessen letztes aufgenommenes Material eine Sammlung neu eingespielter Duette aus dem Jahr 2024 war. In diesem Jahr, 18 Monate nach dem Erscheinen von „Reboot II“, sind die Country-Music-Hall-of-Famers erneut nominiert. The War and Treaty hingegen, die 2025 ein neues Album veröffentlicht haben und bei Country-Award-Shows regelmäßig auf der Bühne stehen, tauchen nirgends auf. Das unterstreicht einmal mehr, warum diese Kategorie zuverlässig für Kopfschütteln sorgt. Ein weiteres Beispiel? Die Aufnahme des neuen Duos Thelma and James – eine Gruppe, die so am Anfang ihrer Karriere steht, dass sie eigentlich in der Kategorie New Duo or Group of the Year hätte nominiert werden sollen. Wenn es diese Kategorie in diesem Jahr nur gäbe … womit wir bei unserem vierten Punkt wären.
Die Kategorien New Male Artist of the Year und New Female Artist of the Year geben Namen wie Avery Anna, Vincent Mason und Emily Ann Roberts die Chance, einen ACM-Pokal mit nach Hause zu nehmen. Aber anders als im Vorjahr gibt es kein Rennen um New Duo or Group of the Year. Gleichzeitig fehlen Künstlerinnen, die echte Durchbruchjahre hinter sich haben – wie Kaitlin Butts und Carter Faith, aber auch Brittney Spencer, die demnächst als Vorband von Bob Dylan auf Tour geht – in den Nachwuchskategorien. Das liegt vor allem an der Anforderung, dass ein Nominierter einen Song in den Top 50 der Hot Country Songs von „Billboard“ oder in den Mediabase-Country-Charts platziert haben muss.
Album of the Year: seltsame Auswahl
Es ist erfreulich, neue Namen wie Riley Green, Parker McCollum und Carter Faith für ihre jeweiligen Werke in dieser Kategorie zu sehen – doch die Auslassungen sind gravierend. Zwei der bahnbrechendsten Alben des vergangenen Jahres, Eric Churchs „Evangeline vs. the Machine“ und Tyler Childers‘ „Snipe Hunter“, gingen leer aus. Dabei war es ausgerechnet eine Deluxe-Edition seines Albums „Don’t Mind If I Do“, die Green eine Nominierung einbrachte. Wir freuen uns riesig über Faiths „Cherry Valley“ – das ROLLING STONE auf Platz zwei seiner Liste der besten Country- und Americana-Alben 2025 geführt hat –, aber es wirft ein Schlaglicht auf Faiths Abwesenheit im New-Female-Feld.
Der Hauptpreis bei den ACMs (und dem Rivalen CMA Awards), der Entertainer of the Year, gilt gemeinhin als Auszeichnung für den besten Botschafter der Country-Musik des Jahres. Die vagen Kriterien lassen sich kaum in Zahlen fassen, was mitunter zu subjektiven Gewinnern führt. Wenn die Kategorie aber tatsächlich für die Verbreitung der Country-Musik steht, gibt es eine unentschuldbare Lücke: Ella Langley. Niemand hat in diesem Jahr mehr für die Country-Musik getan als Langley mit ihrem Crossover-Hit „Choosin‘ Texas“.
Frauen vorn – aber im Radio?
Moroney kommt auf neun Nominierungen, Miranda auf acht, Langley und Wilson haben jeweils sieben – sie sind die klaren Favoritinnen bei den 61. ACMs. Doch das schlägt sich nicht zwingend in Radioairplay nieder. Aktuell stehen bei Mediabase nur zwei Frauen in den Top 20: Langley und Moroney. Um das klarzustellen: Wie Autorin und ROLLING-STONE-Mitarbeiterin Marissa R. Moss betont, liegt das nicht an den Künstlerinnen selbst, sondern an der Industrie.