Adele: Who the fuck is Adele Adkins?


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Adele ist noch immer in aller Munde. Ihr letztes Album „21“ hat sich über Monate in den internationalen Charts festgebissen, das Wort „Adele“ ist der meist gesuchte Begriff auf unserer Website, ihre jüngste Tourabsage bringt ganze Länder in Sorge und man munkelt noch immer, Adele sei die Kandidatin für den neuen James Bond-Soundtrack. Was aber inzwischen dementiert wurde. Heute kam nun die Meldung, dass Adeles Album „21“ das allererste in der Geschichte der digitalen Musik ist, das über eine Millonen mal bei iTunes heruntergeladen wurde. Aber wer ist diese junge Britin eigentlich? Rolling Stone-Autor Touré wollte im Frühjahr diesen Jahres genau das herausfinden und erlebte eine zweifelnde, selbstbewusste, derbe, einfühlsame, junge Frau. Hier nun unsere Story in voller Länge.

„Oh nein, Louis“, stöhnt sie, „du sollst dich doch nicht immer in der Scheiße wälzen!“ Es ist Samstagnachmittag, und Adele stolpert durch einen kleinen Park an der Hamburger Außenalster und versucht, ihren ständigen Begleiter an der Leine zurückzureißen. Der störrische Partner ist ein zweijähriger Dackel und hört auf den Namen Louis Armstrong.

Ihre Europa-Tournee hat zwar erst vor wenigen Tagen begonnen, aber Adele scheint schon ein wenig aus dem Tritt. In der Penthouse-Bar des Hotels hat sie gerade zwei kleine Karaffen Rotwein gekippt und fühlt sich nun ein wenig „tüdelig“. „Der Wein ging schnurstracks in meinen Kopf!“, beteuert sie. Für unser Interview hat sie kein Make-up aufgelegt, und ihre langen dunkelblonden Haare sind nur provisorisch zusammengebunden.

Auch wenn die Pop-Charts derzeit eher von Sex-Bömbchen und Konzeptkünstlern bevölkert werden, so war der Überraschungserfolg des Jahres doch ein Herzschmerz-Album, das auch in Muscle Shoals, Alabama hätte entstanden sein können – das Bravourstück einer erfrischend natürlichen, vollschlanken 22-Jährigen, deren liebste Kleidungsstücke unförmige Turtleneck-Pullover sind. (Heute trägt sie ein schwarzes Exemplar – „mein Schutzschild, meine Wohlfühl-Garantie“ –, dazu schwarze Leggings und flache Stoffschuhe im Leoparden-Muster.) „21“, ihr zweites Album, schoss in England, Deutschland und den USA umgehend auf Platz 1 und verkaufte bislang 3,5 Millionen Exemplare – eine Erfahrung, die sie selbst „ganz schön heftig“ findet. Vor Kurzem hat sie wieder mit dem Rauchen angefangen. Sie behauptet zwar, täglich nicht mehr als sieben Stück zu brauchen, qualmt aber innerhalb weniger Stunden mindestens sieben Zigaretten weg.

Ihre emotionale Gefühlslage wurde in dieser Woche dadurch beeinträchtigt, dass ihr Vater Mark Evans – ein Alkoholiker auf Entzug, der ihre Mutter und die damals dreijährige Adele sang- und klanglos sitzenließ – seine Geschichte an das englische Revolverblatt „The Sun“ verkaufte und dort hehre Tränen der Reue vergoss. „Ich habe meinen Vater nie gekannt“, sagt sie und kneift ihre Augen zusammen. „Er hat kein gottverdammtes Recht, sich über mich auszulassen.“ Gleich am nächsten Tag folgte der nächste Enthüllungshammer: Diesmal hatte ein Reporter ihre Großmutter an einer Bushaltestelle abgefangen und in ein Gespräch verwickelt. „Und da fing ich mit dem Rauchen wieder an.“

Ihre Stimme ist nichtsdestotrotz eine der großen Entdeckungen der letzten Jahre: Sie vereint die Naturgewalt des Soul mit einer zerbrechlichen, fast schon erschreckenden Ungeschminktheit, die Songs wie „Someone Like You“ (in dem sie sich von einem Ex verabschiedet, der eine andere Frau heiratet) in eine karthartische Explosion verwandeln. „All ihre Songs“, sagt Sam Dixon, ihr Bassist, „basieren auf tatsächlichen Ereignissen und echten Personen. Es fällt ihr manchmal schwer, diese Songs überhaupt zu singen. Es gab schon mehrfach diese Situation …“ Wie etwa bei den Brit-Awards im Februar, wo sie am Ende von „Someone“ in Tränen ausbrach und sich von den Kameras wegdrehen musste. „Das ist keine Pose, keine Rolle“, glaubt Rick Rubin, der vier Songs des Albums produziert hat. „Wenn man jemanden hört, der seine Seele offenlegt, erzeugt das nun einmal die entsprechenden Schwingungen.“

Privat verhält sie sich nicht anders. Auf unserem Spaziergang erzählt sie mir davon, wie sie einmal „mit einem Tampon auf dem Finger“ auf die Bühne spazierte. Sie wollte, so erklärt sie, auf diese Weise ihren gebrochenen Fingernagel schützen. („Man höhlt den Tampon aus und zieht ihn über den Finger. Mache ich ständig.“) Sie  spricht schnell, schlüpft in verschiedene Stimmlagen und erzählt auch auf der Bühne gerne mal dreckige Witze. („Wie nennt man eine Blondine, die auf dem Kopf steht? Eine Brünette mit schlechtem Atem.“) Sie gibt zu, es einmal mit einem Dating-Service im Internet versucht zu haben. „Ich war betrunken, völlig von der Rolle und hörte Sinéad O’Connors ,Nothing Compares 2 U‘.“ (Nach dem einmaligen Versuch ließ sie es aber schnell wieder bleiben.)

Erstaunlicherweise liebt sie auch die wilde Rap-Formation Odd Future. „Sie bringen frischen Wind in die Szene“, sagt sie, „aber meine Fans waren nicht gerade begeistert, als ich ihr Video auf meinem Blog postete.“ Lil’ Kim, selbst für kleine Ferkeleien bekannt, hörte Adele einmal rappen und meinte, „ich sei ganz schön versaut“.

Adele Laurie Blue Adkins wurde im Londoner Stadtteil Tottenham geboren, einem Bezirk, der für seine hohe Arbeitslosigkeit berüchtigt ist. Ihre Mutter Penny war bei der Geburt noch ein Teenager und arbeitete anschließend als Masseurin, Möbelschreinerin und Büro-Hilfe. Sie zogen ständig um, oft genug in Sozialwohnungen. „Ich liebte die Umzieherei“, so Adele. „Das ist vermutlich auch der Grund, warum ich es heute nicht an einem Ort aushalte. Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, denke ich nicht: ,Mein Gott, ich musste zehn verschiedene Schulen besuchen.‘ Meine Mutter brachte es immer fertig, dass der Neuanfang mit Spaß verbunden war.“

Ihre Mutter ist noch immer ihre beste Freundin und teilt sich mit ihr die Wohnung. Sie war es auch, die sie mit Mary J. Blige, Lauryn Hill und Alicia Keys bekannt machte. Alben wie „The Miseducation Of Lauryn Hill“ und „Songs In A Minor“, so Adele, hätten ihr Leben grundlegend verändert. Der andere große Einfluss war Etta James, die sie einmal beim Stöbern in einem Secondhand-Plattenladen entdeckte. „Es war das erste Mal, dass mich eine Stimme wirklich packte. Was immer ich auch gerade tat: Ich musste einfach innehalten und konnte nur zuhören. Sie packte mich im Kopf, und sie packte mich im ganzen Körper.“

Schon als Kind sang sie mit Begeisterung und versuchte sich auch an Gitarre und Klarinette. Mit 14 waren ihre Talente bereits so offensichtlich, dass sie nach einer Audition gleich einen Studienplatz auf der angesagten „BRIT-School“ bekam. (Die Londoner Hochschule für darstellende Künste hatte in früheren Jahren bereits Amy Winehouse, Leona Lewis und Kate Nash ausgebildet.) „Es war genau wie im Film ,Fame‘“, so Adele. „Auf den Fluren drehten die Kids Pirouetten, übten sich in Mimik oder veranstalteten im Foyer Gesangswettbewerbe.“ Ben Thomas, ihr damaliger Klassenfreund und heutiger Gitarrist, stellt allerdings klar, dass sie damals nie große Ambitionen gezeigt habe, einmal im Musikbusiness erfolgreich zu sein. „Es gab einige Kids auf der Schule, die alle Hebel in Bewegung setzten. Man konnte es ihnen an der Nasenspitze ansehen, dass sie um jeden Preis Karriere machen wollten. Bei Adele hatte man nie das Gefühl. Aber sie hatte von Anfang an großartige Auftritte, und wenn sie sang, war es mucksmäuschenstill. Alle Anwesenden waren immer tief beeindruckt.“

Trotzdem flog sie fast von der Schule, weil Pünktlichkeit nicht gerade zu ihren Stärken zählte. „Ich kam einmal geschlagene vier Stunden zu spät. Ich schlief so fest – ich wollte nicht schwänzen, konnte aber einfach nicht aufwachen.“ Ein anderes Mal wurde sie von ihren Lehrern auserwählt, mit einer Gruppe der 20 talentiertesten Studenten bei einem Festival aufzutreten – und bekam wieder nicht rechtzeitig die Augen auf. Als sie schließlich aufwachte und merkte, dass alles zu spät war, „schien mein Herz in der Brust zu explodieren. Es war furchtbar. Und deswegen hätte man mich fast von der Schule geworfen. Seitdem bin ich ein pünktlicher Mensch, und wenn ich mich mal verspäte, liegt der Grund nicht bei mir.“

In ihrem letzten Studienjahr lud ein Freund ein Drei-Song-Demo, das sie als Klassenarbeit aufgenommen hatte, bei MySpace hoch. Mehrere Labels meldeten sich per E-Mail und wollten sie treffen. Sie war wenig beeindruckt: „Ich dachte, es wären irgendwelche Internet-Perverslinge. Ich sah zwar, dass da E-Mails von Island und XL dabei waren, aber da mir die Namen nichts sagten, rief ich sie auch nicht an.“ Schließlich, nachdem sie ihre Mutter gedrängt hatte, sagte sie doch einem Treffen mit dem A&R-Mann von XL zu. Das Label, bei dem unter anderem auch M.I.A. zu Hause ist, nahm sie auf der Stelle unter Vertrag.

„19“, ihr Debüt von 2008, war mehr als nur ein Achtungserfolg. In den USA stieg es auf Platz 56 der Billboard-Charts ein, fiel dann aber wieder ab – bis sie plötzlich einen Auftritt in „Saturday Night Live“ angeboten bekam. Amerika befand sich gerade mitten im Wahlkampf, und Sarah Palin war ebenfalls Gast in der Show. „Da saß ich in meiner Umkleidekabine, ließ mir das Make-up auflegen und dachte nur: ,Wenn du das sauber durchziehst, könnte es vielleicht einer der Knackpunkte deiner Karriere sein.‘“ Mehr als 14 Millionen saßen vor dem Fernseher, als sie „Chasing Pavements“ und „Cold Shoulder“ sang. „Zum Zeitpunkt der Show“, so Jonathan Dickins, ihr Manager, „standen wir bei iTunes auf Platz 40. Am nächsten Morgen waren wir auf Platz 8 – und als ich in London wieder aus dem Flugzeug stieg, waren wir auf der 1.“ Wenig später konnte sie zwei Grammys für „Best New Artist“ und „Best Female Pop Vocal Performance“ in Empfang nehmen.

Es war zu diesem Zeitpunkt, dass sie den Mann traf, der sie zu „21“ inspirieren sollte. Er war zehn Jahre älter als sie, begeisterte sie fürs Reisen, legte ihr Bücher wie Zadie Smiths „Zähne zeigen“ nahe und animierte sie, eigene Poesie zu schreiben. „Er machte mich zur Erwachsenen“, sagt Adele. „Er brachte mich auf den Weg, auf dem ich heute gehe. Auch wenn mein Leben zuletzt vor allem aus meiner Karriere bestand, so gab es doch immer dieses kleine Nebenprojekt, das auf den Namen ,Wir‘ hörte. Und das gab mir ein Stück Normalität zurück, die ich dringend brauchte. Ich war nämlich auf dem besten Weg, meschugge zu werden, völlig durchgeknallt.“

Sie lebten in ihrem Apartment für fast ein Jahr, doch dann begann es zu bröckeln. „Irgendwann hörte es einfach auf, Spaß zu machen“, sagt sie. Er hatte zwar auch künstlerische Neigungen, „aber ein Romantiker war er nicht. Er fuhr mit mir nie nach Italien. Ich nahm ihn mit nach Italien!“ Sie lacht. „Ich buchte den ganzen Trip und suchte uns ein nettes Hotel in Mailand.“

Am Ende „stritten wir uns über eine Tasse Tee oder darüber, dass mein Feuerzeug nicht funktionierte“. Ihre Freunde waren nicht unglücklich, als er von der Bildfläche verschwand. „Sie waren alle der Meinung, dass es ein Scheiß-Typ war“, sagt sie. „Alle meine Freunde, auch meine Arbeitskollegen, waren froh, ihn gehen zu sehen, weil ich mich in seiner Gegenwart anders verhielt.“

Am Morgen nach dem offiziellen Ende war sie im Studio. Bei den Aufnahmen zu „Rolling In The Deep“ konnte sie die Tränen nicht mehr zurückhalten. Produzent Paul Edgeworth, der für diesen Track zuständig war, erinnert sich, dass sie „offensichtlich verstört war und auch offen über ihr emotionales Chaos sprach. Aber gleichzeitig loderte in ihr dieses enorme Feuer.“

Als die Hälfte des Albums eingespielt war, erfuhr sie, dass sich ihr Ex verlobt hatte. „Ich war am Boden zerschmettert.“ Zu einer neuen Beziehung konnte sie sich seitdem nicht aufraffen. „Ich bin einfach noch nicht dazu bereit“, sagt sie leise. „Ich bin etwas wackelig. Ich bin nicht mehr in ihn verschossen, aber irgendwie liebe ich ihn noch immer – falls das Sinn ergibt.“

Ich habe den Flattermann“, sagt sie. Es ist 19 Uhr 30, und sie sitzt in der Umkleidekabine des „Docks“ auf der Reeperbahn. Sie trägt noch immer ihren schwarzen Pullover, trinkt Kaffee und raucht, während Louis es sich auf ihrem Schoß bequem gemacht hat. Wie vor jedem Auftritt, hat sie auch diesmal mit ihrem Lampenfieber zu kämpfen. „Ich habe Angst vor dem Publikum“, sagt sie. „Ich mach mir wirklich fast in die Hose. Bei einer Show in Amsterdam war ich so nervös, dass ich durch den Notausgang flüchtete. Ein paar Mal habe ich mich schon übergeben; in Brüssel habe ich jemanden richtiggehend angekotzt. Ich muss wohl damit leben. Aber Spaß macht mir das Touren nicht. Ich habe zu viele Panikattacken.“

Wie schafft sie es unter diesen Umständen überhaupt, sich auf die Bühne zu stellen? „Ich denke daran, dass bisher noch nie etwas völlig in die Hose gegangen ist. Und ich klopfe ein paar Witze. Das funktioniert tatsächlich, auch wenn ich dabei reichlich Mist erzähle.“ Und während sich bei den meisten Performern das Lampenfieber legt, wenn sie erst einmal auf der Bühne stehen, wird es bei Adele nur noch schlimmer. „Ich kriege meine Nerven erst in den Griff, wenn ich wieder hinter der Bühne bin. Der Gedanke, dass jemand 20 Euro bezahlt, um mich zu sehen und anschließend sagt: ,Mir ist sie auf Platte lieber, ihr Auftritt hat die ganze Illusion zerstört‘, dieser Gedanke macht mich fix und fertig. Es bedeutet mir so viel, dass die Leute kommen und ihre Zeit für mich opfern.“

Sie hat sich sogar ein Alter Ego namens Sasha Carter für diese Situationen zusammengebastelt – zusammengesetzt aus Beyoncés Charakter „Sasha Fierce“ und June Carter. „Ich sollte Beyoncé einmal kennenlernen und hatte im Vorfeld mal wieder eine Panikattacke. Und dann kommt sie plötzlich rein – umwerfend schön wie immer – und sagt: ,Du bist einfach unglaublich. Wenn ich deine Stimme höre, ist es, als spräche Gott zu mir.‘ Kann es sein, dass sie das wirklich gesagt hat? Später ging ich auf den Balkon hinaus und hatte einen hysterischen Weinkrampf. Und dann sagte ich mir: ,Was würde Sasha Fierce jetzt tun?‘ Das war der Moment, in dem Sasha Carter geboren wurde.“

Ein Faktor, der sie interessanterweise nicht aus dem Gleichgewicht bringt, ist ihr Übergewicht. Sie habe in ihrem Leben mal mehr und mal weniger gewogen, sagt sie, aber von Diät oder Fitness will sie nichts wissen. „Mein Leben ist ohnehin schon voll von Dramen, da habe ich keine Lust, mich wegen etwas so Oberflächlichem unter Druck zu setzen. Mir macht es keinen Spaß, ins Fitness-Studio zu gehen. Ich mag gutes Essen und guten Wein. Und selbst wenn ich eine Super-Figur hätte, würde ich meine Möpse und meinen Hintern nicht raushängen lassen. Ich liebe es, Lady Gagas Möpse und Hintern zu sehen. Ich liebe es, Katy Perrys Möpse und Hintern zu sehen. Tue ich wirklich. Aber das ist nicht das, worum es in meiner Musik geht. Ich mache keine Musik für die Augen, ich mache Musik für die Ohren.“

Sie beugt sich zu Louis herunter, wedelt mit einem Leckerli und gibt das Kommando: „Lady Gaga! Wo sind die Pfötchen?“ Louis setzt sich auf sein Hinterteil und macht brav Männchen. Wir kommen auf Mumford & Sons zu sprechen, die sie über alles liebt. „Sie sind näher an dem, was ich für Etta James empfinde, als alle anderen. Was für wunderbar ausdruckstarke Stimmen!“

Um 20.40 Uhr macht sie die letzte Zigarette aus, setzt Louis auf den Boden, geht zum Rand der Bühne und beginnt „Hometown Glory“ zu singen, eine Ode an ihre Heimat London. Das Publikum kann sie hören, aber zunächst noch nicht sehen. Dann geht sie langsam zur Bühnenmitte und setzt sich auf einen hölzernen Stuhl. Bei einem englischsprachigen Publikum fackelt sie hier gerne mal ihre „Bette-Midler-Jux-Nummer“ ab, aber heute konzentriert sie sich lieber auf die Songs. Manchmal steckt sie beim Singen eine Hand in die Jackentasche. Das Repertoire stammt von den beiden Alben, dazu „If It Hadn’t Been For Love“ von den Steeldrivers aus Nashville. Sie stellt den Song mit ein paar Worten vor: „Er handelt von einem Mann, der seine Frau erschießt. Hätte ich doch nur das Gleiche mit meinem Ex gemacht.“

Zwischen zwei Songs erzählt sie auch von Louis: „Mein Hund ist auf Tour mit mir. Er ist ein Dackel. Ich habe einen deutschen Hund! Er liebt es hier. Er ist in seiner Heimat angekommen!“ Das Publikum quittiert es mit einem dezenten Lachen. Zum Ende gibt sie noch einmal Gas und beendet das Set mit einem lauten, druckvollen, stampfenden „Rolling In The Deep“.

Das Hauslicht geht an, Musik kommt vom Band – und noch immer steht das Publikum vor der Bühne und brüllt und klatscht und ruft ihren Namen, aber sie wird nicht zurückkommen. „Man sollte sie immer mit dem Wunsch zurücklassen, mehr haben zu wollen“, sagt Adele im Umkleideraum, eine Zigarette in der Hand und Louis auf dem Schoß. „Aber es war schon eine sehr emotionale Show.“

Endlich, nach dem Auftritt, ist Adele mit ihren Nerven wieder im Reinen. Sie witzelt darüber, was wohl passieren würde, wenn sie in einer glücklichen Beziehung leben würde. „Nie wieder Musik! Meine Fans würden rufen: ,Babe! Bitte! Lass dich scheiden!‘“ Sie muss lachen. „Aber keine Sorge. Meine gottverdammte Seifenblase platzt immer.“